„Wir wollen das Projekt nicht nur, wir brauchen es!“

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Am 21. Mai in der letzten Sitzung des Kreistags vor der Kommunalwahl wird das Gremium formal entscheiden, ob der Rahmenantrag für Modul 1 der Regionalstadtbahn Neckar-Alb so rasch wie möglich beim Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in Stuttgart eingereicht wird. Am Mittwochnachmittag lud die Kreisverwaltung nun dazu neben den Mitgliedern des Kreistags auch die Gemeinderäte der Anliegerkommunen Reutlingen, Metzingen, Bad Urach und Dettingen zu einer gemeinsamen Sitzung und Informationsveranstaltung in die Metzinger Stadthalle.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, bekräftigte Landrat Thomas Reumann den Kommunalpolitikern und rund hundert Zuschauern in seiner kurzen Schilderung des bisherigen Verfahrens auf dem Weg zur Regionalstadtbahn, die „eine überzeugende Antwort auf Fragen nach moderner Mobilität sein kann“. Die Regionalstadtbahn soll weitgehend umsteigefrei in modernen Fahrzeugen und in dichter Taktung Fahrgäste vom Umland in die Verdichtungszentren und zurück bringen. Vor allem Berufspendler und Schüler sollen mit einem auf die Bahn abgestimmten Busverkehr für den ÖPNV gewonnen werden, erläuterte Reumann. Die Gutachter rechnen damit, rund 28 000 Fahrgäste vom Auto auf die Schiene zu bekommen und so täglich 100 000 Fahrgäste regional per Bahn zu befördern.

Mit Blick auf den Ausbau der Zollernalbbahn, die alle Erwartungen weit hinter sich gelassen hat, glaubt Reumann, dass auch „in der Region die ambitionierten Prognosen noch übertroffen werden könnten“.

Grundvoraussetzung für den Einstieg in das Gesamtprojekt ist jedoch, so Reumann, dass zum einen das rund 85 Millionen Euro teure Modul 1 zu 60 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Land finanziert wird. Die restlichen 20 Prozent bestreiten die Anliegerkommunen und die Landkreise Reutlingen und Tübingen. Wesentlich ist jedoch auch eine Endfinanzierungsgarantie des Landes für die Bauteile in Regie der Deutschen Bahn. Sollten sich hier Verzögerungen ergeben, dürften die nicht dem Projekt angelastet werden. Zum Ende des Gemeindeverkehrsfinanzierungs-Gesetzes (GVFG) 2019 müssen nämlich alle Projekte realisiert und auch abgerechnet sein, andernfalls drohen Rückzahlungen.

Der Rahmenantrag für das Modul 1 mit Vorplanung liegt nun mit konkretisierten Kostenschätzungen vor. Mit dem positiven Beschluss des Kreistags wird der Antrag samt Planung und Betriebskonzept im Juni bereits Verkehrsminister Winfried Hermann in Stuttgart vorgestellt, danach geht’s nach Berlin zu Staatssekretär Enak Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium.

Mit den Förderzusagen – und nur mit ihnen – könnte noch vor der Sommerpause der dann neue Kreistag den Einstieg in die nächste Phase, die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, beschließen. Denn die Zeit drängt, spätestens im Oktober sollte die Entwurfs- und Genehmigungsplanung gestartet werden, damit Modul 1 in allen Facetten rechtzeitig realisiert werden kann.

„Elektrifizierung mit stadtbahngerechtem Ausbau der Ermstal- und Ammertalbahn mit neuen Haltepunkten auf der Neckartalbahn“ ist das erste Modul umschrieben, und doch, so Carsten Strähle von der ENAG, der Erms-Neckar-Bahn AG Bad Urach, „ist Elektrifizierung weit mehr als nur einen Fahrdraht ziehen“. Da sollen etwa in Dettingen-Gsaidt und Metzingen neue Kreuzungsbahnhöfe gebaut, Teile der Ammertalbahn zweigleisig angelegt, Ingenieurbauwerke, Bahnübergänge und Stellwerke angepasst und die Haltestellen im Ermstal von 45 auf 80 Meter verlängert werden.

Und es soll neue Haltepunkte auf der Neckartalbahn geben. Fünf sollen es am Ende sein – Reutlingen-Storlach, Reutlingen-Bösmannsäcker, Tübingen-Neckaraue, Tübingen-Güterbahnhof und Metzingen-Süd –, doch nicht alle lassen sich bereits beim Modul 1 realisieren.

Eine erste Untersuchung, die Petra Strauß von der PTV Transport Consult vorstellte, zeigte, dass die Fahrgastpotenziale am Halt Bösmannsäcker und Tübingen-Güterbahnhof so hoch sind, dass die auf jeden Fall gebaut werden sollten. Für die übrigen Haltestellen samt Tübingen-Lustnau soll nun noch das Nutzen-Kosten-Verhältnis samt neuester Strukturdaten berechnet werden, um einen weiteren zu bauenden Halt zu ermitteln.

Einhellig unterstützten die Sprecher der Kreistagsfraktionen die bisherige Vorplanung und das weitere Vorgehen. Deutlich wurde auch, dass Modul 1 nur ein erster Schritt sein könne auf dem Weg zum Gesamtprojekt Regionalstadtbahn. „Land und Bund müssen das ganze Projekt als eine Einheit begreifen“, so Otwin Brucker (FWV). Von der „Reise in die Zukunft der Regionalstadtbahn“, so Mike Münzing (SPD) erwartet er „wirtschaftliche Impulse, Siedlungsimpulse und die Förderung der regionalen Identität“. Michael Hagel (Grüne) betonte: „Wir wollen das Projekt nicht nur, wir brauchen es, um als Region nicht ins Hintertreffen zu geraten.“ Prof. Willi Weiblen (FDP) empfahl, „Tempo zu machen“, um Modul 1 bis 2018 umgesetzt zu haben, und „Druck zu machen“, damit es auch danach mit einer Bundes- und Landesförderung weitergeht.

Barbara Bosch als Reutlinger Oberbürgermeisterin sieht als einzigen Wermutstropfen, dass im Modul 1 lediglich drei neue Haltepunkte gebaut werden können. Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler betonte, dass es „selbstverständlich Barrierefreiheit geben muss für jeden Bahnsteig, an dem diese Regionalstadtbahn hält“, eine Forderung, die Landrat Reumann mit dem Hinweis kommentierte, dass vor allem „die Deutsche Bahn ihrer Verantwortung gerecht werden muss“.

„Ich glaube, diese Bahn bringt uns voran“, bekannte Dettingens Bürgermeister Michael Hillert. Für ihn ist nun wichtig, dass „der Nutzen des gesamten Projekts in die Köpfe der Leute hineinkommt“.

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