Auf Tagesordnung setzen

Die Situation ist unbefriedigend: Die Reutlinger sind über das Steg-Provisorium am Oskar-Kalbfell-Platz zunehmend verärgert. Was soll hier wie und wann passieren? Wir fragten die Ratsfraktionen.

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Das Provisorium "Stummel-Steg" wird den Reutlingern notgedrungen wohl noch einige Zeit erhalten bleiben.  Foto: 

"Ich weiß gar nicht, warum die Verwaltung nichts tut", wundert sich CDU-Fraktionschef Andreas vom Scheidt, dabei hätten die Christdemokraten doch 2012 einen Antrag gestellt, den Stummel-Steg zu entfernen und einen "filigranen" neuen Steg zu bauen, der geschwungen über die Straße hinweg und mit einer auslaufenden Rampe in die Grünfläche bei den Trampolins zwischen Tübinger Tor und Rathausstraße hinein führt. Das sei natürlich, so vom Scheidt, mit geschätzten Kosten von 3,5 Millionen Euro schon recht teuer. Ein Verzicht auf einen Steg lasse das hohe Verkehrsaufkommen aber nicht zu.

SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Treutlein sagt: "Wir haben uns eindeutig positioniert." An der Stelle brauche man einen sicheren Überweg, einen neuen Steg. Er verwies auf die vielen Schüler die hier die Konrad-Adenauer-Straße - gerade zur Mittagszeit - queren wollen. Hinzu komme künftig auch noch die neue Theaterspielstätte auf dem Listhallen-Areal. Ein Steg-Neubau hängt in erster Linie von der GWG ab. "Mir gefällt die Gstellage auch nicht", so Treutlein, aber die Zeit bis zum Neubau, der noch ein paar Jahre dauern wird, müsse einfach abgewartet werden.

Grünen-Sprecher Rainer Buck argumentiert, dass man hier bereits "in zeitlichem Verzug" sei, es müsse so bald wie möglich eine architektonisch ansprechende und vor allem barrierefreie Lösung her. Darauf habe man großen Wert gelegt. "So wie jetzt kann es nicht mehr lange bleiben." Für Buck kommt auf keinen Fall ein ebenerdiger Übergang über die viel befahrene Konrad-Adenauer-Straße in Frage, das wäre "verantwortungslos" .

FWV-Fraktionschef Jürgen Fuchs erinnert an die "Diktion" abzuwarten, bis der Scheibengipfeltunnel fertig ist, um zu sehen, inwieweit die Fahrzeugströme in der Konrad-Adenauer-Straße und am Ledergraben abnehmen, um dann zu entscheiden, ob man einen Steg-Neubau braucht oder keinen. Die FWV habe ja einen "filigran geschwungenen Steg" befürwortet, der aber eben auch Probleme mit der Steigung habe. Man folge in dieser Frage der Verwaltungslinie und sehe die "äußerst schwierige" Haushaltslage. Ein Neubau werde sicherlich nicht vor zwei Jahren aufs Tapet kommen, sagt Fuchs.

WiR-Fraktionschef Prof. Jürgen Straub ärgert sich über die "Fehlkonstruktion". Der Steg sei ein "Armutszeugnis", es gelte "Prioritäten" zu setzen. Statt weiter am Bürgerpark zu basteln, solle ein vernünftiger Steg her, damit sei den Leuten mehr gedient. Warum, fragt Straub, werde keine Ausschreibung wie bei anderen Projekten gemacht, um sich Anregungen für die Realisierung zu holen? WiR werde das Thema jedenfalls mit in die Klausurtagung im Frühsommer nehmen.

Für die FDP ist die jetzige Situation "unhaltbar", der Steg gehöre abgerissen und ein ebenerdiger Übergang bei der "Spinatschachtel" angelegt, weil der bei der GWG künftig ja wegfällt, sagt Fraktionschef Hagen Kluck. Für die Schüler gebe es doch den parallelen Steg bei der Eichendorff-Realschule. Allerdings, bedauert Kluck, gebe es für diese Auffassung der Liberalen im Gemeinderat keine Mehrheit, aber irgendwann müsse der eine Entscheidung treffen.

Thomas Ziegler (Linke) bringt in Erinnerung, in der vergangenen Haushaltsdiskussion sei offenbar untergegangen, dass seine Fraktion einen Antrag gestellt habe, Mittel für weitere Steg-Planungen einzustellen, was auf "Sympathie" auf seiten von CDU und SPD gestoßen sei. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch habe sich allerdings insofern hinübergerettet, dass dieses Ansinnen außerhalb der Etat-Debatte verfolgt werden soll. Folglich habe der Gemeinderat beim Steg Druck gemacht und der Verwaltung den Auftrag erteilt, die Sache in nächster Zeit auf die Tagesordnung des Gemeinderats zu setzen.

Stadt: Keine Mittel für neues Steg-Projekt

Ursprünglich, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Löffler, seien für den Steg Planungsmittel von 250 000 Euro im Haushalt 2013/14 eingesetzt worden. Damit wurde unter anderem eine Verkehrszählung gemacht, um herauszufinden, wie viele Leute den Steg nutzen. Über den Rest des Geldes wird der Gemeinderat im April entscheiden. Für ein neues Steg-Projekt, so Löffler, seien "definitiv keine Mittel eingeplant". Sicher sei, dass momentan weder ein Aufzug am Steg-Ende in Frage komme oder der Stummel-Steg abgerissen werde. Infolgedessen könnte der Steg noch eine Weile stehen bleiben, denn: "Die Betriebserlaubnis und der Zustand des Bauwerks sind kein Grund zur Sorge."

SWP

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