„Lebenswert“ erhält massive Unterstützung

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Pfarrer Stephan Sigloch, Heike Speidel, Mimi Böckmann, Marion Caspers-Merk, Otto Haug und Albrecht Ebertshäuser (von links) freuen sich über die 100 000 Euro von der Glücksspirale für das Projekt „Lebenswert“ in der Kreuzkirchengemeinde.  Foto: 

Das Projekt „Lebenswert“ macht tolle Sachen. Einen Kreativmarkt etwa im Ringelbach-Wohngebiet vor wenigen Wochen. Oder dass ganz viele Tische auf die Straße gestellt wurden und Menschen zusammenkamen. „Das hat super funktioniert, ich hab das kurz nach dem 17. Juni nochmals probiert, auch da klappte das“, berichtete Mimi Böckmann.

Es gibt aber auch eine Fotogruppe, einen Tanz- und einen Literaturkreis, Walking, Häkel- und Strick-Café, einen Besuchsdienst und vieles mehr. „Es sind mittlerweile fast 40 Initiativen und Gruppen, die sich gegründet haben“, betonte Stephan Sigloch, Pfarrer der Reutlinger Kreuzkirchengemeinde, die als Initiatorin des Projekts glänzt.

Weil diese Idee wie auch die Umsetzung so toll funktioniert „und unter dem Motto ‚Beziehungswohlstand‘ zu einem festen Bestandteil im Wohnquartier geworden ist“, so Sigloch, wurde die Glücksspirale darauf aufmerksam. Am Mittwoch vergangener Woche hat Marion Caspers-Merk als Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg einen symbolischen Scheck überreicht, in unglaublicher Höhe: 100 000 Euro stand darauf zu lesen. Mit dem Geld konnte das Projekt die Wirtschaftspsychologin Mimi Böckmann für drei Jahre als hauptamtliche Kraft zu 50 Prozent anstellen. „Die Hälfte der Zeit ist jetzt schon rum, zwei Drittel des Geldes sind für meine Stelle bereits ausgegeben“, sagte Böckmann am Mittwoch vor der Kreuzkirche.

Der überdimensionale Symbol-Scheck hatte allerdings einen Haken: „Wir vom Projekt müssen zusätzlich 25 000 Euro selbst aufbringen“, erklärte Otto Haug. Das war nämlich Voraussetzung, um die 100 000 Euro zu erhalten. „Nicht, dass die Leute hier im Quartier denken, wir haben doch jetzt genug Geld“, sagte die Wirtschaftspsychologin Böckmann. Stattdessen müssen nun noch Spenden gesammelt werden, was ebenfalls in den Aufgabenbereich von Mimi Böckmann fällt.

Trotz alledem: „Lebenswert ist ein Modellprojekt für lebendige Wohnquartiere der Zukunft“, betonte Caspers-Merk. Aufgrund der Individualisierung und Digitalisierung in der Gesellschaft, aufgrund des Rückzugs ins Private werde es immer schwieriger, soziale Kontakte zu knüpfen, unterstrich die ehemalige Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

„Dabei ist der Mensch nun mal ein soziales Wesen“, betonte sie weiter. „Lebenswert“ sei deshalb vorbildlich, weil „ganz viel ehrenamtliches Engagement“ die Menschen im Wohnquartier auffordert und aufruft, selbst aktiv zu werden, die eigenen Interessen zu verfolgen, Mitstreiter zu gewinnen. Und das funktioniert, wie Otto Haug aus dem Organisations-Team erläuterte. „Dabei ist es völlig egal, ob die Leute ihre eigene Gruppe unter dem Titel ‚Lebenswert‘ laufen lassen oder nicht“, sagte Haug. Und nach anfänglichen Diskussionen, ob etwa eine Fotogruppe in irgendeinem Zusammenhang mit der Kreuzkirchengemeinde gesehen werden könne, sei auch das mittlerweile ohne Bedeutung: „Hauptsache, die Menschen machen was zusammen“, betonte Haug.

Die Bewohner im Ringelbachgebiet tun dies in vielfältiger Weise. Etwa als Jobpaten für Hauptschüler, um den Jugendlichen zu einer Ausbildungsstelle zu verhelfen. Oder als Besuchsdienst, bei dem Angehörige von Demenzkranken entlastet werden. Oder beim Frauenstammtisch. Oder „ein kleiner Chor, den jemand gegründet hat, der sagte: Ich kann nicht singen, würde es aber gerne tun“, schmunzelte Pfarrer Sigloch beim Bericht über seine Lieblingsgruppe.

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