"Wenn nicht wir, wer dann?"

Mit der Kandidatenvorstellung geht die Jugendgemeinderatswahl in die heiße Phase: insgesamt 35 Kandidaten stellten sich am Donnerstag im Jugendcafe vor - mit Postern, Wahlkampfreden und einem Video.

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Der Jugendgemeinderat (JGR) ist ein wichtiges Gremium und die Themen, für die sich die Bewerberinnen und Bewerber stark machen, wurden bereits ein ums andere Mal in die Tat umgesetzt.

So gäbe es ohne den Jugendgemeinderat kein Jugendcafé am Federnseeplatz und auch "den Nachtbus hat erst das Reutlinger Jugendgremium angestoßen und möglich gemacht", betont Klaus Kupke von der Stadt Reutlingen bei der Begrüßung. Bereits zum zehnten Mal haben rund 14 500 wahlberechtigte Schülerinnen und Schüler am 24. Januar die Chance, ihre Vertreter für den Jugendgemeinderat zu wählen.

Erstmals können auch auswärtige Schüler, die in Reutlingen die Schule besuchen, ihre Stimme abgeben. Gewählt wird in insgesamt 24 Wahllokalen, eingerichtet in Reutlinger Schulen. Und auch für Nachzügler und Wahlberechtigte, an deren Schulen keine Wahlurne steht, wird gesorgt: sie können am Wahlsamstag zwischen 11 und 14 Uhr ihre Stimme im Rathaus abgeben.

Während sich die 35 Bewerberinnen und Bewerber am Dienstag und Mittwoch in Workshops intensiv auf die Wahl vorbereitet hatten, galt es am Donnerstag, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei blieb es den Bewerbern überlassen, ob sie sich per Wahlrede, Poster oder Kurzvideo vorstellen. Von den 35 Bewerbern wagten sich 13 aufs Podium, zwei Bewerber zogen es vor, sich gemeinsam per Kurzvideo zu präsentieren.

Wie in den Jahren zuvor kamen auch dieses Mal wieder ganz unterschiedliche Vorschläge aufs Tablett: Mehrere Jugendliche wie Lukas Speidel sprachen sich für bessere Nachtbusverbindungen und mehr Räume für Parties aus. Aber auch freies WLAN in der Innenstadt ist für viele Jugendliche ein wichtiges Anliegen.

"Ich würde mich für mehr Angebote für unter 16-Jährige einsetzen", stellte etwa Fabian Schulten in Aussicht, "denn die wissen oft nicht, was sie abends tun sollen und lassen sich deshalb von den Älteren Alkohol beschaffen". Andere wie Paul Leo Harwarth forderten mehr Förderung von Jugendprojekten und eine bessere "Integration anderer Religionen und Kulturen".

Jelena Römer machte sich für bessere Fahrradwege, einen zentral gelegenen Skaterpark und "freies und schnelleres WLAN - auch in den Bussen" stark. Viele Bewerber kritisierten die Verkehrsverbindungen, den Busverkehr in der Region und vor allem die zu hohen Beförderungspreise für Schüler. Davon handelte auch der einzige Kurzfilm des Abend, in dem sich Philipp Tatamikov und Billy Nguyen unter anderen "für günstigere Monatskarten" aussprachen.

So engagiert sich die Jugendlichen an diesem Abend für ihre Vorstellungen ins Zeug legten, war doch auffallend, dass das Interesse, sich im Jugendgemeinderat zu engagieren, von Wahl zu Wahl nachlässt: Während es vor vier Jahren noch rund 70 Kandidaten waren, die sich für die insgesamt 24 Sitze bewarben, waren es 2013 nur noch 46 Bewerber. Für die diesjährige Wahl vom 16. bis 23. Januar ließen sich nur noch 35 Kandidatinnen und Kandidaten aufstellen.

Dabei werden die jungen Räte im Gemeinderat nicht nur gehört, sie haben auch ein Mitspracherecht und ihre Ansichten fließen bei jugendrelevanten Entscheidungen und in die Arbeit des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses mit ein: "Nervt die Gemeinderäte, wenn ihr gewählt werdet", forderte so auch FDP-Gemeinderat Carl-Gustav Kalbfell die Kandidaten zur Kritik auf und schob noch ein aufmunterndes "Haut rein" nach.

Auffallend war auch, dass nicht nur die Anzahl der Kandidaten rückläufig ist, auch die Besucherzahl der Kandidaten-Show ließ etwas zu wünschen übrig, obwohl das Wahlkampf-Programm von unterhaltsamen musikalischen Einlagen des Dettinger Nachwuchstalentes Vivien Vanessa und dem Gitarre spielenden Rapper Philipp Stein untermalt wurden. Aylin Kaygin brachte schließlich als letzte Bewerberin ihre Vorstellung über jugendliche Mitbestimmung auf den Punkt: "Wenn nicht wir, wer dann?"

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