"Wir müssen näher zusammenrücken"

Vier Gäste aus drei Nationen diskutierten zum Leitthema "Perspektiven jugendlicher Schulabgänger auf dem europäischen Arbeitsmarkt".

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Aufgrund des bevorstehenden Europatages am 9. Mai hatte die Theodor-Heuss-Schule zu einer Podiumsdiskussion in ihre Räume eingeladen. Vor etwa 70 Schülern und Lehrern diskutierten die Gäste über die Jugendarbeitslosigkeit in den von der Finanz- und Wirtschaftskrise besonders stark betroffenen europäischen Ländern, wie beispielsweise Spanien.

Dort sind 55 Prozent der jungen Menschen arbeitslos. Einen Eindruck über die momentane Situation dort verschaffte die spanische Studentin Maider Remirez: "Viele meiner Freunde haben eine Ausbildung, aber keine Arbeit." Weitere Mitglieder der Diskussionsrunde waren Beate Müller-Gemmeke, Bundestagsabgeordnete der Grünen, der stellvertretende Geschäftsführer der IHK, Walter Herrmann, sowie Petur Thorsteinsson, isländischer Jugendreferent für das Evangelische Jugendwerk Reutlingen.

Die Diskussion leitete ein Schüler der Theodor-Heuss-Schule. Schon bei der ersten Frage schieden sich die Geister: Ist die derzeitige Situation der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland verkraftbar? Beate Müller-Gemmeke sah dies kritisch: "Wir haben eine Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent, das ist gut. Aber europaweit ist jeder vierte junge Mensch arbeitslos." Auch bereite ihr die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland Sorgen, die momentan bei 40 Prozent liege. Walter Herrmann war dagegen positiver gestimmt: "Die Zahl der Beschäftigten hat sich ständig erhöht - und die Unternehmen suchen Fachkräfte", erklärt er. Einen Einblick in die wirtschaftliche Lage eines weiteren europäischen Landes gab Petur Thorsteinsson.

Der gebürtige Isländer stellte allerdings gleich zu Anfang klar, dass Island nie mit einem wirtschaftlich großen Land verglichen werden könne. "Wenn in unserem Land eine Firma seinen Standort wechselt, ist das ganze Dorf arbeitslos." Seit sechs Jahren kenne das Land jetzt die Langzeitarbeitslosigkeit, was viele Isländer dazu veranlasse, in Länder wie beispielsweise Norwegen auszuwandern. Die Gehälter seien dort zwei- bis dreimal so hoch. Einig waren sich alle Gäste darin, dass die europäischen Länder voneinander lernen können, egal ob wirtschaftlich stark oder schwach. Beate Müller-Gemmeke lobte beispielsweise das isländische Bildungssystem und sah gleichzeitig bei unserem System Verbesserungspotenzial: "Man kann nicht einfach ein System komplett übernehmen, aber es ist möglich, sich Teile davon abzuschauen. Wir müssen näher zusammenrücken."

Thorsteinsson sah es ähnlich wie die Bundestagsabgeordnete: "Ich glaube an die Beweglichkeit, wo Menschen sich kennen lernen und motiviert werden, über unsere Kulturen hinaus." Lösungen zu diesen komplexen Themen könne man nicht von heute auf morgen finden. Müller-Gemmeke ist dennoch davon überzeugt, dass "jedes Land investieren muss, denn wenn es der Wirtschaft gut geht, wird es auch wieder Ausbildungsplätze geben".

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