Auch Hauptschüler brauchen Perspektiven

Was passiert mit den Lehrern, wenn ihre Hauptschulen aufgelöst werden? Die GEW forderte am Montag eine Zukunftsperspektive für die Pädagogen, wie auch die Landesvorsitzende Doro Moritz unterstrich.

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Doro Moritz forderte als Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft Zukunftsaussichten für Hauptschullehrer. Foto: Leister

Sie wird im Internet als Pädophilen-Chefin beschimpft. "Und was meine Töchter sonst noch alles im Netz gefunden haben, da waren sie hellauf entsetzt", betonte Doro Moritz am Rande der Lehrer-Personalversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Bei der Diskussion um "sexuelle Vielfalt" sei sie auf unglaublich viele Vorurteile und Fehlinformationen gestoßen - "genau das zeigt doch, dass wir das Thema in den Schulen brauchen", so Moritz. Allerdings war dieser Punkt nur einer von einer Vielzahl, die die GEW-Landesvorsitzende in der Wittumhalle ansprach.

Im Mittelpunkt der Personalversammlung der Lehrer stand eine Resolution der Kreis-GEW, wie Angela Keppel-Allgaier betonte. Sie ist GEW-Bezirksvorsitzende und gleichzeitig Rektorin der Mörike-Werkrealschule in Sondelfingen. In der Funktion als Schulleiterin ist sie selbst betroffen von dem Hauptthema der Personalversammlung: "Hauptschullehrkräfte brauchen Zukunftsperspektiven". Dabei geht es um das schleichende Verschwinden der Hauptschulen - "allein in diesem Schuljahr sind von verbleibenden 860 Haupt- und Werkrealschulen etwa 350 akut gefährdet", berichtete Doro Moritz. Und für Keppel-Allgaier steht jetzt schon fest: Ihre Werkrealschule gibt es Ende 2015 nicht mehr. Im Moment hat sie eh schon keine fünfte und sechste Klasse mehr, in der siebten sind gerade mal noch fünf Schüler, in der achten und neunten jeweils elf. Dass solche Schulen nicht überlebensfähig sind - weil die Eltern sich dagegen entschieden haben - dagegen wehrt sich die GEW nicht, wie Moritz betonte. "Wir stehen zum regionalen Schulentwicklungsplan, in dem Mindestgrößen von Schulen formuliert wurden", erläuterte die GEW-Landesvorsitzende. Wenn also weniger als 16 Kinder in die Eingangsklasse 5 kommen, können Schulen geschlossen werden.

Genau das ist auch in Sondelfingen geschehen. Der Niedergang der Hauptschulen zeigt sich hier sehr deutlich, mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat sich die Entwicklung noch deutlich verstärkt. "Die Lehrer, die wir noch haben, sind sehr verunsichert", sagte Angela Keppel-Allgaier. Weil ihre Zukunft mehr oder weniger in den Sternen steht. Entlassen werden sie zwar nicht, doch die Resolution fordert Zukunftsaussichten - "es ist ja nicht für alle erstrebenswert, an Grundschulen zu arbeiten, wenn sie vorher 20 oder 30 Jahre an Hauptschulen waren", sagte Moritz. Und alle könnten auch nicht an Gemeinschaftsschulen wechseln, weil dort eh schon die meisten Hauptschullehrer gelandet sind. "Dort braucht man vor allem Realschullehrer", forderte die GEW-Landesvorsitzende. Also bleibe nur der Weg zu Real- oder Berufsschulen für die jetzigen Hauptschullehrer, es müsse aber auch gewährleistet werden, dass sie dort "nicht nur als Anhängsel betrachtet und behandelt werden".

Bei der Äußerung des Kultusministeriums, dass sich die jetzigen Hauptschullehrer doch für ein Gymnasiallehrer-Studium beurlauben lassen könnten, um sich dann erneut zu bewerben, halten die GEW-Lehrer eher für einen schlechten Witz, als für eine machbare Alternative. "Vorausplanende Versetzung", heiße das Wunderwort. Die Lehrer sollen sich rechtzeitig Schulen auswählen und ansehen können, qualifizierte Aus- und Fortbildungen für andere Schularten müssten zudem ermöglicht werden, so die GEW-Forderung. Immerhin gehe es ja um 10 000 Lehrer, "auch die brauchen eine Perspektive", so Moritz.

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