Apotheker-Streik in Reutlingen deutlich zu spüren

Der Warnstreik der Apotheker legte gestern ganze Landstriche lahm. In Reutlingen war der Ausstand ebenfalls deutlich zu spüren.

|
Auch die Betzinger Mühlen-Apotheke beteiligte sich gestern an den Streik-Aktionen in der Stadt und in der Region. Foto: Jan Zawadil

"Wir protestieren" und "Warnstreik" war gestern vor zahlreichen Apotheken im Stadtgebiet zu lesen. Hans-Joachim Hofmann, Beirat im Landesapothekerverband, ging von einer Beteiligung zwischen 80 und 90 Prozent im Stadtgebiet aus. Auch die Mühlen-Apotheke beteiligte sich am Ausstand, und da wunderte sich mancher Kunde, dass er auf seinem gewohnten Gang plötzlich vor einem rot-weißen Absperrband stand. Trotz des Warnstreiks wurde zwischen Tür und Angel und mit lediglich einer Mitarbeiterin bedient. Und es gab Verständnis für die Aktion der Apotheker. "Die sollen euch anständig bezahlen", war in der Steinachstraße immer wieder zu hören.

Dass die Apotheker von einer gerechten Honorierung weit entfernt seien, erklärte gestern zudem die Inhaberin der Mühlen-Apotheke, Stefanie Foster: "Früher gab es einen prozentualen Aufschlag." Seit 2004 würden die Apotheken für ein Arzneimittel auf Rezept aber unverändert 8,10 Euro zuzüglich eines dreiprozentigen Aufschlags auf den Einkaufswert erhalten. Und von diesen müssten wiederum 2,05 Euro an die Krankenkassen abgeführt werden. Außerdem müssten die Zuzahlungen der Patienten für viele Medikamente in voller Höhe an die Kassen weitergeleitet werden.

"Der Reinerlös ist von 28 auf 23 bis 24 Prozent gesunken", erklärte Foster weiter. Angesichts steigender Energie- und Personalkosten dürfte sich dieser aber noch weiter verringern und sich die anspannte Situation noch verschärfen. Denn auf dem Land geht es den Apothekenganz schlecht, sagte Foster. Trotz treuer Kunden rechne es sich nämlich kaum mehr, dort eine Apotheke zu betreiben. Foster machte dies am Beispiel Notdienst fest. Werde bei dem doch oftmals nur ein Medikament pro Nacht verkauft, der jeweilige Mitarbeiter müsse trotzdem für die gesamte Zeit bezahlt werden. "Es ist politisch gewollt, dass die kleinen Apotheken wegkommen", vermutet Stefanie Foster mit Blick auf die unveränderte Honorierung. Der Einsatz für mehr Gerechtigkeit bei der Bezahlung sei dementsprechend gerechtfertigt - und das schon deshalb, "weil wir für die Menschen da sein wollen und ich Arbeitsplätze sichern möchte", wie die Betzinger Apothekerin gestern ausführte.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ein kleines Wattestäbchen reicht

Bei der Spendenaktion für den zweijährigen Joel bereicherten 1324 Freiwillige mit ihrer Speichelprobe die weltweite Stammzellen-Datei. weiter lesen