Alles zusammen kann spannend sein

Seit bald zehn Jahren besteht der Künstleraustausch mit Szolnok. Die Stipendiaten der vergangenen vier Jahre zeigen in der Eingangshalle des Rathauses die in der Austauschzeit entstandenen Werke

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Bis 9. Mai kann man sich die Arbeiten der ungarischen Stipendiaten im Rathaus anschauen. Foto: Marie-Louise Abele

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"Es ist eine Zeit, die an der persönlichen wie auch künstlerischen Entwicklung der Künstler maßgeblich beteiligt ist", brachte Dr. Éva Versitz vom Bürgermeisteramt der Stadt Szolnok die Bedeutung des Künstleraustauschs zwischen der ungarischen Stadt und Reutlingen auf den Punkt. Daher freue man sich sehr auf seine Fortsetzung bis 2017.

"Wir blicken eher neidisch nach Szolnok", sagte Bürgermeister Robert Hahn zur Eröffnung der Schau. In Ungarn erwarte die deutschen Künstler ein kleines Künstlerdorf, 1902 gegründet, mit reichlich Kontakt und Austausch. Doch auch Reutlingen biete mit der Nähe des Ateliers zur Produzentengalerie Pupille eine gute Kontakt-Chance.

Dr. Henning Eichinger beschrieb den Austausch als Qualitätssiegel. "Die Stipendiaten haben sich im Vorfeld einer Jury gestellt und sind ausgewählt worden." Ein anderer Ort, ein anderes Umfeld, eine andere Sprache, das Einlassen auf eine neue Ateliersituation seien nicht zu unterschätzen, alles zusammen könne spannend und vor allem bereichernd sein.

Unter diesen Rahmenbedingungen haben die vier Stipendiaten Anahita Razmi, György Király, Florina Leinß und Valéria Kovács gearbeitet, die Ergebnisse sind derzeit zu Gast in der Eingangshalle des Rathauses. "Video - Malerei - Relief" ist die Ausstellung überschrieben und zeigt damit die künstlerische Bandbreite, derer sich die jungen Künstler bedienen.

György Király, geboren 1982 in Szolnok, liebt den zufälligen Blick. Seine Malereien sind verschwommene Momentaufnahmen, in denen Details zurücktreten und einer grundlegenden Melancholie Platz macht. Düstere Stillleben gefüllt mit starren Dingen, einfach mal anders betrachtet - der Betrachter ist eingeladen, in Királys Welt zu treten. Anahita Razmi, 1981 in Hamburg geboren, hat sich der Medienkunst verschrieben. Darin thematisiert sie politische sowie gesellschaftspolitische Fragestellungen meist in Verbindung mit dem Iran, dem Herkunftsland ihres Vaters. In ihrer Arbeit lesen, in bekannten Studio-Einstellungen, TV-Moderatoren ein künstlerisches Manifest vor, das das Fernsehen als ein Werkzeug zur Erneuerung der Kunst beschreibt, angelehnt an den Vortrag von Lucio Fontana im italienischen Fernsehen der 1950er Jahre.

Valéria Kovács, 1987 in Szolnok geboren, malt vor allem abstrakte Bilder, inspiriert von der Farbfeldmalerei. "Spontan gemalt, fröhlich, lebendig, direkt", beschrieb es Eichinger. Sie selbst gibt wenig Interpretationshilfe, möchte sie doch den Blick des Betrachters nicht manipulieren.

Florina Leinß, Jahrgang 1984, lässt große, grafische Flächen entstehen, die irritieren, denn der Betrachter erkennt sich selbst als verzerrte Spiegelung in ihnen. Lack auf MDF-Platten sind ihre Werkstoffe, ihre unterschiedlichen Bildebenen existieren gleichwertig. Hier und da schient der Bilduntergrund durch und bricht damit die entstandene Illusion auf.

Eichinger lobte die Künstler. "Die Ausstellung zeigt, dass sich die Stipendien gelohnt haben." Auch wünsche er sich, dass noch lange an der schönen Tradition des Künstleraustausches festgehalten werde.

Info "Video - Malerei - Relief" - die Ausstellung in der Eingangshalle des Rathauses Reutlingen am Marktplatz ist bis Freitga, 9. Mai, jeweils montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

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