"Wie ein Objekt behandelt"

Das Landgericht hat einen 35-Jährigen wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahre Haft verurteilt. Er hatte im Juni 2013 eine 22-Jährige in Reutlingen überfallen.

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Vermutlich hatte der 35-Jährige die junge Frau schon länger im Visier - bei ihr zu landen schien ihm aber wohl aussichtslos. So einer wie er hätte bei solch einer Hübschen keine Chance, sagte der 35-Jährige vor der Kammer des Landgerichts Tübingen, als dort die 22-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Abend des 23. Juni 2013 berichtete, der sich bei ihr auf unheilvolle Weise eingebrannt hat und für den ihr stiller Bewunderer nun bezahlen muss.

Denn statt die junge Frau anzusprechen, wählte der Angeklagte einen äußerst brutalen Weg, um der Frau nahe zu sein. Als sie auf ihrem Heimweg nur noch wenige Schritte von ihrer Haustüre entfernt war, näherte er sich ihr von hinten, hielt ihr ein Messer in den Rücken, fesselte ihre Hände, verband ihre Augen und bugsierte die verängstigte Frau eine halbe Stunde durch Reutlingen - bis sie schließlich in seiner Wohnung angekommen waren.

Dort befahl der 35-Jährige der 22-Jährigen, sich - noch immer gefesselt und blind - auf eine Matratze zu legen. Er vergewaltigte die 22-Jährige mindestens fünf Mal. Über mehrere Stunden war die Frau ihrem Peiniger hilflos ausgeliefert, ohne zu wissen, ob sie die muffelige Kellerwohnung lebend werde wieder verlassen können. Erst als sie immer heftiger zitterte und weinte, habe er sie auf der Straße wieder freigelassen.

"Er hat die Frau wie ein Objekt behandelt", stellte die Vorsitzende Richterin Anna-Maria Schmid fest, als sie das Strafmaß begründete, das die Kammer am gestrigen Montag dem 35-Jährigen auferlegte.

Das Urteil des Landgerichts: Sieben Jahre Haft wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Zudem wurde der Mann verurteilt, 10 000 Euro Schmerzensgeld und weitere rund 4300 Euro Schadensersatz an die Frau zu bezahlen, die bis heute an massiven psychischen Folgen der Tat leidet.

Der Angeklagte legte vor der Kammer ein Teilgeständnis ab und beteuerte seine Reue und seine Scham. Nur ein Teilgeständnis legt er ab, weil er - wie an jedem Abend - auch während der Tat stark betrunken gewesen sein will. Er könne sich daher nur noch schemenhaft erinnern. Dass er damals erheblich alkoholisiert war, das glaubt zwar auch die Kammer, aber wie ein psychiatrisches Gutachten zuvor geht sie nicht von einer maßgeblich beeinträchtigen Steuerungs- und Schuldfähigkeit aus. Ebenso glaubt die Kammer nicht an eine angebliche Spontantat. Zu planvoll und zielgerichtet sei der Angeklagte vorgegangen. So habe er Augenbinden vorbereitet und ebenso bei sich geführt, wie eine Waffe.

Der Mann habe stundenlang Kontrolle über die Frau ausgeübt und im Nachgang der Vergewaltigungen versucht seine Spuren zu beseitigen. Das allerdings gelang nur teilweise: Spermaspuren überführten den Mann.

Mit dem nun ergangenen Urteil folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Doch im Gegensatz zur Anklage erkennt das Gericht hinreichende Erfolgsaussichten für eine erneute Alkoholtherapie. Der Sohn polnischer Einwanderer hatte nach schulischen und familiären Problemen bereits im Alter von 17 begonnen verschiedene Drogen zu sich zu nehmen.

Ab Anfang zwanzig folgte massiver Alkoholmissbrauch, dutzende Klinikaufenthalte und eine vorschnell abgebrochene Therapie im Maßregelvollzug. Der "Würgegriff der Sucht", hinterließ bei ihm massive körperliche Schäden. Dennoch glaubt die Kammer dem Mann, wenn er sagt: "Ich möchte leben." Nach einer Verbüßung von eineinhalb Jahren im Vorwegvollzug soll nun also eine zweijährige Therapie in einer Entziehungsanstalt greifen. Bei einem Therapieerfolg könnte der Rest der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden.

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