"Schuldig, Euer Ehren!"

Weil er 2013 eine Frau zur Geisel genommen und sie mehrfach sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Freitag ein 35-jähriger Reutlinger vor dem Landgericht verantworten. Dort gestand er die Tat.

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Vor der Strafkammer des Landgerichts sitzt seit Freitag ein 35-jähriger Mann, der durch seinen bisherigen Lebensweg und vor allem durch seine langjährige Alkoholsucht gezeichnet ist. Nur mühsam formt er Worte, legt lange Denkpausen ein, versucht sich zu konzentrieren und winkt dann immer wieder ab und sagt: "Ich kann mich nicht mehr erinnern." Seit Anfang Zwanzig trinkt er. Nach eigenen Angaben zuletzt ein paar Flaschen Bier schon nach dem Aufstehen, danach über den Tag verteilt bis zu drei Flaschen Wodka. Jeden Tag. Auch am 23. Juni 2013 sei dies für den arbeitslosen Schweißer Alltag gewesen. Jener Tag allerdings sollte für ihn, vor allem aber für eine Frau, die ihm damals in Reutlingen wohl zufällig über den Weg lief, eine schreckliche Zäsur bedeuten. Das, was Oberstaatsanwalt Thomas Trück dem Angeklagten zur Last legt, gleicht einem Alptraum für sein Opfer.

Abends, wohl auf dem Heimweg, habe sich der Mann der Frau von hinten genähert und ihr ein Messer an den Rücken gedrückt, ihr den Mund zugehalten und sie zu Boden gerungen. Durch einen Messerstich am Oberschenkel verletzt und weiter bedroht, folgte sie seinen Anweisungen und verband sich selbst die Augen. Ihre Hände fesselte er selbst hinter dem Rücken, bevor er sie in seine Wohnung lotste. Dort habe er ihr befohlen, sich auf eine Matratze zu legen. Er habe sie ausgezogen und vergewaltigte sie anschließend mehrfach und verschiedentlich über einen langen Zeitraum. Während er sie gezwungen habe, verschiedene Positionen einzunehmen, seien ihre Hände noch immer gefesselt gewesen, ihre Augen verbunden. Erst als sie immer stärker gezittert und geweint habe, habe er von ihr abgelassen. Er führte sie aus seiner Wohnung, nahm ihr die Augenbinde ab und ließ sie schließlich in einer anderen Straße wieder frei. Die Anklage: besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit Geiselnahme.

"Schuldig, Euer Ehren!", war das erste, das die Vorsitzende Richterin Anna-Maria Schmid vom Angeklagten am Freitag hörte. Später präzisierte er: "Ich bin schuldig, aber wie es dazu kommen konnte, kann ich mir nicht erklären." Nur bruchstückhaft und verschwommen seien seine Erinnerungen an jene Nacht. Erst am folgenden Morgen, als er ein fremdes Handy mit dem Foto seines Opfers, sein zerrissenes T-Shirt und die Blutlache auf der Matratze entdeckt habe, habe er geahnt, "das was Schlimmes passiert ist". Das Einzige, woran er sich nach mehrmaligem Nachfragen schemenhaft erinnern will, sei, dass er die Frau gefesselt habe, um mit ihr Sex zu haben. Heute sagt er: "Ich wollte, dass mich jemand stoppt." Er meinte seine zahlreichen, aber vergeblichen Versuche, von der Flasche loszukommen. Gleichwohl, ans Tageslicht kam seine Tat erst durch DNA-Spuren, die die Ermittler sicherstellten. Am 15. April wird der Prozess fortgesetzt.

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