"Wir sind alle Weltbürger"

Das EPiZ liegt versteckt in der Reutlinger Wörthstraße. Es glänzt durch Weltoffenheit, nicht durch schickes Design, ist Anlaufstelle für alle, die mehr verstehen, mehr Verantwortung übernehmen wollen.

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Die Welt erklären: Anta Iguila-Vollmer ist Referentin mit dem Schwerpunkt Mali. Fotos: Privat/ Grossmann

"Nur noch mal kurz die Welt retten", singt Tim Bendzko. Wenn es nur so einfach wäre . . . Das EPiZ (Entwicklungspädagogisches Informationszentrum Reutlingen im Arbeitskreis Eine Welt) ist weit entfernt von oberflächlichen Schlagworten. Hier geht es um die kleinen Schritte, ums Nachdenken über nachhaltige Entwicklungen und die Umsetzung, gerade auch im Alltag. Besser verstehen, besser lernen, besser kommunizieren, damit die Ideen weitergetragen werden. Noch nie war das so wertvoll wie heute. Mit brutalen Unterdrückungsmethoden weitet der Islamische Staat sein Territorium aus, unvorstellbare Grausamkeiten auch im Umfeld der Terrormiliz Broko Haram, Festung Europa, bis zu 40 000 Menschen (laut einer inoffiziellen Schätzung) sind in den letzten sieben Jahren im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken, Kriege mit verheerenden Folgen, Waffenexporte, Freihandelsabkommen, Ebola-Krise, Klima-Wandel, Ausbeutung in Billiglohnländern und mit Pegida hierzulande eine Entwicklung, die sich entgegengesetzt zu Toleranz und Integration bewegt, die Ängste schürt und für Abgrenzung steht. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Sigrid Schell-Straub, EPiZ-Leiterin und Eine-Welt-Fachpromotorin, benennt die weltumspannenden Probleme und hakt bei der Persönlichkeit des Einzelnen ein. Jeder soll sich Klarheit verschaffen können. Und dabei nicht vom Gefühl der Ohnmacht erdrückt werden. "Wir wollen Mut machen zum Handeln", sagt sie. Tun und Denken sollen im globalen Kontext stehen, damit Zusammenhänge deutlich werden und negative Folgen nicht einfach ignoriert werden - mit der faden Entschuldigung, allein könne man sowieso nichts ausrichten. Es sind die kleinen Schritte, die Großes bewegen.

Sie wirkt nicht als Lehrerin, die mit erhobenem Zeigefinger vor dem Weltuntergang warnt. Sie spricht von Gewinn. Wer seine Perspektive wechselt, sieht anders. Wer seinen Horizont erweitert, lernt dazu. Wer selbst aktiv ist, kann andere aus ihrer Lähmung herausholen. "Und das macht auch noch Spaß", ergänzt sie. "Unsere Pädagogik ist lustvoll, kreativ, interaktiv." Und sie findet nicht im Geheimen statt. Durch die Weitergabe wird eine Vernetzung erreicht, die sichtbare Erfolge zeigt. Kulturelle Vielfalt wird erlebbar. Auf vielen Ebenen. Handlungsmöglichkeiten stehen nicht nur auf dem Papier. Sie werden erprobt und umgesetzt. Ohne den Anspruch, dass alles perfekt läuft.

Das EPiZ ist ein "Haus des Globalen Lernens". Seit Zukunftsthemen in den Bildungsplänen einen höheren Stellenwert haben, bemühen sich viele Schulen um eine Kooperation und nehmen Fortbildungen verstärkt in Anspruch. Diese Planungsprozesse und Konzepte für eine neue Lernkultur werden begleitet - bundesweit mit dem "Globalen Lernen in Schulprofilen" (GLSP), dem sich das EPiZ im Juli 2012 angeschlossen hat. Erfolgreich. Mit im Boot sind bereits: Die Realschule Neuffen, das Stromberg-Gymnasium Vaihingen/Enz, die Gemeinschaftsschule Pliezhausen, die Kaufmännische Schule Wangen, die Gemeinschaftsschule Argenbühl/ Eglofs, die Laura -Schradin-Schule Reutlingen und demnächst auch die Schillerschule in Münsingen (der Vertrag wird am kommenden Mittwoch unterzeichnet) und das neue Albgymnasium an der Hohensteinschule, hier ist man noch in der Vorbereitungsphase. Ansprechpartner sind Hans-Werner Schwarz und Rainer Schwarzmaier.

Niemand lebt auf einer Insel. Globales Denken ist unverzichtbar, gegenseitige Toleranz, Respekt und Wertschätzung, kulturelle Vielfalt und ein gemeinsames Handeln, das auf Nachhaltigkeit setzt und Brücken baut. "Wir sind alle Weltbürger", sagt Sigrid Schell-Straub. Wem das nicht bewusst ist, erhält gerne "Nachhilfe" - in der Reutlinger Wörthstraße.

Zukunftsvisionen

"Globales Lernen" ist ein Bildungskonzept. Es werden globale Zusammenhänge unter die Lupe genommen und die Rolle und Verantwortung jedes Einzelnen innerhalb der Weltgesellschaft analysiert und diskutiert. Inwieweit beeinflusst mein Handeln und mein Konsum hier die Welt da draußen? Es stellt also eine Verbindung vom Weltgeschehen zum eigenen Leben her und zeigt Möglichkeiten auf, sich aktiv für eine gerechtere und somit auch friedlichere Welt einzusetzen, in der natürliche Ressourcen geschont werden. Dafür sollen Zukunftsvisionen kreiert werden. Es sollen keine Meinungen vorgegeben, sondern dazu angeregt werden, sich selbst eine zu bilden, kritisch und optimistisch zugleich. Dies findet beispielsweise in Form von interaktiven (Schüler-)Workshops im Globalen Klassenzimmer statt.

ELI

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