Bäume, Astwerk - lichtdurchflutet

Bekannt ist er für tonnenschweren Stahlskulpturen. Doch David Rabinowitch hat auch zarte, lichte Holzschnitte gefertigt. Das Spendhaus hat eine Mappe mit Baum-Motiven jetzt zum Bild des Monats Juni gekürt.

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"Altan, Ruthe" (2004): Dieser Holzschnittzyklus des Stahlbildhauers David Rabinowitch ist Bild des Monats Juni im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus. Foto: Spendhaus

"Altan, Ruthe": So lautet der Titel. David Rabinowitch hat die Mappe mit drei Holzschnitten aufs Jahr 2004 datiert.

Der 1943 in Toronto geborene, heute in New York lebende Künstler ist seit den 60er Jahren international vor allem durch seine Bodenskulpturen bekannt, für die er eine ganz eigene Sprache im Bereich der Skulptur gefunden hat.

Mit ihrer strengen Ökonomie der Mittel, mit dem nüchternen Material Stahl und mit klaren, an Architektur und Geometrie orientierten Formen sind diese Skulpturen der künstlerische Ausdruck einer Untersuchung, wie sich Teile einer Form zum Ganzen verhalten und welche Wahrnehmungsmöglichkeiten es jeweils geben kann.

Neben der Skulptur verdeutlicht die Zeichnung - ein im Werk Rabinowitchs formal ganz eigenständiger Bereich - das zugrunde liegende künstlerische Anliegen, "Konstruktionen des Sehens" nachvollziehbar und deutlich werden zu lassen. Studien zu architektonischen Formen sind dabei genauso wichtig wie Naturbeobachtungen.

Beginnend 1972, mit seiner Übersiedlung von Kanada nach New York, zeichnete Rabinowitch über mehrere Jahre fast täglich eine bestimmte Buche im Central Park. Es ging ihm dabei nicht um die Ähnlichkeit, die Rekonstruktion des Gegenstandes, sondern um die künstlerische Neuerfindung des Baumes, indem er die individuellen Ordnungen und Strukturen in der Natur wahrnimmt und in eigenständige Formen und Ordnungen wandelt.

In seinen Baumstudien gelangte auch Piet Mondrian am Anfang des 20. Jahrhunderts zu immer abstrakteren Ausschnitten des Geästs und schließlich zu seinen geometrischen, aus wenigen Grundtönen bestehenden Kompositionen.

Beide Künstler verbindet die Suche nach einer Bildordnung, die eine allgemeine Gültigkeit hat. Weniger bekannt ist bislang das druckgrafische Werk des Bildhauers und Zeichners. Bereits 1962, an seinem künstlerischen Wendepunkt von der Malerei zur Skulptur, schuf Rabinowitch eine Werkgruppe mit rund 100 Holzdruck-Monotypien, die er aber erst 2003 einer überraschten Öffentlichkeit präsentierte. In wenigen Grundfarben und mit rudimentären Formen scheinen sie die Grundrisse späterer Bodenarbeiten vorwegzunehmen. Erst 40 Jahre nach den "Woodblock Monotypes" wandte sich der Künstler wieder dem Holzschnitt zu.

Bei einem Besuch in Wiesbaden - Rabinowitch lehrte seit 1984 als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf - sah er die rund 500 Jahre alten und bis zu 30 Meter hohen so genannten Altaneichen am Neroberg.

Diese besonders markanten "Baumpersönlichkeiten" fotografierte ein Künstlerfreund, in dessen Atelier Rabinowitch den englischen Meisterdrucker Matthew Tyson kennenlernte. In Tysons Werkstatt in Südfrankreich - dort werden auch Arbeiten anderer bedeutender Künstler gedruckt und verlegt - entstanden nun zwei Serien (farbig und schwarzweiß) und ein Jahr später die vorliegende Mappe mit drei Drucken nach Zeichnungen zu den Altaneichen. Tyson schnitt die Druckstöcke nach den vom Künstler auf das Holz gezeichneten Vorgaben: einer Reihe von mit Linien verbundenen Punkten.

Zum Druck kam Rabinowitch nach Frankreich. Er ist erst zufrieden, als der Drucker kaum Farbe aufträgt und diese mit dem Handballen ungleichmäßig auf dünnes Japanpapier abreibt, damit die Motive durchscheinend, lichtdurchflutet, offener wirken.

In einer kongenialen Zusammenarbeit von Künstler und Drucker, ganz im Sinne der japanischen Holzschnitt-Tradition, erfahren diese Ausschnitte organischer Strukturen nun neue Wahrnehmungsmöglichkeiten.

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