Appell an die Fairness der Fans

Die DFB-Pokalbegegnung des SSV Reutlingen gegen den Karlsruher SC am Samstagabend, von der Polizei als Hochrisikospiel eingestuft, wird von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet.

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Im medialen Fokus: Kriminaldirektor Ralf Keppler leitet den Einsatz beim DFB-Pokalspiel SSV Reutlingen gegen Karlsruher SC.  Foto: 

Das nennt man Lospech. Bereits bei der live-übertragenen Auslosung aus dem Kreuzeichestadion Anfang Juni, als Gastgeber SSV Reutlingen, dem WFV-Pokalsieger, der badische Zweitligist KSC zugelost wurde, schmähten die Fans auf der Tribüne den Gegner und den Fachleuten war klar, dass hier eine brisante Partie ins Haus steht. Die Polizei stuft die Begegnung wegen des angespannten Verhältnisses der Fangruppierungen als Hochrisikospiel ein. Die problematische Ansetzung durch den DFB als Abendspiel sei wegen der TV-Liveübertragung und dem parallel laufenden VfB-Pokalspiel in Kiel nicht anders möglich gewesen, heißt es.

„Das ist sicher auch für die Polizei ein besonderes Spiel wegen der Zuschauerzahl und der Problemfans auf beiden Seiten“, erläuterte am Dienstag Kriminaldirektor Ralf Keppler bei einer Pressekonferenz im Reutlinger Rathaus. Der Leiter der Direktion Polizeireviere wird den Polizeieinsatz am Samstag leiten.

Erwartet werden rund 8000 Zuschauer, berichtete SSV-Finanzvorstand Karl-Heinz Lang. Der Gästeblock mit 1200 Plätzen ist ausverkauft, Block IV muss als Sicherheitspuffer freibleiben, für die übrigen Blocks und die Tribüne gebe es nur noch Restkarten, sagte er.

Die Botschaft der Polizei: „Wir wünschen uns bei aller Leidenschaft und Emotion einen spannden und ungetrübten Fußballabend für die Fans – und den werden wir gewährleisten!“, versicherte Einsatzleiter Keppler. Und an die Fans beider Seiten gerichtet appeliert die Polizei „an ihre Fairness, ihren Sportsgeist und an ihre Bereitschaft, mit der nötigen Gelassenheit zu einer rein sportlichen Begegnung beizutragen und in diesem Sinne auch ein mögliches Scheitern fair hinzunehmen“.

Seit Wochen arbeiten die Verantwortlichen des Vereins, der verschiedenen städtischen Behörden und der Einsatzkräfte intensiv zusammen, um für alle Eventualitäten rund um das Spiel gerüstet zu sein.

Angesichts des Konfliktpotenzials plant die Polizei, über 1000 Einsatzkräfte zur Verfügung zu halten. Auch das DRK setzt über 100 Ehrenamtliche und Rettungskräfte mehr ein als bei einem normalen Oberligaspiel, sagte Rettungseinsatzleiter Markus Metzger. Üblicherweise ist das DRK mit 20 Mann im Rettungsdienst präsent. Am Samstag hingegen stehen zehn Rettungswagen mehr und acht Krankentransporter bereit, vier Ärzte sind vor Ort, fünf weitere in Bereitschaft, auch ein Polizeiarzt kommt zum Einsatz. Die Leitstelle wurde zudem um einen Mann aufgestockt. Personal und Material sind im Katastrophenschutzzentrum in Pfullingen stationiert, außerdem seien die Kliniken informiert, berichtete Metzger. Verletzte Fans werden, je nach Lager, auch verschiedenen Krankenhäusern zugewiesen.

Im Stadion selbst hat der SSV als Mieter zum Schutz aller Zuschauer einen professionellen Security-Dienst aus Augsburg mit 170 Kräften verpflichtet. Wegen der erhöhten Sicherheitsstufe wird am Eingang besonders gründlich vor allem auf Pyrotechnik kontrolliert. Der Verein selbst stellt weitere „30 Menschen samt Balljungen“, so Lang.

„Wir setzen auf Kommunikation und Transparenz“, machte Kriminaldirektor Keppler klar. Rasch zeigten die Gespräche, dass nach Vorkommnissen beim SSV Ulm-Spiel der Reutlinger Fanblock auf der Haupttribüne für die Szene E aus Sicherheitsgründen nicht zur Verfügung steht. Alternativen ließen sich nicht realisieren – mit dem Effekt, dass die enttäuschte Szene E das Spiel außerhalb des Stadions verfolgen wird, heißt es in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage, in der auch von allen Teilnehmern besonnenes Verhalten gefordert wird.

Klare Maßgabe der Sicherheitskräfte am Samstag: „Die Trennung der Fangruppen ist ein absolutes Muss, wir werden mit jeglicher Konsequenz gegen gewalttätige Randalierer und Straftäter vorgehen. Diese werden dieses Spiel nicht sehen und eventuell weitere Spiele ihres Vereins“, kündigte Keppler an.

Für sicheren, sprich getrennten An- und Abtransport der Fans setzt die RSV zehn Gelenkbusse als Shuttle ein. Damit lassen sich nach Spielende auf einen Schlag 1200 Leute zu den verschiedenen Parkplätzen abtransportieren, erläuterte Geschäftsführer Marc Hogenmüller. Wegen der schlechten Zugverbindungen gegen Mitternacht rechnet die Polizei damit, dass die Karlsruher überwiegend mit eigenen Autos oder Bussen anreisen.

Um unschöne Szenen der Begegnung zu vermeiden, schließt das Wellenfreibad erstmals vorzeitig bereits um 18 Uhr.

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