Er schwört aufs Schlichte
Reutlingen. Er ist der "Küchenmeister-Meister 2010": Bernd Rosenkranz aus Reutlingen, dessen Eltern die "Karlshöhe" betreiben, begann seine Karriere als Praktikant im Restaurant Gulewitsch auf der Alb.
Das Kochen ist sein Leben, denn es geht um Lebensmittel, und die sollen hochwertig sein und gut zubereitet werden. "Frische, heimische Ware muss es schon sein, und die will gute Garzeiten und Zubereitungsmethoden", sagt der 23-jährige Bernd Rosenkranz, dem die Liebe zum Kochen wohl in die Wiege gelegt worden sein muss.
Seine Eltern, Ute und Werner Rosenkranz, betrieben lange Zeit das legendäre Waldcafé in Pfullingen, gingen dann nach Betzingen, wo sie heute das Restaurant Karlshöhe bewirten. Und ihr Sohn Bernd, der zuletzt in der Steigenberger Akademie in Bad Reichenhall in die hohe Gastronomie eingeweiht wurde, hat beruflich in kurzer Zeit schon sehr viel erreicht, kam auch sehr viel herum.
Diese "Wanderschaft" brauchen Köche und Küchenmeister. Friedrichshafen, das Löwen-Hotel im Montafon mit seinen 16 von 20 Gault-Millau-Punkten, dann Südafrika, Flensburg, Kempten und der Neusiedler See. Ja, die Gourmet-Punkte. "Die Sterne-Jagd muss wirklich nicht sein", weiß Rosenkranz. "Jeder soll sich selbst beweisen, seine Philosophie des Kochens umsetzen".
Viele Küchenmeister freuen sich heute eher über eine gute Wertung der frechen "Gault Millau"-Kritiker als über eine Wertung durch die Traditionalisten des Guide Michelin. Und nun? Etwas Besseres kann einem jungen Mann im Alter von gerade einmal 23 Jahren ja kaum wiederfahren in der großen Welt der Gastronomie. Bernd Rosenkranz ist "Küchenmeister-Meister 2010". Die "Robust Collection", die hochwertiges Werkzeug für die Küche herstellt, hat im Rahmen der Fachmesse "Internorga" das Kochtalent aus Reutlingen in den kulinarischen Himmel gehoben.
Ob Reh in Schokoladen-Crépinette mit Chicorée, Apfel, Macadamia-Nuss-Karamell und grün-roten Serviettenknödeln oder einfach nur delikate Nachspeisen: Die Küchenmeister-Anwärter bekamen einen Warenkorb und erstellten daraufhin eine Rezeptur inklusive Zubereitung für vier Personen. Alle Grundzutaten mussten komplett verwendet werden. Die Teilnehmer konnten Gewürze, Kräuter und Fette nach freier Wahl mit aufnehmen. Die Produkte, die verarbeitet wurden, stammten aus der jeweiligen Region. 480 von möglichen Punkten durfte Rosenkranz nach drei Stunden des Schwitzens an Ofen und Herd einheimsen - das war der Meistertitel. Sein Credo, der Hang zur Einfachheit, zur Unverkrampftheit sowie dem unbedingten Drang zu Qualitätsprodukten aus der Region, das teilt Rosenkranz mit seinem Kumpel und Berufskollegen Michael Stoll aus dem Honauer Rössle. Beide gehören durchaus zu den unkonventionellen "jungen Wilden" der Kunst. Gemeinsam werden sie unter dem Motto "Lebenslust" am 25. Juli in der Karlshöhe kulinarische Kunststücke zeigen. Vom ersten Event dieser Art hatten sie ein Foto-Buch produziert.
"Gegart wird puristisch und auf Schieferplatten", verrät Bernd Rosenkranz, der auch schon "sehr gute Gespräche mit Tim Mälzer hatte", der in seinen TV-Auftritten ja auch die Eleganz der Schlichtheit predigt. Thema "Schlichtheit": Rosenkranz schwört darauf, "dass ein gutes, selbst gemachtes Brot immer der Grundstock sein muss."
Und wie gehts beruflich weiter auf der Karriereleiter? Ein Betriebswirtschafts-Studium kann er sich gut vorstellen. Und danach wäre Bernd Rosenkranz natürlich ein guter Kandidat für die Führungsebene in der Spitzen-Gastronomie.
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Autor: JÜRGEN HERDIN | 31.05.2010
Bernd Rosenkranz setzt, wie auch Fernsehkoch Tim Mälzer, auf die Eleganz der Schichtheit. Foto: Jürgen Herdin
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