Anwalt wegen Untreue vor Gericht

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Ungewöhnlich, wenn ein Rechtsanwalt im Gericht nicht als Verteidiger eines Mandanten auftritt, sondern - wie gestern im Fall vor dem Amtsgericht Reutlingen - als Angeklagter: Vorgeworfen wird dem 53-jährigen Juristen, dass er für andere bestimmte "Fremdzahlungen" (darunter einige Gerichtskosten) nicht weitergeleitet hatte, sondern für sich selbst verwendete. Strafbar sei das als "Untreue in 19 Fällen". Damit aber nicht genug: Der Anwalt soll auch, nachdem ihm seine Zulassung entzogen worden war, sich weiter als Rechtsanwalt ausgegeben und Mandanten vor Gericht vertreten haben. Dies ist strafbar als "Missbrauch von Berufsbezeichnungen", sagte Staatsanwalt Jan Vytlacil.

Dass der Angeklagte seit 2012 überschuldet war, gestand er ein: Die Kosten seien ihm, nachdem er sich 2007 selbständig gemacht hatte, "aus dem Ruder gelaufen". Das Richtergremium schien dem Anwalt nicht so recht zu glauben: "Ich staune über zu hohe Kanzleikosten bei nur einer Mitarbeiterin", sagte etwa Richter Eberhard Hausch. "Kann es nicht sein, dass Ihre Lebenshaltungskosten zu hoch waren?" Die Defizite im privaten Bereich seien von den Darlehensraten für zwei Immobilien gekommen, so der Angeklagte. Schulden von rund 100 000 Euro hätten sich angehäuft, zwei Konten seien von Gläubigern gepfändet worden. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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