Alle wollen mehr - Förderung, Freiheit, Festivals

Alle wollen mehr, aber nicht alle wollen mehr dafür bezahlen: Beim Wahlpodium diskutierten die Kandidaten für den Gemeinderat zum Thema "Quo vadis - Kultur?" Eine dreistündige Debatte in der Planie.

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Wahlpodium Kultur: (von links) Hagen Kluck (FDP), Gabriele Janz (Grüne), Susanne Immer (SPD), Hans Hubert Krämer (FWV), Gabriele Schneider (WiR), Rüdiger Weckmann (Linke), Karsten Amann (CDU). Foto: kk

Am 25. Mai sind Kommunalwahlen. Tonne, Philharmonie, VHS und franz.K haben daher zu einem Podium geladen - damit die Kandidaten erklären können, wofür sie sich die nächsten Jahre in Sachen Kulturpolitik einsetzen und in welchen Bereich die Kulturkonzeption fortgeschrieben werden muss. Rund 100 Besucher konnten außerdem Fragen stellen.

Durch die Diskussion führte Matthias Stelzer, Regionalchef der SÜDWEST PRESSE. Die großen Fragen drehen sich derzeit darum, wie das neue Theaterzentrum auf dem früheren Listhallen-Areal konzipiert wird. Und darum, was wieviel Geld kostet und was mit dem Planie 22-Gebiet passiert. Gabriele Janz (Grüne) kann sich beispielsweise gut vorstellen, dass das ehemalige Industrieareal als eine Art "Kreativzentrum" genutzt wird. Obs dafür aber passende Investoren gibt, fragt sich unter anderem Hagen Kluck (FDP). Hans Hubert Krämer (FWV) wiederum findet, dass diesen Investoren eben genaue Vorgaben gemacht werden müssten.

Einig sind sich alle darüber, welch hervorragende Arbeit das franz.K leistet. Weniger Eingkeit herrscht darin, wie sich dieses Engagement in der finanziellen Förderung niederschlagen soll. Schließlich arbeiten die Beschäftigten dort im "Niedriglohn"-Bereich, monieren Rüdiger Weckmann (Linke) und Gabriele Janz.

Weckmann warnt aber auch davor, die verschiedenen Kulturanbieter in Reutlingen gegeneinander auszuspielen. Auch die Württembergische Philharmonie (WPR) sei durch die hohe Stadthallen-Miete stark belastet. Janz will genau diesen Haushalt der Stadthallen-GmbH weiterhin "kritisch prüfen" und auf "Transparenz" achten. Weckmann fordert nach wie vor eine "Halle für alle", auch für die Vereine, die den Neubau zwar einmal pro Jahr "umsonst" buchen können, aber oft mit hohen Zusatzkosten für Technik und mehr konfrontiert sind. Weckmann engagiert sich derzeit für die "Initiative Kulturpforte", bei der es zukünftig in allen Kultureinrichtungen "Freikarten für Bedürftige" geben soll.

Wer über Kulturpoltik diskutiert, spricht auch darüber, wer mit wieviel Geld gefördert wird. Hagen Kluck und Dr. Karsten Amann (CDU) gehören zu den Fraktionen, die eher ans Machbare appellieren, "nicht zu allem Ja sagen" wollen (Amann), und auch mal an die "Steuerzahler" (Kluck) denken.

Susanne Immer (SPD) würde sich als Gemeinderätin vor allem für die "kleineren Initiativen einsetzen" wie die Produzentengalerie Pupille, "vorhandenes Potenzial" nutzen und überhaupt "mehr für Kultur ausgeben". Krämer will in punkto Förderung auch lieber "in die Breite gehen", aber selbstverständlich auch "die Substanz erhalten". Er setzt sich schon seit Jahren für ein Industriemuseum ein.

Zum Streitpunkt Theaterzentrum: Mittlerweile stehen schon 7,8 Millionen zur Diskussion, hieß es. Die CDU wolle sich aber lieber "an frühere Beschlussvorgaben" halten, die bei weitaus weniger lagen, sagt Amann. Er wünscht sich von den Architekten trotzdem ein flexibles Raumwunder mit vielerlei Nutzungsmöglichkeiten. Immerhin: Die Personalkostendeckung der Tonne, wenn sie das Theaterzentrum übernimmt, müsse sicherlich aufgestockt werden: "Das weiß auch der Gemeinderat", so Amann. Die ewigen Standortdiskussionen aber, wurde der CDU vorgeworfen, hätten das Projekt eben auch immer teurer gemacht.

Einig sind sich alle darüber, dass Kultur ein wichtiger "Standortfaktor" ist, der adäquat beworben werden müsse. Ein entsprechendes Marketing-Gutachten für 40 000 Euro liegt noch in der Schublade, darf aber nicht eingesehen werden. Warum? Weil es die Verwaltung gerne mit einem "Big Bang" präsentieren will, weiß Amann. Weckmann plädiert dafür, die Kulturkonzeption von 2006 permanent weiterzuentwickeln und dabei auch die "schwierigen" Kulturinitiativen wie die Zelle miteinzubeziehen. Susanne Immer findet generell, dass die Stadt den "Boden für Kulturentwicklung schaffen" sollte.

Kluck jedoch spricht sich gegen zu viel Planung aus: "Kultur braucht Freiheit" und "kann nicht von oben diktiert werden". Die Initiativen sollten eben ihre Anträge stellen, "und dann wird entschieden".

Dabei fordert er mehr "Kompromissbereitschaft" im Gemeinderat. Seine liberale Linie münzt er aber auch auf Veranstaltungen in der City. Festivals wie "KuRT" dürften nicht durch Anwohnerklagen "kaputt gemacht werden", der Bürgerpark mit seinem "lichten Wäldchen" (Krämer) sei für Veranstaltungen gedacht.

Und so gibts auch für die nächsten Jahre reichlich Diskussionsstoff: Reithalle, Areal City Nord, Inklusion, Kultursponsoring, Kunst im Öffentlichen Raum und vieles andere mehr.

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