Barbara Bosch mahnt zu Besonnenheit

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  • Mit Stücken von Götz, Schostakowitsch, Ketèlbey und Piazzolla gestaltete der Hohner Handharmonika und Akkordeonclub 1930 Reutlingen– gemeinsam mit dem Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie – am Freitag den feierlichen Rahmen des Bürgerempfangs in der Reutlinger Stadthalle. Foto: Marinko Belanov 1/2
    Mit Stücken von Götz, Schostakowitsch, Ketèlbey und Piazzolla gestaltete der Hohner Handharmonika und Akkordeonclub 1930 Reutlingen– gemeinsam mit dem Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie – am Freitag den feierlichen Rahmen des Bürgerempfangs in der Reutlinger Stadthalle. Foto: Marinko Belanov Foto: 
  • OB Barbara Bosch mit den Trägern der Bürgermedaille (von links)  Werner Fink, Ursula Göggelmann und Annamaria Donatoni.   Foto: Marinko Belanov 2/2
    OB Barbara Bosch mit den Trägern der Bürgermedaille (von links)  Werner Fink, Ursula Göggelmann und Annamaria Donatoni.  Foto: Marinko Belanov
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Irgendwie scheint die Welt aus den Fugen zu geraten“, sagte  Oberbürgermeistern Barbara Bosch mit Blick auf Terrorismus Kriege und Katastrophen beim gestrigen Bürgerempfang in der Reutlinger Stadthalle. Der Empfang wurde vom Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie unter Jürgen Jubls Leitung und vom Hohner Handharmonika und Akkordeonclub 1930 Reutlingen schwungvoll musikalisch mitgestaltet.

Ferner beklagte Bosch die Verrohung der Sitten im Umgang miteinander, die inzwischen auch die Kommunen erreicht habe. Wie sich an der steigenden Zahl von Diffamierungen, Hassmails und Gewaltandrohung zeige, werde die gesellschaftliche Auseinandersetzung zunehmend ruppiger, extremer und intoleranter. Nicht selten würden Tatsachen nur dann als richtig empfunden, wenn sie ins persönliche oder politische Konzept passen. Immer größere Bevölkerungsschichten, zitierte Bosch die Einschätzung der Gesellschaft für deutsche Sprache, seien in ihrem Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Fakten zu ignorieren und Lügen zu akzeptieren. Dies hätten die Debatten um den Brexit wie auch der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf gezeigt. Für die OB ein Indiz gesellschaftlicher Entwicklungen, die sich auch hierzulande abzeichneten.

„Was wir derzeit verloren haben, ist der Zugang zu einer zivilisatorischen Errungenschaft: Besonnenheit. Es fehlt der Mut zum Innehalten, zum Durchschnaufen im Wortgewitter. Das Fühlen gewinnt zurzeit. Es siegt über das Denken. Die Angst gewinnt über das Wissen, die Wut über die Analyse“, verwies Bosch auf einen Kommentar in der Stuttgarter Zeitung. Besonnenheit sei für sie generell eine gute bürgerliche Eigenschaft, da sie verhindere, „dass wir auf jeder Erregungswelle mit-„surfen“ oder, schwäbisch gesagt, dass wir auf jede Sau springen, die durchs Dorf getrieben wird“, betonte das Stadtoberhaupt in seiner Rede.

Dazu gehöre aber auch, Probleme offen und ehrlich anzusprechen – auch beim Thema „Flüchtlinge“. So habe sie von Anfang an darauf hingewiesen, dass die „Integration der Neuankömmlinge uns auf Jahre hinaus fordern wird“. Wenn diese aber gelinge – und sie könne gelingen, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind – werde dies, ist Bosch überzeugt, positive Impulse für die Gesellschaft mit sich bringen. Um dahin zu kommen, müssten Verbrecher und Kriminelle unter den Flüchtlingen dingfest gemacht gemacht werden.

Zurück unter die Achalm: „Wir setzen in Reutlingen in den nächsten Jahren auf Wachstum und auf Pflege des Erreichten, um Reutlingen als attraktive Großstadt weiter zu entwickeln“, sagte Barbara Bosch, die davon ausgeht, dass in drei Jahren 120 000 Menschen in dieser Stadt leben werden. Dafür gelte es, jetzt die Weichen zu stellen – schließlich sei Wachstum dabei kein Selbstzweck. „Die Menschen kommen zu uns, sie brauchen Arbeit, ein Zuhause und eine angemessene Infrastruktur.“Mit der Stadthalle, dem Neubau unseres Stadttheaters, dem soziokulturellen Zentrum franz.K, der Stadtbibliothek, der Volkshochschule und auch der Württembergischen Philharmonie habe Reutlingen als „Kulturstandort wichtige Akzente für unsere Gesamtstadt und für die ganze Region Neckar-Alb“ gesetzt, sagte die OB und erinnerte daran, dass seit 2011 allein 4000 neue Arbeitsplätze am Wirtschaftsstandort Reutlingen geschaffen wurden.

Diese vielfältige, dynamische Entwicklung der Stadt mache, so Bosch, deutlich, wie wichtig die Verwaltungsstruktur eines Stadtkreises für Reutlingen ist. Es sei  daher recht und billig, „dass wir die Zukunft Reutlingens souverän und selbstbestimmt in die eigenen Hände nehmen“. Die Rathaus­chefin geht davon aus, dass 2017 der Antrag auf Stadtkreisgründung nach den Verzögerungen durch die Landtagswahl und dem Wechsel im Regierungspräsidium beschleunigt vorankommt. Bis 2020 will die Stadt rund 66 Millionen Euro zusätzlich in weiteres Wachstum und den Erhalt der Infrastruktur investieren – unter anderem in die Förderung von Mobilität und Klimaschutz mit dem neuen Stadtbuskonzept und Mitteln für das erste Modul der Regionalstadtbahn, dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und einer verstärkte Wohn- und Gewerbeflächenoffensive.

Das wahre Pfund einer demokratischen Stadtgesellschaft sei, betonte Bosch, eine engagierte Bürgerschaft, seien verantwortungsbewusste und erfolgreichen Unternehmer sowie rührige und gut qualifizierte Arbeitnehmer. Die Oberbürgermeisterin appellierte an alle, „gemeinsam auf die Werte in unserer Stadtgesellschaft zu schauen, für die Werte wie Anstand und Gemeinwohl nicht als überholt gelten, sondern die genau wissen, dass es sich dabei um das Fundament unserer Gesellschaft handelt“. Und sie plädierte mit Hermann Hesse dafür, sich mit Tapferkeit, Eigensinn und Geduld gegen die Infamitäten des Lebens zu wappnen.

Annamaria Donatoni war 1960 als eine der ersten italienischen Gastarbeiterinnen nach Reutlingen gekommen. Seit 22 Jahren engagiert sie sich intensiv im Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg. Gewürdigt wurde auch ihr Einsatz innerhalb des Projekts „Begleitung im Alltag“ der Abteilung für Ältere (2004 bis 2010). Daneben war sie 14 Jahre lang (bis 2013) Ansprech­partnerin, Organisatorin und Gestalterin des monatlichen Kaffeenachmittags „Treff im Storlach“ für Senioren im Stadtteilbüro Schweidnitzer Straße. „Sie hatten von Beginn an eine wertvolle Brückenfunktion zwischen dem Stadtteilbüro und der Nachbarschaft“, sagte Bosch. Seit 2003 engagiert sich Annamaria Donatoni zudem als „Grüne Dame“ im Kreiskrankenhaus.

Werner Fink wurde für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken im Sport und in der Kommunalpolitik ausgezeichnet. Der Sport- und Mathematiklehrer am Kepler-Gymnasium übte nicht nur zahlreiche Ehrenämter beim TSV Betzingen aus, sondern kandidierte auch 1980 für den Betzinger Bezirksgemeinderat, um dort als „Schnittstelle“ für den  Bau einer neuen Sporthalle zu werben – letztendlich mit Erfolg. 34 Jahre (bis 2014) gehörte der Betzinger dem Bezirksgemeinderat an und war 15 Jahre stellvertretender Bezirksbürgermeister. Er ist Gründungsmitglied des Fördervereins Ortskern Betzingen und hat bei der Sanierung der Zehntscheuer selbst Hand angelegt. Daneben ist er seit 40 Jahren im  Arbeitsausschuss der Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine.

Ursula Göggelmann erhielt ihre Auszeichnung für ihr Engagement im sozialen und kulturellen Bereich. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand begann sie 2005 nach einjähriger Ausbildung  mit der aktiven Sterbebegleitung beim Ambulanten Hospizdienst, den sie 1994 mitbegründet hatte.  Daneben ist sie seit 2005 beim Arbeitskreis Vorsorge aktiv. Seit 2003 ist sie in die Vorbereitung und Umsetzung der Vesperkirche miteinbezogen, organisiert die täglichen Andachten und Gottesdienste. Zudem wirkt Ursula Göggelmann seit Mitte der 1980er Jahre im Forum Reutlinger Frauengruppen mit – erst als Vertreterin von „Viola – Frauen nach Vergewaltigung“ , danach als Repräsentantin der Frauengeschichtswerkstatt.
Göggelmann, die maßgeblich an der Ausstellung „Reutlinger Weibsbilder“ beteiligt war, erhielt 2001 den ersten Nane-Merkh-Preis für ihre Forschungen zur Namensgeberin des Preises. rab

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