“wellcome” – praktische Hilfen nach der Geburt

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Karin Rauscher (rechts) unterstützt Kata Zugec für einige Monate nach der Geburt ihrer Zwillinge Matej und David. Foto: Jürgen Simon  Foto: 

Einfach mal für ein paar Stunden in der Woche Entlastung vom „Baby-Stress“. „Das klingt gut, aber ob ich das wirklich brauche?“, hat sich Kata Zugec gefragt, als die Hebamme sie auf das Angebot von „wellcome“ aufmerksam gemacht hat. Doch wenige Wochen, nachdem die Zwillinge auf der Welt waren, hat sie bei Christine Schuhmacher, der Reutlinger Koordinatorin von „wellcome“, angerufen. Eine Woche später stand bereits Karin Rauscher vor der Tür. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin ist selbst erfahrene Großmutter, doch ihre Enkel leben in Hamburg. Da dachte sie, dass sie in Reutlingen junge Mütter unterstützen könnte, deren Eltern ebenfalls weiter entfernt wohnen.

Einmal die Woche kommt Karin Rauscher nun zu den Zwillingen Matej und David und passt auf sie auf, während Mutter Kata dann endlich Zeit hat, gründlich zu putzen oder einkaufen zu gehen. Oder die Vier machen einen gemeinsamen Spaziergang. Denn alleine kommt Kata Zugec mit den Zwillingen nicht aus dem mehrstöckigen Haus. Um beide gleichzeitig die Treppen herunter zu tragen, sind die acht Monate alten Jungs zu schwer. Doch einen von beiden im Treppenhaus des großen Hauses alleine lassen möchte sie auch nicht, wenn sie den Kinderwagen aus dem Keller holt. Und wenn abends der Ehemann heimkommt, ist es zu spät für einen Spaziergang.

Praktische Hilfen für die Monate nach der Geburt geben, bis sich eine gewisse Routine bei den jungen Familien eingependelt hat – mehr möchte „wellcome“ gar nicht. Deshalb gibt es auch keine besonderen fachlichen Voraussetzungen für die Ehrenamtlichen. Es geht weder um Haushalts- noch um Erziehungshilfe, dafür gibt es andere fachliche Dienste. Es geht einfach nur ums Da-Sein, um eine Art von Nachbarschaftshilfe.

Eigene Kindererfahrung ist für die Ehrenamtlichen natürlich schon gut, aber vor allem ist die Motivation wichtig. Deshalb führt Christine Schuhmacher mit den Interessentinnen zunächst ein langes Gespräch, danach gibt es eine Bedenkzeit. Ebenso gibt es für die Familie erst einen „Schnuppertermin“, um festzustellen, ob man zueinander passt.

Wenn die Koordinatorin das richtige Gespür hatte und Ehrenamtliche und junge Familie sehr gut harmonieren, dann kann es auch mal sein, dass sie wieder eine Ehrenamtliche im „wellcome“-Team verliert. „Unsere Einsätze sind grundsätzlich zeitlich begrenzt,“ sagt Christine Schuhmacher. „Aber manchmal ist die Harmonie so groß, dass die Ehrenamtlichen einfach in der Familie bleiben und keine weiteren Aufträge übernehmen wollen.“ Deshalb ist sie auch ständig auf der Suche nach weiteren Kräften.

Ob es nun darum geht, dass die Mutter mit einem Geschwisterkind zum Arzt muss und für zwei Stunden jemanden braucht, der auf das Baby aufpasst oder ob sie einfach mal in Ruhe Einkaufen will, ist für „wellcome“ egal. Die Anfordernden müssen sich nicht rechtfertigen. Allerdings prüft die Koordinatorin, eine erfahrene Fachkraft, ob die Ehrenamtlichen die Unterstützung leisten können, die nötig ist, oder ob weitere Hilfen angeboten werden sollten.

Deshalb können Familien nach der Geburt eines Kindes anrufen, auch wenn sie noch nicht recht wissen, ob „wellcome“ die richtige Adresse ist. Die Koordinatorin vermittelt gegebenenfalls weitere Hilfsangebote. Damit ist zugleich sichergestellt, dass die Ehrenamtlichen nicht überfordert und beide Seiten zufrieden sind.

„Ich bin schon traurig, wenn Karin wieder gehen muss“, sagt Kata Zugec. Und Karin Rauscher sagt: „Die Kinder wachsen einem ans Herz.“ Bei diesem Einsatz läuft offensichtlich alles sehr gut. Dass er zugleich die 3333. Stunde enthält, die vom Reutlinger „wellcome“-Team geleistet wird, freut Christine Schuhmacher: „Der Bedarf ist da.“

„Familien stärken“ ist eines der wichtigsten Ziele der evangelischen Familienbildung. Daher ist „wellcome“ seit 2010 im Reutlinger „Haus der Familie“, eine Einrichtung der Evangelischen Bildung Reutlingen, angesiedelt. Die Idee stammt aus Hamburg aus den Reihen der dortigen Familienbildung und ist mittlerweile bundesweit an 250 Orten verbreitet.

Unter ☎ (07121) 92 96 17 ist das Reutlinger Büro von „wellcome“ erreichbar. Donnerstagvormittag ist Sprechstunde, ansonsten meldet sich der Anrufbeantworter. Jürgen Simon

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