Artur Sautter ist Reutlingens ältester Bürger

Artur Sautter hat sein spitzbübisches Grinsen nie abgelegt. Gestern feierte der älteste Reutlinger seinen 105. Geburtstag und freute sich nicht nur über die Ständchen, die ihm die Gratulanten darbrachten.

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Bürgermeister Peter Rist gratulierte gestern Artur Sautter zu dessen 105. Geburtstag. Foto: Jan Zawadil

Artur Sautter ist ein Schelm und Kavalier alter Schule. Denn obwohl er mit seinen 105 Jahren ältester Reutlinger ist, ist es für ihn selbstverständlich aufzustehen, wenn ihm jemand wie gestern zum Geburtstag gratuliert.

Dabei könnte sich der Reutlinger gemächlich zurücklehnen und auf sein bewegtes Leben blicken, das im Jahr 1907 begonnen hat. Doch Artur Sautter wäre nicht er selbst, wenn er es sich so leicht machen würde.

Die Gratulanten, die gestern bei ihm ein und aus gingen, empfing Sautter deshalb nicht nur höflich, er freute sich auch wie ein verschmitzter Bub, als Bürgermeister Peter Rist zusammen mit den zahlreichen Gästen zwei Geburtstagsständchen anstimmte und nahm die Glückwünsche der Stadt, die Urkunde von Ministerpräsident Winfried Kretschmann genauso gern entgegen wie die Weinpräsente. Schließlich sei vor allem von Letzterem aus dem vergangenen Jahr nichts mehr übrig, wie der Jubilar mit einem Augenzwinkern meinte. Während Rist bemerkte, dass Sautter und er eine große Gemeinsamkeit hätten - "Sie haben ihre Frau ja auch in Isny kennengelernt" - unterhielt Sautter seine Gäste vortrefflich, bewies Geschichts- und Anekdotenwissen, und dass er sich sprichwörtlich auf dem Laufenden hält. Denn mit dem Rollator gehe es täglich zum Rundgang auf die Straße, bei dem schon mal das eine oder andere Schwätzle gehalten werde. Außerdem lässt sich Artur Sautter den Ausflug zum Wochenmarkt nur ungern verbieten, auch wenn den der Enkel schon aufgrund des Alters des Opas nicht gern sehen würde. Allerdings, so Sautter, gebe es da die Wurst eines Schwarzwälder Metzgers, bei dessen Großvater der Jubilar schon eingekauft habe. Weil das Geburtstagskind das Leben aber von der humorigen Seite nimmt, mussten sich Gratulanten gestern auf den einen oder anderen Konter einrichten. Denn auf die Frage, wie es ihm gehe, kann Artur Sautter schon mal antworten: "Bis jetzt gohts no."

Dabei hat Sautter nicht nur die Sonnenseiten des Lebens genießen dürfen. Vor allem der Zweite Weltkrieg und die anschließende Kriegsgefangenschaft prägten einen großen Teil seines Lebens. Gehörte er doch 1955 zu den Letzten, die auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer aus Russland zurückkehrten.

Eines hat ihn trotzdem nie losgelassen: die Liebe zu den Bergen. Und obwohl Sautter die ganz großen Höhen schon lange nicht mehr selbst erlebt hat, sind die Erinnerungen an manche Touren oder die Begegnung mit Luis Trenker so präsent, als wären sie erst gestern gewesen. Dennoch fand der gebürtige Eninger mit seiner Gattin die Heimat letztlich im eigenen Häuschen in der Wilhelm-Kuhn-Straße im Gmindersdorf. Als Feldschütz tat er zudem seinen Dienst bei der Stadt und ging 1968 in den Ruhestand. Ein paar Tage wollte er für sich und in Ruhe verbringen.

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