"Wir arbeiten hier auf Jahrhunderte"

Die Marienkirche ist Dauerbaustelle, ein Teil ihrer Fassade nun erneut eingerüstet. In diesem Jahr sind an der nordwestlichen Seite die Fialen, Strebebögen und Kreuzblumen an der Reihe. Kosten: 230 000 Euro.

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Viele Figuren haben mit der Zeit gelitten, wie Architekt Albert Hörz am Petrus zeigt. Foto: Anne Leipold

Die Schäden sind zahlreich, traten mitunter erst bei der Reinigung des Sandsteins zutage. Es zeigte sich, dass mehr Steine gebraucht würden als bereits bestellt, so Steinmetz Rainer Uhl. An etlichen Stellen bröckelt der Sandstein, etwa an einer originalen Figur aus der Bauzeit der Marienkirche um 1343. Oder an Säulen, wie Architekt Albert Hörz vom Büro Riehle und Assoziierte beim Termin vor Ort demonstrierte. Schon bei leichtem Druck hielt er abgeplatzte Teile des Sandsteins in der Hand.

An unzähligen Stellen ist der Sandstein ohne menschliches Zutun abgeplatzt. Zum Beispiel an den Verzierungen der Fialen, die so genannten Krabben, denen der Frost zugesetzt hat. Außerdem haben die Kreuzblumen gelitten, von vier stark beschädigten müssten zwei komplett runtergenommen und ersetzt werden, berichtete Hörz. Schon im vergangenen Jahr mussten vier von der Kirche entfernt werden, zwei wurden in einer Steinmetzwerkstatt bislang erneuert, davon wiederum eine mit der Spende der Stiftung Marienkirche - eine neue Kreuzblume kostet 4500 Euro.

Der Naturstein wird gefestigt, um der Witterung besser zu widerstehen. Die Fugen der Strebebögen werden aufgemacht, um sie mit Blei anstelle des Mörtels zu schließen. Das halte dann gut 500 Jahre, ist Hörz zuversichtlich: "Wir arbeiten hier auf Jahrhunderte."

Und so läppern sich die Kosten. Allein die Baukosten betragen 165 000 Euro, von den Gesamtkosten über 230 000 Euro muss die Kirchengemeinde 131 000 Euro selbst aufbringen. Die Hagelschäden, die vermutlich bei 100 000 bis 150 000 Euro liegen, sind hier noch nicht eingerechnet.

Und umso ärgerlicher, dass kurz nachdem das Gerüst stand, zwischen Donnerstag vergangener und Dienstag dieser Woche, versucht wurde, eine Figur auf der Winterlaube aus der Verankerung zu brechen - was enorme Kraft erfordere, wie Pfarrerin Sabine Großhennig betonte. Die Figur verlor eine Hand, die nicht zu finden ist. Damit wurde ein "Kulturgut zerstört", so Hörz. Die Polizei sucht Zeugen. Die Figur wurde sicherheitshalber entfernt.

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