Anwohner befürchten Chaos

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Das Ringelbachgebiet zwischen Peter-Rosegger-Straße und Hans-Reyhing-Weg (unser Bild) ächzt schon jetzt unter der Verkehrslast und der Parksituation. Ein neues Baugebiet wird, so befürchten die Anwohner, die Lage verschärfen.  Foto: 

In der Theorie hört sich alles ganz gut an. Doch wie es in der Praxis aussehen wird, muss sich erst noch zeigen. Überaus skeptisch jedenfalls sind die Anwohner des Gebiets Peter-Rosegger-Straße und Hans-Reyhing-Straße im Ringelbach angesichts der geplanten Überbauung des Areals der ehemaligen Gärtnerei Bihler. 150 neue Wohneinheiten werden dort im zukünftigen „City Garden“ unter dem Georgenberg entstehen. Wohnraum, den die Stadt Reutlingen, die eine Bevölkerungszunahme von immerhin 1000 Menschen pro Jahr verzeichnet, dringend braucht. Aber Neubürger bringen auch Verkehr mit und genau dies ist es, was den Anwohnern in diesem ohnehin verkehrsgeplagten Gebiet große Sorgen bereitet. Am Dienstagabend fand eine weiterer Nachbarschaftsabend, veranstaltet vom Amt für Stadt Stadtentwicklung und Vermessung, statt.

Antonius Kirsch vom Investor BPD Immobilienentwicklung GmbH, Architekt Gert Baldauf aus Stuttgart, flankiert vom Chef der Reutlinger Stadtplanung Stefan Dvorak, erläuterten nochmals das Konzept. Die Wohneinheiten, sowohl Mehrfamilien- als auch Reihenhäuser, Doppelhaushälften und Eigentumswohnungen gruppieren sich um drei Höfe, im Gebiet selbst wird es keine befahrbaren Straßen geben. Drei Tiefgaragen mit 158 Stellplätzen sind vorgesehen, oberirdisch werden 18 öffentliche Stellplätze angelegt. An der Anzahl der Stellplätze scheiden sich dann auch schon die Geister. Viel zu wenig, wenn man berücksichtige, dass die Mehrheit der Haushalte bereits über zwei Fahrzeuge verfüge, sagen die Anwohner. Investor und Stadtplaner halten entgegen: Mit 1,25 Stellplätze pro Wohneinheit sei die Stadt Reutlingen noch großzügig. „In manchen Städten werden 0,8 Stellplätze pro Wohneinheit berechnet“, sagt Stefan Dvorak. Dadurch sollen die Leute gezwungen werden, so der Planer, auf das Auto zu verzichten. Auch wegen der Anzahl der 18 öffentlichen Stellplätze hagelte es Kritik. „Schon jetzt findet man keinen Parkplatz. Da ist es ja abzusehen, dass es noch chaotischer wird“, kritisierte eine Anwohnerin.

Es geht aber nicht allein um die Stellplätze. Ein neues Wohngebiet bedeutet auch, dass die Neubürger zur Arbeit und zum Einkaufen fahren. Vom dortigen Gebiet führt fast jeder Weg zwangsläufig auf die Achsen Ringelbachstraße und Alteburgstraße, die bereits jetzt erheblich frequentiert sind. Zumal gerade in der Ringelbachstraße seit des Rückbaus vor einigen Jahren zu Spitzenzeiten nur noch Stop-and-Go gefahren werden kann. Die Achse Alteburgstraße/Gustav-Werner-Straße in Richtung Tübingen ist im Berufsverkehr völlig überlastet. Zwischen 30 und 40 Autos mehr pro Stunde hat das Verkehrsgutachten errechnet und als verträglich eingestuft. Auch dies ein Wert, der von den Anwohnern angezweifelt wird. Hinzu kommt die Kindertagesstätte im neuen Wohnareal, die zusätzlichen Verkehr bringen wird.

Die Aufgabe des Investors ist es freilich nicht, diese Verkehrsprobleme zu lösen. Gefragt ist da die Stadt. Und die setzt auf den Umstieg der Bürger. ÖPNV und neue Radwege sollen den Verkehr entlasten. So soll zum Beispiel die Linie 81 des Reutlinger Stadtverkehr laut dem neuen Stadtbuskonzept, das ab 2019 eingeführt wird, eine vollwertige Linie werden. Ob die Bürger umsteigen, bleibt abzuwarten. Zumal angesichts einer Arbeitswelt, die von den Beschäftigten immer mehr Mobilität verlangt.

Beruhigen konnten diese Aussagen letztlich nicht. Ein Anwohner fragte, wieso denn immer mehr verdichtet werden müsse. 30 Wohneinheiten weniger hätten es seiner Ansicht nach auch getan. „Und der Investor hätte sicherlich trotzdem genügend Profit gemacht.“

Das Wohnbauprojekt City Garden unterm Georgenberg zwischen Peter-Rosegger-Straße und Hans-Reyhing-Weg bietet 150 Wohneinheiten. Baubeginn ist im kommenden Jahr vorgesehen. Auf dem 1,82 Hektar großen Areal der ehemaligen Gärtnerei Bihler entstehen Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und Doppelhäuser. Die Bauten gruppieren sich um drei Höfe, auch eine Kindertagesstätte ist geplant. Unterirdisch werden 158 Stellplätze in drei Tiefgaragen ausgewiesen, oberirdisch 18 öffentliche Parkplätze. In dem neuen Wohnareal, das keine Fahrstraßen aufweist, werden 34 Bäume gepflanzt. Das Areal soll in drei Bauabschnitte gegliedert und entsprechend bebaut werden.

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