Altersarmut bekämpfen

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Rebecca Hummel vereinte während der SPD-Nominierungskonferenz am Dienstagabend in Pfullingen 68 der 70 gültigen Stimmen auf sich. Bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme gab es keinen Mitbewerber. Mit dem großen Vertrauen ihrer Kreis-Genossen ausgestattet, wird Rebecca Hummel nun zum zweiten Mal in den Bundestagswahlkampf ziehen. Bereits während des letztmaligen 2013, hob sie die SPD-Fahne im Wahlkreis Reutlingen nach oben. Damals errang sie 20,2 Prozent der Erststimmen.

Die Erfahrungen von damals und der Wunsch, die Anliegen der Menschen auf das bundespolitische Parkett zu heben, sei für sie der Antrieb, sich erneut zur Wahl zu stellen, wie sie während ihrer Vorstellung sagte. Einer ihrer Themenschwerpunkte: Die Energie- und Umweltpolitik. Zudem will sie Erfahrungen als Integrations- und Inklusionsbeauftragte der Stadt Münsingen in die Waagschale legen. Dabei gehe die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe weit über körperliche Gebrechen hinaus, betonte sie. Vielmehr spiegle sie sich auch in finanziellen Barrieren. In diesem Zusammenhang gelte es insbesondere die drohende Altersarmut zu bekämpfen. Wichtig ist ihr auch die Integration von Flüchtlingen. Diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen, werde die Gesellschaft dauerhaft bereichern, ist sie sicher. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die notwendigen Mittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sie hält es darüber hinaus für notwendig, ein „vernünftiges“ Einwanderungsgesetz zu entwickeln, für Menschen, „die zu uns kommen wollen und die wir brauchen.“

Das Ringen um die doppelte Staatsbürgerschaft, der Kampf um eine solidarische Bürgerversicherung, der Umbau der Europäischen Union zur sozialen Union als Reaktion auf nationalistische Tendenzen: Hummel will das Expertenwissen in ihrer Partei anzapfen, mit den Mitgliedern in den Dialog treten und gemeinsam Perspektiven erarbeiten. Kurz: „Ich möchte eure und die Kandidatin für den Kreis Reutlingen sein“, so Hummel an die hiesigen SPD-Mitglieder. Sie quittierten ihre Bewerbung mit fast einhelliger Zustimmung.

Erste Gratulantin war Leni Breymaier, seit Ende Oktober Vorsitzende der Landes-SPD. Sie kam, ebenso wie der Reutlinger Landtagsabgeordnete und Ex-Finanzminister Nils Schmid, ins Pfullinger Jahnhaus. Während ihres Antrittsbesuchs im Kreis schwor Breymaier die Genossen in ihrem lebendigen Grußwort auf neue Perspektiven ein. Sie rief dazu auf, die SPD-Kernthemen soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Friedenspolitik offensiv zu besetzen, statt sich in zahlreichen Themen zu verzetteln und dadurch Profil zu verlieren. Statt laufend Kompromisse einzugehen, gelte es, unabhängig von Koalitionsszenarien, Visionen zu entwickeln und zu verfolgen und sie mit Freude und Begeisterung zu vertreten: „Wir müssen Kopf, Bauch und die Herzen erreichen.“ Zwar gebe es, wie etwa bei der Rente mit 67, durchaus Grund für Selbstkritik, aber nur in der Rückschau verhaftet zu bleiben, trage wenig zur Attraktivität der Partei bei. Gerade bei ihrem „Leidenschaftsthema“, der Rente, müsse die Diskussion nun offensiv geführt werden: Statt eines Konflikts zwischen Alten und Jungen, macht sie einen zwischen Reichen und Armen aus.

Eine Strategie gegen Rechtspopulisten sei, dem „Europa der Märkte“ nicht nur ein Friedens- sondern auch ein Sozialversprechen abzuringen, die Digitalisierung der Arbeitswelt menschlich zu gestalten: „Wer soll‘s machen außer den Sozialdemokraten?“ Die Antwort gab sie selbst: „Wir sind die Partei mit den solidarischen Antworten“, erinnerte sie an die dicken und starken Wurzeln der Sozialdemokratie. Sie seien es, die auch nach einem langen Winter letztlich zuverlässig zu neuem Austrieb führen.

In Verbindung mit der SPD-Nominierungskonferenz im Pfullinger Jahnhaus wurden am Dienstagabend auch die Delegierten für die Landesvertreterversammlung bestimmt. Gewählt wurden: Rebecca Hummel (65 Stimmen), SPD-Kreisvorsitzende Ronja Nothofer (59), Eva Hummel (55), Nils Schmid (49), Sebastian Weigle (43) und Mert Akkeçeli (40).

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