Am Ende des Abends "tief bewegt"

Als Rudolf Heß ans Rednerpult trat, währte der Festakt zu seiner Verabschiedung schon drei Stunden. Und nicht nur, weil seine 15 Laudatoren so viel Gutes über ihn gesagt hatten, war er "tief bewegt"

|

.

Wenn einer nach 32 Jahren als Bürgermeister das Rathaus verlässt, dann ist das schon einen außerordentlichen Festakt wert. Und so verwundert's nicht, dass das aktuelle und einstige Who is Who der Kommunal- und Landespolitik und jede Menge andere wichtige Menschen - an der Zahl 400 - am Donnerstagabend in die Pfullinger Hallen kamen, um Rudolf Heß Adieu zu sagen. Und das nicht nur still und leise, sondern bisweilen recht ausführlich, manchmal aber auch richtig originell - wie einige der 15 Herren, die zu Grußworten ausholten.

Geschenke hatten sie fast alle im Gepäck und Ehrungen obendrein. So ist Heß, der am 13. Januar aus dem Amt scheidet, seit vorgestern Abend Ehrenbürger seiner Stadt, Träger der Ehrenmedaille in Gold des Landesfeuerwehrverbandes und auch die Freiherr-vom-Stein-Medaille - die höchste Auszeichnung, die der Gemeindetag zu vergeben hat - kann er sich nun ins Regal stellen. All dies in Würdigung seiner außergewöhnlichen Verdienste.

Der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Nils Schmid zum Beispiel hatte in den Geschichtsbüchern geblättert und war da auf eine Hess'sche Aussage zu seinem Amtsantritt gestoßen: "Ich betrachte Pfullingen als meine Lebensaufgabe", hatte der damals 34-Jährige vorausgeblickt. "Sie haben Ihre Lebensaufgabe mit Bravour gemeistert", konnte Schmid ihm nun, mehr als drei Jahrzehnte später, bescheinigen. So wie er auch erkannt hat, dass Heß "Pfullingen fit für die Zukunft gemacht hat". Landrat Thomas Reumann wurde da schon ein bisschen emotionaler. "Ich bin mir sicher, dass es heute Abend keinen gibt, der nicht ein bisschen oder gar arg wehmütig ist", blickte er in die Runde der 400 Wegbegleiter, die zusammengekommen waren. 32 Jahre hätten die Stadt und Rudolf Heß eine Einheit gebildet, so Reumann über den Pfullinger Schultes, den er für die "personifizierte kommunale Selbstverwaltung" hält. Roger Kehle, Präsident des Gemeindetages, der Heß auch die Freiherr-vom-Stein-Medaille überreichte, lobte den Scheidenden als "Vollblutbürgermeister", und Prälat Professor Dr. Christian Rose wünschte dem Ehepaar Heß für die Zukunft "viele gesegnete Momente". All dies, bevor der Vorsitzende des Reutlinger Kreisfeuerwehrverbandes, Gunter Hespeler, dem Schultes noch die Goldene Ehrenmedaille ans Revers heftete, um sich gleichzeitig dafür zu bedanken, dass Heß "die Feuerwehr immer in allen Belangen unterstützt hat".

Die Rednerliste lockerte an diesem Abend nicht nur das Martinskollegium auf, auch der Bürgermeisterchor - von Moderatorin Bärbel Schlegel "Men in Black" getauft - legte einen fetzigen Auftritt hin. Genauso wie das Schlagzeugensemble und die Trumpet Boys der Musikschule und das Bläserensemble des Musikvereins.

Jochen Zeller als Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, Michael Wödl für die musiktreibenden Vereine, die Pfullinger Pfarrer und Pastoren und Jürgen Albrecht als geschäftsführender Schulleiter: Sie alle sparten nicht mit Lob für Rudolf Heß. Dessen Stellvertreter Martin Fink, Dr. Ulrich Zimmermann und Gert Klaiber ließen dann auch noch 32 Jahre Amtszeit in Bildern Revue passieren, bevor sie den Schultes - nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss - die Ehrenbürgerurkunde überreichten.

Und Heß selbst? Der schien völlig geplättet, als er zu seiner Abschiedsrede ansetzte, sich bei seinen Wegbegleitern und für all die Ehrungen bedankte und zu einem kommunalpolitischen Rundumschlag ausholte, als würde er kommenden Dienstag nicht aus dem Amt ausscheiden, sondern es erst antreten. Gleich mehrfach zeigte er sich "tief bewegt". Vor allem über das, "was ich hier in diesen Stunden erlebt habe". Gemeint war der Festakt, der, so Heß, weit mehr gewesen sei, "als eine Formal-Verabschiedung".

Wobei mit dem Ende des Festakts noch längst nicht die Zeit des Abschiednehmens vorbei ist. Heute Abend folgt der Bürgerempfang mit großem Zapfenstreich, und am Dienstag, seinem letzten Arbeitstag, haben die Pfullinger auch noch eine Überraschung für ihn parat. Mehr sei dazu nicht verraten.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hochwasser: „Es darf kein drittes Mal geben“

Ein Jahr nach dem Jahrhundert-Hochwasser sind in Pfullingen noch nicht alle Schäden aufgearbeitet. Bürgermeister Michael Schrenk sieht in  Rückhaltebecken einen wirksamen Schutz. weiter lesen