"Super-Till" - ganz vogelfrei

Lustig - aber auch textlastig sind die urkomischen Geschichten des Till Eulenspiegel. Dafür aber meisterten die Buben und Mädchen ihre Parts prima.

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Musical der Kanaries: Die Akteure begrüßen ihren Helden, den durchtriebenen, schlauen Till Eulenspiegel.  Foto: 

Seit Januar arbeiten die Kanaries des Männergesangvereins Eintracht - samt angeschlossenem Projektchor aus Schulen - an diesem Stück über den Tausendsassa aus dem Norden, berichtet Christina Stanecker, die die Jungen und Mädchen dabei unter ihren Fittichen hatte. Ein nicht geringer Aufwand - der sich aber gelohnt hat.

Unter der Regie von Dr. Alexander Hummler führten ein Dutzend Kanaries mit Elan und viel Wortwitz den Till Eulenspiegel auf, beide Male im schwülheißen Musiksaal der Schloss-Schule. Eigentlich sollte am gestrigen Sonntag ja der Schwille-Hof Austragungsort sein. Doch wegen unklarer Wetterverhältnisse ging es erneut in die Schloss-schule, wo Christa Hoppe als Souffleuse eine ganz besonders wichtige Aufgabe hatte. Bei Till Eulenspiegel, der Schalk, der anderen Menschen eben "den Spiegel vorhält", fallen gewaltige Textmengen an - und dann auch noch schwierige Konjunktive. Und da musste den Kleinen, zum Teil gerade acht Jahre jung, schon auch etwas zugeflüstert werden.

Wenngleich: Es ist ein Musical, und zudem ein tolles Abenteuer für Kinder, die dann auch reichlich im Publikum vertreten waren. Rund um den "im echten Leben" 14-jährigen Maximilian in der Hauptfigur des Stücks, trollten sich eine Menge illustrer Figuren, von der Katz über den Esel - bis hin zum gut genährten "Ritter Schlemmersack". Honigdiebe treten in Aktion, und der Bäcker "Mehlohr" verhilft einem bettelarmen Bauern schließlich zu einer Menge Wohlstand.

Christina Stanecker begleitete den Heidenspaß, der auch einigen Tiefgang zum Thema Mensch parat hatte. Die kindergeeignete Fassung schrieb Ralf Israel. Und schon purzeln Schuhe ins Publikum, schon rekrutiert Till die Katze und den Esel, verführt sie zum Müßiggang, zum Vagabundenleben, das den Eulenspiegel so berühmt gemacht hat.

Und dem historischen Till Eulenspiegel muss es jedenfalls gut gegangen sein: Im Jahr 1300 nahe Wolfenbüttel geboren, wurde er, fürs Mittelalter selten, immerhin 50 Jahre alt.

Als eigentlichen "Narr" konnte man ihn nicht bezeichnen: In der Tat, so das Lexikon, "war er seinen Mitmenschen an Geisteskraft, Durchblick und Witz überlegen." Vor allem stellte er die Blödheiten und Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen bloß, was die Kanaries in ihrem Musical auf beeindruckende Weise vermitteln konnten.

Den einfältigen Hochschullehrer aus Erfurt verlädt Till mit der Buchstabensuppe, die Tieren das Sprechen beibringen soll. Auf Tills Spaß fällt auch der verfressene Ritter Schlemmersack herein. Und ein bisschen Liebesgeschichte darf auch sein. Ob es Till gelingt, Nina, die Tochter des Herzogs, wiederzusehen - oder funktioniert der Racheplan des bösen Pippin? Wer weiß das schon. Doch es wird ja sicherlich weitere Eulenspiegel-Aufführungen der Kanaries geben.

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