„Mir ist Vernetzung wichtig“

Seit 100 Tagen leitet Beate Meinck, die renommierte Reutlinger Stadtbibliothek. Wir sprachen mit der Nachfolgerin von Christa Gmelch.

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Ihre ersten 100 Tage hat sie hinter sich gebracht. Als Nachfolgerin von Christa Gmelch steht  Beate Meinck seit 1. Juli an der Spitze der Reutlinger Stadtbibliothek. Die 41-Jährige befindet sich derzeit, wie sie selbst sagt, noch in der Orientierungsphase, ist dabei, Informationen wie ein Staubsauger aufzusaugen. Sie hat zunächst angefangen, teilweise auch sehr lange Gespräche mit den rund 60 Mitarbeitern der Stadtbibliothek (darunter drei Männern) zu führen. Ihr erster Eindruck ist dabei überaus positiv. Sie sei offen und freundlich empfangen worden, habe sehr nette Erfahrungen gemacht und ein „sehr aufgeschlossenes Haus“ vorgefunden. Das Team empfinde den Wechsel an der Bibliotheksspitze auch als Chance, lautet ihr Fazit nach den ersten drei Monaten.

In den kommenden Wochen – bis Ende November – wird sie die Zweigstellen der Bibliothek in den einzelnen Stadtteilen besuchen und sich ein Bild der Lage vor Ort machen. Danach möchte sie die anderen Kultureinrichtungen der Stadt wie die Museen kennen lernen – und mit ihnen gemeinsam Projekte angehen: „Mir ist Vernetzung wichtig“, betont sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bereits kennen gelernt hat sie die „Freunde der Stadtbibliothek, „rührige Leute, ein gut etablierter Verein“.„Es ist gut, solche Leute als Helfer und Fürsprecher an der Seite zu haben“, betont sie. Mit eigenen Aktionen wie der Sommerlesereihe, der „blauen“ oder auch „hellblauen Stunde“ vermittelten die Freunde ein „gutes Image des Hauses nach außen“. Nicht zu vergessen die Spenden, mit denen der Verein bestimmte Projekte insbesondere aus dem Bereich Leseförderung unterstützt.

Ein fertiges Konzept für die Spendhausstraße 2 hat die neue Chefin nicht mitgebracht. Erst wolle sie sich das Umfeld anschauen, um einen eigenen Weg finden zu können. Derzeit verbringt die 41-Jährige viel Zeit in ihrem Büro. Ab kommendem Jahr will sie dann wieder mehr mit Kunden zu tun haben und plant deshalb, zwei Stunden pro Woche an der Auskunft im Studienkabinett im ersten Stock zu arbeiten.

Eine große Herausforderung  sieht die nach eigener Aussage  „überzeugte Bibliothekarin“ im digitalen Wandel. Sie hat zwar keine Angst, dass das gedruckte Buch verschwinden wird, stellt aber auch fest, dass in allen Bibliotheken die Nutzer- und Ausleihzahlen rückläufig sind. „Die Bibliotheken müssen schauen, dass sie den Anschluss nicht  verlieren, sondern attraktiv bleiben“, unterstreicht Beate Meinck. Bibliotheken seien wichtige Einrichtungen, die in vielen Bereichen unglaublich viel tun könnten, zeigt sich die 41-Jährige überzeugt. Und verweist auf die Stadtbibliothek Köln, die als erste Bibliothek bundesweit vor drei Jahren einen 3-D-Drucker beschafft hatte, mit dem sich unter anderem kleine Modelle des Doms anfertigen ließen. Die Folge: „Die Besucherzahlen sind explodiert.“

Ihren Lebenslauf bezeichnet Beate Meinck als „extrem gradlinig“ und ohne Brüche. Sie sei „gefühlt immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen. Meinck hat in Tuttlingen ihre Kindheit und Jugend verbracht. Schon damals hatte sie ein Faible für Bücher und schmökerte gern in der Bibliothek. Folgerichtig absolvierte sie nach dem Abitur eine zweijährige Ausbildung zur Bibliotheksassistentin, ehe sie zum Studium an die Stuttgarter Hochschule für Bibliothekswesen wechselte. Unmittelbar nach dem Examen erhielt sie 2001 die Chance, die stellvertretende Leitung der Gemeindebücherei Denkendorf zu übernehmen. Später übernahm sie dort die Leitung.

2006 sollte der nächste Schritt folgen: die Leitung der Stadtbibliothek Ditzingen. In der 24 000 Einwohner-Stadt hatte sie auch erstmals mit Zweigstellen zu tun – eine Erfahrung, die ihr mit Sicherheit auch in Reutlingen helfen wird. In Ditzingen konnte sie viel experimentieren – bei einem Medienetat von 110 000 Euro. Zum Vergleich: In Reutlingen sind es rund 330 000 Euro bei rund 115 000 Einwohnern. „Ich bin vertraut mit großen Etats“, sagt sie.

Und was macht Beate Meinck in ihrer Freizeit: „Hobbies finden nur im Urlaub statt“, erzählt sie und lacht. Die Stuttgarterin geht gerne laufen, „wenn der Schweinehund mich lässt“. Und selbstverständlich – wie sollte es in dieser Funktion auch anders sein – liest sie gerne. So hat sie auch immer ein oder zwei Bücher in ihrer Tasche: Derzeit sind es das Sachbuch „Die Kultur der Stadt“ von Walter Siebel und der Roman“ Hool“ von Philipp Winkler – ihr persönlicher Favorit für  den deutschen Buchpreis.

Darüber hinaus zieht es Beate Meinck gerne in fremde Länder und natürlich in Bibliotheken – schließlich gibt es dort fast immer etwas Neues zu entdecken.

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