"Ich bekenne mich schuldig"

Der ehemalige Leiter einer Pfadfindergruppe räumte am Donnerstag vor dem Landgericht ein, mehrere seiner Schützlinge mehrfach und über einen Zeitraum von zwei Jahren, sexuell missbraucht zu haben.

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"Ich bekenne mich in allen Anklagepunkten als schuldig." Mit diesem Geständnis vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts ersparte der 24-jährige Angeklagte den betroffenen Jungen im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren eine Aussage. Selbst stand er zu jedem einzelnen der über 30 Anklagepunkte Rede und Antwort. Sie reichen vom Besitz kinder- und jugendpornografischen Materials bis hin zum schweren sexuellen Missbrauch. Ereignet haben sich die Vorfälle zwischen 2012 und 2014. Damals war der Angeklagte Leiter einer freikirchlichen Pfadfindergruppe in Wannweil. Dort, während Übernachtungen bei sich zu Hause oder bei Sommer-Zeltlagern sei es wiederholt zu massiven sexuellen Kontakten zwischen den Jugendlichen und ihm gekommen.

Zunächst, so erinnerte er sich, habe man innerhalb der Gruppe lediglich über Sex gesprochen. Dabei sei im Laufe der Zeit ein enges Vertrauensverhältnis entstanden: "Ich bin nicht als Leiter, sondern als Freund aufgetreten." Allerdings, bei der Neugier der Kinder und Gesprächen blieb es nicht. Das Interesse des bis dahin sexuell unerfahrenen Gruppenleiters wurde geweckt. Zunächst mit zwei Jungen, dann in der Gruppe: die Kontakte zwischen den Buben und ihm wurden intensiver, Selbstbefriedigung war normal, das Gleitmittel zur Standardausrüstung: "Das war wie eine Spirale, die sich immer schneller und immer enger drehte", sagte er und hielt gleichwohl fest: "Niemand wurde gezwungen - keinem wurde aber auch schwerstens abgeraten." Die, die wollten, schauten sich eine Fernsehserie an, die anderen gingen derweil in den Nebenraum. Dort spielte man Strippoker mit "scharfem Einsatz", hantierte mit Sexspielzeug oder übte verschiedene Sexualpraktiken: "Man musste sie nicht groß drängen", hielt der 24-Jähige fest. Anders erinnerte sich ein betroffener Junge bei der Polizei: "Er hat uns so lange bearbeitet, bis man zugestimmt hat."

Anfang 2013 sei dem Gruppenleiter bewusst geworden, dass er die entfachte Gruppendynamik nicht mehr steuern könne. Ins Vertrauen zog er seinen Vorgesetzten, ohne allerdings seine eigene Beteiligung zu gestehen. Anderen Personen wollte er sich in seinem streng christlich geprägten Umfeld nicht anvertrauen. Dort heißt es: "Sexualität gehört in die Ehe. Und nur in die Ehe", Homosexualität werde als nicht göttliche Natur verdammt, die Partnerwahl Gebeten und der göttlichen Fügung überlassen: "Mir hat das Vertrauen gefehlt."

Ans Licht kamen die Geschehnisse erst im Sommer 2014, als ein Vater auf dem Handy seines Sohnes einen einschlägigen Chat entdeckte. Zuvor verbreitete der Gruppenleiter "viele, viele Lügen" über sich, "um cooler rüberzukommen", nicht jedoch um seine Schützlinge in Angst zu versetzen, wie er versicherte. Kontakte zum BND, Drogenmilieu, zu den Hells Angels, ein pralles Nummernkonto in der Schweiz: "Ich wollte Bewunderung und nicht Angst auslösen." Gleichwohl im Raum stand das Pfandfinder-Ehrenwort: "Was im Team passiert, bleibt im Team."

Am Donnerstag richtete sich der 24-Jährige unter Tränen an die anwesenden Eltern der Opfer: "Es tut mir unendlich leid." Sie und die Kinder werden durch den "Weißen Ring" betreut. Die Eltern treten im Prozess als Nebenkläger auf. Er wird am 19. Januar fortgesetzt.

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