Als Mittler zwischen Betrieb und Azubi

Reutlingen/Tübingen.  Seit einem Jahr gibt es das Projekt "Carpo" in Reutlingen und Tübingen. Benachteiligte Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren werden in Ausbildungsverhältnisse vermittelt und während der Lehre begleitet.

Eine Berufsausbildung ist kein Garant für eine rosige Zukunft. Doch ohne sie scheint die Zukunft von vornherein schwarz. Viele Jugendliche sehen sich in dieser Misere. Sie bekommen keine Lehrstelle oder brechen die Ausbildung vorschnell ab. Das landesweite Projekt "Carpo" möchte diesen jungen Leuten helfen. Dahinter steht das Diakonische Werk und der Paritätische. Zehn Projektstandorte gibt es in Baden-Württemberg. Einer davon ist Reutlingen/Tübingen. Hier wird die Ausbildungshilfe von den Trägern Pro Labore, Bruderhaus-Diakonie und Neue Arbeit Zollern-Achalm organisiert.

Wie die Unterstützung genau funktioniert, kann Azubi Ruben Schöffler aus eigener Erfahrung berichten. Seine erste Ausbildung hat er geschmissen. Es gab Stress mit dem Chef. Nun, seitdem er Unterstützung von "Carpo" bekommt, läuft alles prima. Er hat eine neue Ausbildung begonnen und weiß, wohin er sich mit Problemen wenden kann. "Es ist super, wenn im Hintergrund jemand für einen da ist", sagt Ruben. Er ist einer von 19 Azubis in Reutlingen und Tübingen, die bei Carpo mitmachen. Es sind alles Jugendliche, die es aus irgendeinem Grund besonders schwer haben, weil sie einen Migrationshintergrund oder Lernschwierigkeiten haben. Es sind aber nicht nur Problemfälle dabei, sondern etwa auch junge Erwachsene, die einen geschlechteruntypischen Beruf erlernen möchten. "Mädchen, die Maurer werden wollen, haben es echt nicht leicht", erzählt Lea Putzler von der Bruderhaus-Diakonie.

Die Mitarbeiter von Carpo helfen den Jugendlichen bei der Berufsorientierung und bei Bewerbungen. Haben die jungen Erwachsenen dann einen Ausbildungsplatz ergattert, steht "Carpo" auch während der Lehre hinter ihnen, hilft bei schlechten schulischen Leistungen und berät bei sämtlichen Problemen - vor allem aber motivieren die "Carpo"-Mitarbeiter durchzuhalten. Das Projekt kommt daher nicht nur bei den Azubis, sondern auch bei den Betrieben gut an. Peter Kleine ist begeistert von "Carpo". Er leitet den Betrieb Herzog in Betzingen und ist ständig auf der Suche nach qualifizierten Facharbeitern. "Ich fand es eine gute Idee, mir eine eigene Fachkraft heranzuziehen", sagt Kleine. Seit einiger Zeit bildet er daher einen Elektroinstallateur aus - unterstützt durch "Carpo". Der junge Mann hat einen Migrationshintergrund, tut sich mit der Sprache und dem System in Deutschland schwer. Trotzdem sieht Kleine in dem neuen Mitarbeiter eine Chance. Ähnlich geht es Bernd Vettermann vom SaturnMarkt in Tübingen. "Ohne Carpo hätte ich meinen Auszubildenden nicht mehr", gibt er zu. Sein Azubi ist das, was viele einen Problemfall nennen würden. Seit der junge Mann aber bei "Carpo" mitmacht, geht es bergauf. So berichtet es zumindest Vettermann: "Mein Azubi hat einen Leistungsschub gemacht. Im Betrieb war er schon immer gut, aber nun sind auch die Noten in der Berufsschule besser." Für Vettermann ist "Carpo" zudem eine gute Möglichkeit, soziales Engagement zu leben. Einen schwierigen Auszubildenden zu übernehmen, helfe der Gesellschaft mehr, als irgendwohin 1000 Euro zu spenden, meint der Geschäftsführer. Außerdem sei "Carpo" auch für den Betrieb eine Chance: "Oft sind die, die keinen so korrekten Lebenslauf hatten, pfiffiger und kontaktfreudiger."

"Carpo" verspricht den Betrieben im Gegenzug Unterstützung bei der Beantragung von Fördermöglichkeiten und bei der Lösung von Konflikten mit Azubis. Außerdem informiert "Carpo" über verschiedene Ausbildungsmodelle. "Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass es die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung gibt. Dabei ist das manchmal für beide das Beste: Azubi und Betrieb", so "Carpo"-Mitarbeiterin Putzler.

Finanziert wird das Projekt unter anderem vom Europäischen Sozialfonds und durch das baden-württembergische Arbeitsministerium. Ende 2011 läuft die Förderung jedoch aus. Die Reutlinger und Tübinger Träger suchen daher nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Der politische Wille, das Projekt fortzuführen, sei da, meint Angelika Hipp von der Neuen Arbeit Zollern-Achalm. Derzeit würden Verhandlungen mit der Agentur für Arbeit geführt.


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