"In der Region ist die Avantgarde anzutreffen"

Gestern tagte die Kommunale Gesundheitskonferenz. Im Mittelpunkt: Die "Gesunde Gemeinde", das Gesundheitszentrum Hohenstein und das neue Modellprojekt für eine sektorübergreifende Versorgung.

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Der Landkreis hat mit der vor fünf Jahren gegründeten Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK) Neuland betreten. Mit Erfolg, denn in der kommenden Woche wird der Landtag aller Voraussicht nach mit der Verabschiedung des Landesgesundheitsgesetzes alle Stadt- und Landkreise zur Einrichtung solcher Gremien verpflichten. "Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung ist inzwischen genauso ein wichtiger Baustein der kommunalen Daseinsvorsorge", betonte Landrat Thomas Reumann gestern beim Pressegespräch im Vorfeld der Zusammenkunft der insgesamt 18 ständigen Mitglieder der KGK, die im Kreis Reutlingen in verschiedenen Arbeitskreisen unterschiedliche Schwerpunkte bearbeiten. Im nächsten Jahr liegt ein Fokus auf der Gesunden Gemeinde. Im Mai diesen Jahres wurden Eningen, Hülben und Hohenstein nach entsprechenden Beschlüssen des Gemeinderates und der Gründung von Arbeitskreisen zertifiziert. In allen drei Gemeinden fand im Herbst die "Gesunde Woche" mit dem Schwerpunkt "Demenzielle Erkrankungen" statt - nächstes Jahr stehen Stress und der Umgang mit psychischen Belastungen im Mittelpunkt. "Alle drei Ortschaften wollen sich rezertifizieren lassen", berichtete Monika Firsching vom Kreisgesundheitsamt. Drei Jahre lang haben sie Zeit, die vorhandenen Strukturen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus haben sich Dettingen, Waldorfhäslach und Wannweil auf den Weg zur Zertifizierung gemacht.

Das Gesundheitszentrum in Hohenstein liefert eine Antwort auf drohende Lücken in der hausärztlichen Versorgung, wie Reumann betonte. "Davon sind nicht nur die ländlichen Gebiete betroffen". Das Gesundheitszentrum wurde vor gut einem Jahr eröffnet und wird seit März diesen Jahres von dem "Verein zur Förderung einer hausärztlichen Versorgung" unterstützt.

Die Bedeutung einer Primärversorgung hob Professor Dr. Stefanie Joos, Ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uniklinik Tübingen, hervor. Die möglichst frühzeitige Erkennung von Krankheiten senkt die Dauer von Krankenhausaufenthalten und wirkt sich damit kostensparend aus. Auf der Seite der Patienten führe der demografische Wandel zu einem Anstieg chronischer Erkrankungen sowie gesellschaftlich bedingter Krankheiten wie Fettsucht oder psychischer Beschwerden. In den Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung sei eine am Patienten ausgerichtete Behandlung wohnortnah möglich.

Um eine optimale Ausgestaltung des Gesundheitszentrums Hohenstein zu erreichen, hat sich die Einrichtung am Wettbewerb der Robert-Bosch-Stiftung für "patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung - PORT" beteiligt. Mit Erfolg: Das Projekt hat es in die Endauswahl von acht Initiativen geschafft, wie Bernadette Klapper, stellvertretende Bereichsleiterin für Gesundheit der Robert-Bosch-Stiftung, gestern mitteilte. Für die Dauer einer neunmonatigen Projektentwicklungsphase erhält das Gesundheitszentrum bis zu 50 000 Euro an Fördermitteln. "Hier in der Region ist die Avantgarde anzutreffen", so Klapper. Der Kreis will mit dem Gesundheitszentrum innovative Versorgungsmodelle auch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf genauso prüfen wie die Etablierung neuer Lehrkonzepte. Zudem geht es um ein Gesamtkonzept zur Versorgung, erläuterte Joos.

Seit Januar ist das Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik Tübingen beteiligt. Der Lehr- und Forschungsbereich ist in den normalen Praxisalltag integriert. Während die herkömmlichen Behandlungskosten von den Kassen getragen werden, trägt der Förderverein die Ausgaben für die Lehrpraxis, vor allem auch für deren Ausstattung. "Wir haben bereits mehr als 160 000 Euro an Spendengeldern gesammelt", freute sich Reumann. So können die jungen Mediziner unter anderem auch durch Fahrtkostenzuschüsse unterstützt werden.

Als dritten Schwerpunkt befasst sich die KGK im nächsten Jahr mit der "Sektorenübergreifenden Versorgung". Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit verschiedener Anbieter im ambulanten und stationären Bereich. Das Sozialministerium fördert die Landkreise Reutlingen, Biberach und Ravensburg als Modellregion zwei Jahre lang mit einem Betrag von rund 300 000 Euro. Erfasst werden sowohl die aktuelle Situation wie auch die prognostizierte Entwicklung. Auf dieser Basis sollen sektorenübergreifend Versorgungskonzepte und ein Modellprojekt "Demenz" entwickelt werden, erklärte Dr. Gottfried Roller, Leiter des Kreisgesundheitsamtes.

Thema "Hochschulbad"

Der Reutlinger Landrat Thomas Reumann nutzte die gestrige Kommunale Gesundheitskonferenz, um Stellung zum Thema "Hochschulbad" zu beziehen. "Der Wunsch von Seiten der Nutzer nach einer dauerhaften Sicherung wird von unserer Seite diskutiert" und an das Finanzministerium weitergegeben. Das Land müsse dann Möglichkeiten prüfen. "Wir wollen kein Schwarzer-Peter-Spiel", so Reumann. Das Anliegen der Rheuma-Liga für den Erhalt werte die Kommunale Gesundheitskonferenz als "wichtiges Thema".

ROT

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