"Sie wollten Geld und Liebe"

Gestern verurteilte das Landgericht Tübingen einen 48-jährigen Mann zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis. 2008 hatte er zwei Prostituierte in Reutlingen überfallen, gefesselt und eine von ihnen vergewaltigt.

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Wegen schwerer Vergewaltigung, schweren Raubes und wegen des unerlaubten Führens einer Schusswaffe verurteilte ihn die zweite Große Strafkammer des Tübinger Landgerichts gestern zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft. Der 48-Jährige hatte die Taten aus dem Jahr 2008 zuvor eingeräumt. Es handelte sich darum, dass der Mann zwei Prostituierte gefesselt und eine dann auch noch vergewaltigt hatte. Außerdem hatte er bei seiner Tat noch 50 Euro erbeutet.

Demnach hatte er in einer Julinacht 2008 die Wohnung der beiden Prostituierten betreten. Sein Gesicht verbarg er dabei hinter einem zusammengebundenen Dreieckstuch, in der Hand hatte er ein Klebeband und eine defekte Schreckschusspistole.

Der Mann hielt diese einer der Damen an die Schläfe und verlangte erfolglos nach Geld. Anschließend band er die Hände der Frauen hinter ihrem Rücken zusammen, entkleidete und betatschte sie und zwang eine von ihnen dazu, ihn zu befriedigen. Schließlich brachte der 48-Jährige die noch immer gefesselte Frau in einen Nebenraum, warf sie aufs Bett und vergewaltigte sie. Ehe er das Haus wieder verließ, durchstöberte er die Wohnung nach Geld und raubte 50 Euro. Die Frauen, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen, ließ er dann mit den Worten "ich komme wieder" gefesselt zurück.

"Sie wollten Geld und Liebe", sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Martin Streicher, in der Urteilsbegründung an den Angeklagten gerichtet: "Sie wollten sich das, was die Damen gegen Geld anbieten, ohne Entgelt holen." Dabei sei der 48-Jährige nicht nur "sehr gewalttätig und massiv" aufgetreten, sondern auch "sehr professionell" und habe dadurch "erhebliche, kriminelle Energien" gezeigt, hielt der Richter in der Begründung fest.

Durch zahlreiche vorbereitende Maßnahmen - der Mann war während der Tat nicht nur maskiert, sondern trug zudem Gummihandschuhe - habe er eine schnelle Aufklärung der Tat verhindern wollen. Was ihm zunächst auch gelungen war. Der Mann konnte nur durch eine Speichelprobe als Täter identifiziert werden, die man ihm im Jahr 2012 in der Schweiz abgenommen hatte. Er wurde damals verdächtigt, mehrere Einbrüche in der Alpenrepublik begangen zu haben. Seine DNA allerdings stimmte mit der überein, die man auf einem Stück Gummihandschuh am Reutlinger Tatort fand. Der Angeklagte begründete die Tat mit Eheproblemen und finanziellen Sorgen. "Ihr Verhalten ist deshalb nicht nachvollziehbar, aber es erscheint in einem milderen Licht", so der Kammervorsitzende Martin Streicher.

Dennoch: Das Vorgehen und die Massivität der Tat erlaube es nicht, von einem "Ausrutscher" auszugehen. Ebenso wenig, wie von der Verteidigung angeführt, von einem minderschweren Fall. Vielmehr entgehe er knapp einer Verurteilung wegen Geiselnahme.

Der Vorsitzende Richter unterstrich die psychischen Folgen, die die Tat bei seinem Opfer hinterlassen habe. Aus einer unternehmungs- und lebenslustigen Frau, sei mittlerweile "ein versteinerter Mensch" geworden: "Die Psyche dieser Zeugin haben Sie massiv beschädigt." Das nun verhängte Urteil umfasst eine Schmerzensgeldzahlung an die 59-jährige Frau über insgesamt 5000 Euro.

Das Landgericht blieb bei seinem Urteil leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten fgefordert. Die Verteidigung plädierte hingegen auf eine Strafe unter vier Jahren.

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