Auch ein Schuss Sexappeal

"Ich würd's nicht so weit weg sehen vom Breitensport" oder "ich sehe mich noch ganz am Anfang, jeden Tag kommt jemand mit neuen Tricks" - gilt einfach nicht, wenn das Publikum eh außer Rand ist.

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    Die Jungs von der Baustelle: Ein akrobatischer Live-Act zu den Beats von Pink Floyd.
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    Premiere bei der Gala des TSV Eningen im Dezember: Stefanie Riehle mit ihrer Einlage "Pole Dance".
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Kraft, Balance, Ästhetik und Körperspannung sind die Grundlagen der Akrobatik. Präzision und Disziplin sind selbstverständlich, wenn auf der Bühne etwas Besonderes geboten werden soll. Das gilt unter der Kuppel des Weihnachtszirkus' genauso wie bei den Athleten im Sportverein. Zu einer guten Show gehören eine Geschichte oder eine Fiktion, der Kick Glamour und Coolness. Ein Spannungsbogen und ganz, ganz viel Ausstrahlung. Manchmal auch ein ordentlicher Schuss Sexappeal.

"Man wird beim Pole-Dance schnell in eine bestimmte Ecke geschoben", erklärt Stefanie Riehle ganz selbstverständlich, "die Outfits sind sportlich und sexy. Das gehört einfach zur Show dazu. Ich hab' keine Probleme damit. Die TSV-Turner wollten das unbedingt mal sehen. Ich hab' mich zwei Wochen vor der Weihnachtsgala spontan entschlossen und dann eine Choreografie vorbereitet. Das war meine Premiere vor Publikum. Ich war supernervös,"

Die Trainerin des TSV Eningen hat seit eineinhalb Jahren ein eher "ausgefallenes" Hobby. Dabei gibt es die Disziplin "Pole-Dance" schon ewig: "In China ist das ein Männersport. Die machen noch schwerere Sachen, völlig verrückte Akrobatik."

Stefanie Riehle: "Es gibt beim Pole-Dance ganz unterschiedliche Richtungen, von der Rückenbeweglichkeit, nur so an der Stange zu tanzen, bis zu akrobatischen Moves und Hebebewegungen. Das funktioniert auch synchron in der Gruppe." Irgendwann wird die Disziplin olympisch, davon ist die Physiotherapeutin überzeugt. Parallelen sieht sie zum Eiskunstlauf und der Rhythmischen Sportgymnastik. Zum Trend ist Pole-Dance allerdings erst in den vergangenen fünf Jahren geworden. Selbst trainiert Stefanie Riehle in einem auf den Sport spezialisierten Tanzstudio in Tübingen. Ihre Trainerin ist mehrfache deutsche Meisterin und hat bereits an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen.

Beim TSV Eningen unterrichtet die Reutlingerin Jazz-Dance und seit kurzem auch Hip-Hop. Ein Rhythmus, den sie gefühlt schon ein Leben lang im Blut hat. Mit acht Jahren hat Stefanie Riehle angefangen zu tanzen. Auch ihre Eltern hatten sie bei der TSV-Gala zum ersten Mal an der Stange tanzen sehen. Etwas viel Haut "muss sein", erklärt die Sportlerin, "sonst fehlt der Grip. Und alle fanden's superschön".

Auch Moritz Pfletschinger und Frieder Lukaszewitz reizten bei ihrer Showeinlage zur Sportgala mit spröden Vorurteilen. Zur Maloche auf der Baustelle gehören nun mal eindeutig: ein austrainierter Sixpack, ein Kreuz wie ein Baumstamm, ganz harte Beats und eben - Frauenfantasien. "Rolf Schubert hatte schon mal so etwas Ähnliches im Programm", meint Moritz Pfletschinger. Zusammen mit seinem Turnerkameraden entstand die Idee, aus der Vorlage vom vergangenen Jahr eine "richtig nette Show" zu machen: "Ich bin mir nicht sicher, wer auf die Idee gekommen ist. Das war eine spontane Aktion." Auf jeden Fall hatte TSV-Altcoach Schubert einen wesentlichen inspirativen Anteil.

Bierkasten, Schaufeln und Baustellen-Utensilien des Live-Acts waren Originale vom Bauhof. Allerdings aus Reutlingen. Erfahrung auf der Baustelle haben beide Darsteller privat. "Money" von Pink Floyd als Playback passte zum sauren Broterwerb wie die Faust aufs Auge. Die akrobatischen Einlagen an der Schippe und auf dem Bierkasten waren super akkurat und von umwerfender Ironie. Die Zuschauer auf den Rängen hätten gerne noch viel mehr davon gehabt.

Im "normalen Leben" arbeitet der Reutlinger Frieder Lukaszewitz beim Bundesfreiwilligendienst in Tübingen, trainiert aber schon länger bei den Turnern in Eningen. Moritz Pfletschinger ist im Verein schon so etwas wie ein Urgestein. Der Eninger studiert Elektrotechnik. Dass er weiter zuhause trainiert, ist eh klar: "Geräteturnen ist der Klassiker. Ich bin inzwischen selbst Nachwuchstrainer. Mit den Sechs- bis Zwölfjährigen macht es richtig Spaß. Ich gebe mein Bestes und wenn die wollen, dann können sie auch was!"

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