Reichts nicht für große Sprünge?

Reutlingen.  Die Idee kam aus der Vesperkirche heraus: Gedacht ist das "Handbuch für den kleinen Geldbeutel" für Menschen im Landkreis Reutlingen, die - finanziell - keine großen Sprünge machen können.

Dass die Armut in Reutlingen zunimmt, hat Klaus Kuntz schon seit einigen Jahren in der Vesperkirche beobachtet. Aber, so die Schlussfolgerung des Pfarrers im (Un-)Ruhestand: Den betroffenen Menschen fehlt es nicht nur am Geld für die täglichen Mahlzeiten, sondern auch für all die anderen Bereiche des Lebens: Kleidung, Klassenfahrten der Kinder oder für Busse, Bahnen und Bäder. "Wir vom Diakonieverband haben uns dann zusammengesetzt und überlegt, wie man ein Handbuch, ähnlich wie in Esslingen oder Konstanz, gestalten könnte", so Diakonieverbands-Geschäftsführer Günter Klinger. Herausgekommen ist dabei ein "Handbuch für den kleinen Geldbeutel". Gemeint ist damit eine Art Führer durch den Kreis, in dem Tipps und Hinweise aufgeführt sind, um trotz finanzieller Not "am Leben teilhaben zu können", wie im Vorwort des Werks nachzulesen ist. Beigefügt sind in dem Heft die "Einkaufstipps des Landkreises", also eine Ausgabe der Schuldner- und Insolvenzberatung, die schon zuvor den Gedanken des günstigen Einkaufs aufgegriffen hatte. In der Version des Diakonieverbands gibt es Ratschläge von A wie Auszubildende (und die mögliche Berufsausbildungsbeihilfe, die bei der Agentur für Arbeit beantragt werden kann) bis hin zum Wohngeld, das bei der örtlichen Wohngeldstelle der Kreis-, Stadt- oder Gemeindeverwaltung bewilligt wird. Zwischen A und W finden sich zudem zahlreiche Tipps zur neuen "Rechtsberatung für Jugendliche in Reutlingen" oder "Beihilfen zur Konfirmation und Kommunion" sowie im Extremfall auch zur Beerdigung: Wenn nämlich der Verstorbene nichts hinterlässt, die Hinterbliebenen auch nur über geringe Mittel verfügen, können Sozialamt oder Gemeindeverwaltung für "eine sehr einfache Bestattung" einspringen.

An dem möglicherweise hilfreichen Heft hat neben Susanne Bauer von der Diakonischen Bezirksstelle Metzingen und Stephanie Gohl vom Diakonieverband Reutlingen auch Irene Votteler mitgearbeitet. Sie wirkt seit vielen Jahren in der Vesperkirche mit und zeigt sich "ziemlich betroffen" darüber, dass viele Familien nicht das Geld aufbringen, um ihre Kinder etwa in einen Sportverein schicken zu können. "Bei der Stadt gibt es eine Liste mit den Sportvereinen, die Vergünstigungen an Bedürftige geben."

Freilich könne die Anfrage bei diversen Stellen, Ämtern und Einrichtungen durchaus auch aufreibend sein, wie Votteler betont. "Dabei wird deutlich, wie viel Energie und auch Mut Menschen als Arbeitslosengeld-II-Empfänger oder auch als Geringverdiener aufbringen müssen", sagt Susanne Bauer. Sie betont gleichzeitig, dass in dem "Handbuch" nicht nur Tipps in der Stadt, sondern im ganzen Kreis aufgeführt sind.

Info

Das Heft gibts beim Diakonieverband, in allen Diakonischen Bezirksstellen im Kreis oder auch im Internet unter www.diakonie-reutlingen.de.


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