Aus aller Welt ins Ländle

Seit 2013 wurden insgesamt elf Welcome Center im Land aufgebaut. Gestern zog die Einrichtung der IHK Reutlingen eine erste Zwischenbilanz der Arbeit. 165 Personen und 81 Firmen wurden unterstützt.

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Im Welcome Center der IHK Reutlingen zeigen Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp sowie Center-Leiterin Yvonne Brockhaus mithilfe einer Weltkarte jene Länder, (markiert durch Punkte) aus denen die Menschen, die bislang bereits beraten wurden, ins Ländle gekommen sind.  Foto: 

Vor nunmehr vier Jahren hat die Landesregierung die "Fachkräfteallianz" auf den Weg gebracht. In Verbindung damit wurden insgesamt elf Welcome Center im gesamten Land eingerichtet. "Wir sind das einzige Bundesland mit einer flächendeckenden Präsenz", betonte Guido Rebstock, Ministerialdirektor im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, gestern im Pressegespräch. Das Land setzt seinen Worten nach auf "eine Willkommenskultur", um Menschen zu unterstützen, die hier leben und arbeiten wollen. Die IHK betreibt das Welcome Center als Träger und erhält dafür zwei Jahre lang jeweils 133 000 Euro. Die Welcome Center wollen Menschen aus anderen Ländern unterstützen, die hier arbeiten möchten. "Wir rechnen 2030 mit einer Lücke von rund 20 000 Fachkräften", verdeutlichte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp die Problematik. Das Gros betreffe Berufe im Bereich der dualen Ausbildung, mit 1000 Personen sei der Mangel im akademischen Bereich viel geringer. "Durch die Ankunft der Flüchtlinge erledigt sich das Thema nicht", betonte Rebstock. Denn: Laut einer Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit haben von 10 000 befragten Flüchtlingen gerade einmal acht Prozent einen Ausbildungsabschluss und weitere elf Prozent ein abgeschlossenes Studium - jeweils in etwa mit den hiesigen Anforderungen vergleichbar. 81 Prozent kommen folglich ohne diese Voraussetzungen. "Wir verstehen die Welcome Center neben der Aus- und Weiterbildung als dritte Säule unserer Förderung zur Gewinnung von Fachkräften", so Epp.

Die Resonanz auf das Angebot ist gut, in eineinhalb Jahren wurden 165 Menschen betreut, die in die Region gezogen sind. "Oft sind es Einheimische, die ihre neue Kollegen auf uns aufmerksam machen", berichtet Brockhaus. Zudem haben sich seit dem Start im Sommer vergangenen Jahres 81 Firmen an das Center gewandt, um Unterstützung bei der Integration neuer, aus dem Ausland kommender Mitarbeiter zu erhalten. Das Gros der Unternehmen hat zwischen 50 und 60 Mitarbeiter und damit oft keine Personalabteilung. 50 Prozent der Anfragen bezogen sich allein auf die Anwerbung von neuen Arbeitnehmern. Unter den Fachkräften, die betreut wurden, sind laut Brockhaus zehn Prozent anerkannte Flüchtlinge, die schon länger in Deutschland leben, 30 Prozent Hochschulabsolventen aus Reutlingen, Tübingen oder Albstadt-Sigmaringen sowie 18 Prozent Angehörige, bei denen Möglichkeiten für eine Arbeit oder andere Perspektiven ausgelotet wurden. Das Spektrum der Herkunftsländer ist breit: USA, Brasilien, Mexiko, Ukraine, Polen, Rumänien oder Indien, nennt sie als Beispiele. Das Welcome Center hat fünf Zielgruppen im Visier: Bereits hier lebende Europäer, ausländische Ehepartner, Hochschulabsolventen, von ausländischen Unternehmen entsandte Mitarbeiter, die so genannten Expats - oder auch zum Beispiel zwei US-Basketballer, die bei den Tübinger Walter Tigers unter Vertrag standen - sowie Eltern, die zu ihren schon lange hier lebenden Kindern gezogen sind. "Die Menschen, die sich beraten lassen, wollen sich in jedem Fall integrieren", so Brockhaus. Bei ihrer Arbeit greift sie auf ein Netzwerk vorhandener Institutionen zurück wie die Arbeitsagentur, die für die Jobvermittlung zuständig ist. Erfolgreich gestartet ist auch das von der Robert-Bosch-Stiftung zusammen mit Arbeitgebern gegründete Projekt "Center for European Trainees", das in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit wie Spanien und Portugal junge Leute für eine Ausbildung in Deutschland gewinnen will. Zugleich werde dort für eine Stärkung von Elementen der dualen Ausbildung geworben, wie Jessica Flemming vom Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft erläuterte.

Fakten zum Welcome Center der IHK Reutlingen

Das Welcome Center der IHK Reutlingen versteht sich als erster Ansprechpartner für Fachkräfte aus dem Ausland und deren Angehörige. Es ist in der IHK untergebracht (Hindenburgstraße 54). Auch Firmen aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb können sich von Center-Leiterin Yvonne Brockhaus beraten lassen.

Themen: Einreisebestimmungen, Einführung in kulturelle Besonderheiten, praktische Tipps für den Alltag, Wohnungssuche, Bankkonten und Versicherungen, Vermittlung von Weiterbildungsmaßnahmen, Behördengänge, Sprachkurse, Informationen über Kultur und Freizeit, Schulen, Integration in Informationsnetzwerke.

Kontakt: info@welcome-na.de,Telefon: (07121) 20 11 58.

SWP

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