Auch Ehrenamtliche brauchen Hilfe

Über die Flüchtlingsaufnahme im Kreis diskutierten jetzt Vertreter von Verwaltung, ehrenamtlichen Unterstützerkreisen, Sozialverbänden und Kirchen auf Einladung von Grünen-MdB Beate Müller-Gemmeke.

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Viele der Teilnehmer hatte Müller-Gemmeke bereits bei Besuchen in den Flüchtlingsunterkünften getroffen. Nun gehe es darum, so die Sozialpolitikerin, "alle an einen Tisch zu bekommen und den Bogen zu spannen von notwendigen Gesetzesänderungen im Bund bis hin zur konkreten Situation vor Ort". Der Austausch sei wichtig, wurde in dem zweistündigen Gespräch deutlich. Einige Probleme basieren auf bundespolitischen Regelungen. Die Abgeordnete fühlte sich darin bestätigt, dass "die Bundesregierung die Asylverfahren verkürzen und dafür die Beratung und Begleitung der Flüchtlinge verbessern muss".

So sieht Dr. Claudius Müller, Ordnungsdezernent des Kreises, in den überlangen Verfahrenszeiten eines der größten Hindernisse für eine gelungene Integration. Müller-Gemmeke war sich mit der Runde einig, der Bund setze zu wenig Personal für die Bearbeitung der zahlenmäßig steigenden Asylanträge ein.

Sigrid Godbillon vom Arbeitskreis Flüchtlinge Reutlingen kritisierte die Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Scham, Unwissenheit oder mangelnde Vorbereitung wären häufig die Gründe, warum die Schutzsuchenden ihre Erlebnisse nicht detailliert schildern könnten. In der Folge würden häufig zu Unrecht die Anträge abgelehnt. Dieter Schweizer aus Dettingen ist überzeugt, "wenn wir den Menschen das Grundrecht auf Asyl einräumen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass es in Anspruch genommen werden kann".

Besonderes Anliegen war der Grünen-Abgeordneten, dass zwar das bewundernswerte Engagement der ehrenamtlichen Unterstützer gelobt werde, "aber sie brauchen auch selber Unterstützung bei ihrer emotional belastenden ehrenamtlichen Arbeit". Die praktische Betreuungsarbeit der Unterstützerkreise brauche mehr professionelle Hilfe, wie Andrea Henning vom Team Treffpunkt International in Unterhausen bestätigte. In der Sozialarbeit sei Supervision üblich - in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit fehle sie bisher, wie Denis Bieler vom Arbeitskreis Asyl Münsingen bestätigte. Gerade die Arbeit mit traumatisierten Menschen sei höchst fordernd. Es brauche klare Schnittstellen zwischen Ehren- und Hauptamtlichen, eine gründliche "Einführung" in die Arbeit und ständige Betreuung und Begleitung. Es sei wirklich erstaunlich, dass in der Flüchtlingsarbeit dennoch so viele Ehrenamtliche helfen, stellte Pfarrerin Katrin Sältzer fest.

Zum Thema Wohnen und Unterkünfte entwickelte der Kreis eine dezentrale Unterbringungskonzeption, erläuterte Ordnungsamts-Leiter Dr. Hendrik Bednarz. Der Unterbringungsdruck sei jedoch so groß, dass es extrem schwierig werde, genügend Wohnraum zu finden oder zu schaffen. Dass die Grün-rote Landesregierung die Mindest-Quadratmetergröße pro Person erhöht hat, begrüßen die Anwesenden dabei angesichts der Enge der Quartiere.

Unklar sei aber, woher ausreichend Wohnraum außerhalb von Containerlösungen kommen soll. "Es gibt eine Konkurrenz im sozialen Wohnungsmarkt und ein zu geringes Angebot an bezahlbaren Wohnungen", warf Diakonieverbands-Geschäftsführer Günter Klinger ein. Für bezahlbaren Wohnraum und mehr Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, so Müller-Gemmeke, brauche es die finanzielle Unterstützung des Bundes, denn "ohne sind die Kommunen bei diesem Thema überfordert".

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