Abschied für einen der ganz Großen

Mit Oberstudiendirektor Rolf König wurde am Donnerstagnachmittag einer der angesehendsten Schulleiter im Kreis in den Ruhestand verabschiedet.

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Eine Sonate von Beethoven für Violoncello und Klavier, dargeboten von den ambitionierten Nachwuchsmusikern Nicola Pfeffer und Sebastian Fuß, bildete am Donnerstagnachmittag in der Aula der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule den fulminanten Auftakt zur Feier des Schulleiterwechsels. Kollegium, Schüler, Eltern, Kreisräte, Vertreter von Verwaltung, Kammern und Firmen waren gekommen, um Oberstudiendirektor Rolf König ihre Wertschätzung beim Abschied auszudrücken und seinen Nachfolger Dominik Kugler zu begrüßen.

Landrat Thomas Reumann für den Landkreis als Träger der Beruflichen Schulen nannte König „einen der ganz Großen“: Er sei geprägt durch „eine klare Ansage, durch eine klare Linie, als Impulsgeber versteht er sich als wichtiger der Teil der Verantwortungsgesellschaft für junge Menschen“. König, Jahrgang 1952, „ist konstruktiv und engagiert bis zum letzten Tag“, lobte Reumann und erinnerte an das „flammende Plädoyer“ erst unlängst im Schulausschuss des Kreistags – „er ist einer, der junge Menschen vor allem mag“, bescheinigte ihm der Landrat.

König übernahm 1995 die Leitung der Steinbeis-Schule und wurde bald auch Geschäftsführender Schulleiter aller Beruflichen Schulen im Kreis . Die berufliche Bildungseinrichtung für die Metall- und Elektroindustrie sowie das Handwerk, die auf 60 Jahre Bestehen zurückblickt, zeichne sich heute durch „geballte Wissensvermittlung mit moderner Technologie aus“, sagte der Landrat. König habe dabei die Innovationen selbst positiv gestaltet und die Schule „seit über zwei Jahrzehnten maßgeblich mit vorangebracht“. „Sein Ziel war es, die Schüler mit ihren diversen Fähigkeiten optimal auszustatten“. Dazu „wies er immer den Weg, wusste wie’s geht und übernahm Verantwortung auch in schwierigen Zeiten“, dankte Reumann dem „konstruktuv-kritischen Partner“: „Es war ein tolles Miteinander!“

Weil „Abschied die Tür zur Zukunft ist“, wie ein russisches Sprichwort sagt, gab’s vom Kreis einen „Survivalkorb mit garantiert regionalen Produkten“ und einen Silberbarren des Landkreises für den Bald-Pensionär.

Dominik Kugler, dem Nachfolger, der „aus dem Kreis Tübingen zu uns gekommen ist und der sich damit endlich für den richtigen Landkreis entschieden hat“, so Reumann, erwartet eine „Schule mit 96 Klassen und ständiger Dynamik“. Der Landrat ist „überzeugt, dass Sie der richtige Mann am richtigen Platz sind“. Und Reumann zitierte den „Philosophen“ Lothar Matthäus: „Doppelpass alleine? Vergiss es!“ Dies sollte die künftige Zusammenarbeit von Kreisverwaltung und Schulleitung prägen. Zu guter Letzt gab’s dann noch die dreibändige Kreisbeschreibung als Antrittsgeschenk.

Abteilungspräsidentin Dr. Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen als Vertreterin des Dienstherrn näherte sich  dem angehenden Ruheständler ebenfalls philosophisch. Sie charakterisierte den francophilen König, der in der Grande Nation  gerne urlaubt und schon mal alleine von seinem Wohnort Öschingen an die französische Atlantikküste geradelt war, mit Descartes „Je pense, donc je suis“, der Logik der Vernunft, einerseits, und mit Blaise Pascals „raison du cœur“, der Logik des Herzens, andererseits. König als Anhänger einer universellen Bildung, dem Pacher ein „positives Kritikbewusstsein“ attestierte, setze auf ganzheitliche Sicht. Als Musikfreund und Geigenspieler habe er auch versucht, das Fach Musik an der Schule zu etablieren, „doch er konnte die Schüler nicht von den Zusatzstunden überzeugen“, plauderte Pacher aus dem Nähkästchen.

Dafür habe er das Duale System mit Projekten wie dem „Reutlinger Modell“ von Lehre und Bachelorstudium an der Hochschule oder der Lernfabrik 4.0 entscheidend weiterentwickelt und die „Strahlkraft der Schule vorangebracht“, lobte Pacher den „wahrhaft königlichen Schulleiter“, der „die Schüler, die Lehre, die berufliche Bildung, kurzum die Welt im Kleinen verbessern“ wollte. Und das mit „Fürsorge, einem stets offenen Ohr, zuverlässig und mit einer hohen Arbeitsmoral“.

Der 50-jährige Dominik Kugler „ist für die Herausforderung bestens gerüstet“, sagt Pacher. Der Rottenburger studierte nach dem Abi am Eugen-Bolz-Gymnasium  Umwelttechnik und arbeitete mehrere Jahre in einem Karlsruher Ingenieurbüro. Der Entscheidung für den Schuldienst folgte ein Technikpädagogikstudium in Karlsruhe, bevor Kugler an die Gewerbliche Schule Tübingen kam. Bis 2008 war er als Referent teilabgeordnet ans Oberschulamt, bevor er die Leitung der Rottenburger Schule übernahm. Aus „Neugierde und beruflichem Idealismus und weil das Alter nochmals zu was herausfordert“, so Pacher, bewarb er sich nun in Reutlingen.

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