„Heimat ist, wenn man dafür kämpft“

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Vor dem Hintergrund der Ablehnung der Windkraftanlagen hinter Schloss Lichtenstein durch das Landratsamt Reutlingen hatte die Interessengemeinschaft Natur-, Arten- und Denkmalschutz „Rettet den Lichtenstein“ jetzt zu einem Treffen in die Schlossschenke beim Schloss Lichtenstein Freunde und Förderer eingeladen.

Ortsvorsteher Wilfried Schneider aus Honau begrüßte die anwesenden Unterstützer aus Politik, Verbänden und Kirche, die sich für den Schutz des Lichtensteins und der Heimat engagiert hatten, sowie die örtlichen Helfer. „Wir sind weit weg von einer Siegerlaune, aber wir fühlen eine grenzenlose Erleichterung“, so Wilfried Schneider.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch den Chor „Gospel Train“, dessen Lieder „Lift up your voice (Erhebt eure Stimme)“ und „Oh happy day“ das Thema des Tages hintergründig umrissen, heißt es im Pressebericht der Veranstalter. Der musikalisch exakte und dabei doch entspannte Auftritt des Chors mit der fulminanten Solistin Martina Weippert erntete verdientermaßen begeisterten Applaus.

Sabine Wälder aus Engstingen schilderte den Verlauf des Verfahrens. Habe man anfangs heftige Angriffe hinnehmen müssen, habe sich die öffentliche Meinung mit der Zeit ins Gegenteil verkehrt. Besonders habe geholfen, dass die maßgeblichen Informationen und Visualisierungen von der Interessengemeinschaft kamen und nicht vom Projektierer oder den Behörden. „Diesen „Ehrlichkeitsvorsprung haben wir über die gesamten zweieinhalb Jahre des Verfahrens halten können. Er hat letztlich zu 18 500 Einwendungen geführt, die zeigen, dass unser Anliegen nichts mit Querulantentum zu tun hat, sondern viele Menschen bewegt“, so Wälder. Wichtige Belange, über die man in der Euphorie der ersten Energiewendejahre hinweg gegangen sei, würden nunmehr wieder ernster genommen.

Mit dem Begriff der „Heimat“ setzte sich Dr. Albrecht Rittmann vom Schwäbischen Heimatbund auseinander. Der Begriff habe keine exakte Entsprechung in anderen Sprachen, er sei Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihrer Veränderung. Sei er früher bei einer homogenen Bevölkerung mit meist gleichförmigen Lebensverhältnissen einfach einzugrenzen gewesen, müsse er sich in einer globalisierten Welt mit ihren Wanderungsbewegungen und individualisierten Lebensformen auseinandersetzen.

Die Interessengemeinschaft Natur-, Arten- und Denkmalschutz tut sich mit der „Heimat“ vergleichsweise leicht. Für sie ist es, bei allen unvermeidlichen Anpassungen, die kulturelle und landschaftliche Identität der Umgebung, für deren Erhalt es sich zu kämpfen lohnt. Oder umgekehrt: „Wenn man dafür kämpft, ist es Heimat“. swp

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