"Suchen Sie sich den Richtigen"

Unverblümt stand die Schriftstellerin und Moderatorin Amelie Fried am Mittwochabend im 96. Zeitgespräch Rede und Antwort,. Beim Thema Frauen und Männer gab sie dann auch viel Privates von sich preis.

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Zum Abschluss las die Schriftstellerin Amelie Fried Auszüge aus ihrem Kinderbuch "Hat Opa einen Anzug an?" , das den Tod aus der Sicht eines kleinen Jungen behandelt, vor. Foto: Mareike Manzke

"Oh je", entglitt es mit einem tiefen Seufzer Amelie Fried, unter anderem bekannt als Moderatorin von Stern TV und Autorin des Bestsellers "Verliebt, verlobt, verrückt - Warum alles gegen die Ehe spricht und noch mehr dafür", beim Stichwort Alice Schwarzer im Zeitgespräch des Katholischen Erwachsenenbildungswerks. Schwarzer sei zwar eine Nervensäge, habe aber vieles bewegt. Umso bedauernswerter die Schwarzgeldaffäre, fand Amelie Fried.

Das Geschlechterverhältnis thematisiert die gebürtige Ulmerin, die schon mit zwölf Jahren beschloss, Autorin zu werden, auch immer wieder in ihren Romanen. Da habe sich zwar einiges verändert - Fried erinnerte sich etwa daran, wie ihre Mutter früher immer Taschengeld vom Vater bekam - aber bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie erkannte sie noch deutliche Steigerungsmöglichkeiten. "Meine Utopie wäre, dass Männer sich endlich als gleichberechtigt in der Familie wahrnehmen." Ihr Mann und sie teilten sich die Erziehung. Zwar sei sie sich sicher, dass er insgeheim ab und zu geflucht habe, letztlich entwickelte er aber ein viel engeres Verhältnis zu seinen Kindern als viele andere Väter. Ihr Tipp: "Suchen Sie sich den richtigen Mann aus, sonst bleibt am Ende wieder alles an Ihnen hängen." Gleichzeitig solle man die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aber nicht wegdiskutieren. Spätestens als ihre Tochter, bei der sie sich eigentlich um eine geschlechtsneutrale Erziehung bemüht hatte, lispelnd um eine pinke "Trumpfhose" bat, habe sie entgegen ihrer früheren Überzeugung dann doch an das Barbie-Gen geglaubt, scherzte Fried. Eine Ungleichheit rechtfertige das aber nicht. Durch die Arbeitsteilung in der Ehe - an der sie als Institution lange zweifelte - konnten sich beide Partner beruflich entfalten. In ihrer Tätigkeit als Talkshowmoderatorin lernte Fried reihenweise bekannte Persönlichkeiten kennen. Bei der Frage nach den Highlights und den Horrorszenarien durch die Moderatoren Petra Zellhuber-Vogel und Paul Schlegl schilderte sie zunächst eine anrührige Szene mit dem Schauspieler Peter Ustinov wenige Monate vor dessen Tod. Um einer namhaften Sopranistin, die privat nur im Auto singt, ein Ständchen zu entlocken, produzierte dieser in ihrer Sendung spontane Autogeräusche. "Ein letztes Aufflackern eines großartigen Humors", meinte Amelie Fried.

Bei der Diskussionsrunde beharrte dann eine Zuhörerin aber auch auf einen der Horrormomente. Daraufhin erzählte die Moderatorin eine Anekdote über Antipathie auf den ersten Blick mit dem Regisseur Werner Schroeter. Ein anderer Gast interessierte sich mehr für Frieds Zeit an der skandalträchtigen Odenwaldschule. Den Missbrauch habe sie sich trotz Witzeleien über die homosexuellen Neigungen des Direktors nicht vorstellen können, räumte Fried ein. Anfangs engagierte sie sich in der Aufarbeitung der Geschehnisse, mittlerweile hat sich sich davon distanziert. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Schule das überleben wird", gab sie offen zu.

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