"Glücklicher Standort"

Der Kreis hat das leer stehende IB-Wohnheim in der Rommelsbacher Straße gekauft und will dort auf vier Stockwerken 80 Plätze für Flüchtlinge einrichten - ein "glücklicher Standort", noch fehlen Strukturen.

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Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Am 27. Januar um 19 Uhr werden im IB-Heim in der Rommelsbacher Straße 145 die Anwohner und die örtlichen Institutionen informiert, wie der Kreis bei der Belegung vorgehen wird. Die ersten Flüchtlinge sollen nach dem Umbau in drei Monaten einziehen (wir berichteten kurz). "Die Immobilie ist ein sehr glücklicher Standort", erklärt Ordnungsdezernent Dr. Claudius Müller vom Landratsamt Reutlingen in einem Pressegespräch, "die Unterstützungs-Struktur soll zeitnah geschaffen werden. Es ist das einzige Gebäude, das wir 2015 kaufen werden. Die Investitionen sind im Haushalt eingestellt".

Glücklich deshalb, weil das Wohnheim schon viele Voraussetzungen erfüllt und dem Landkreis eher zufällig in den Schoß gefallen ist: Der Internationale Bund hat sein Boarding mangels Auslastung bereits im Carlo-Schmid-Haus beim Naturtheater zusammengezogen. Das Gebäude steht leer. Die Wohnsituation ist bedeutend besser, als sie in Betzingen je war.

Auch dort drängt die Zeit: Mehrere Wasserschäden, eine zweifelhafte Dach-Statik und die Notsituation in Containern ohne jede Privatsphäre sind kaum noch zumutbar. Laut Gefährdungsgutachten besteht dringender Handlungsbedarf. Dem zügigen Abriss des ehemaligen Möbellagers steht vor allem eines im Weg: Die Unterkünfte sind nicht leer zu bekommen.

Geplant ist auf dem Areal in der Carl-Zeiss-Straße ein Hand-in-Hand-Konzept mit der Stadt: Drei Baukörper mit zwei Stockwerken, mehr Freifläche und zentrale Unterstützungs-Strukturen für das Auffanglager im Betrieb des Kreises und die Folgeunterbringung unter der Regie der Stadt. Der Reutlinger Gemeinderat hat den Bebauungsplan für das Gebiet bereits auf den Weg gebracht. "Ziel ist der erste Bauabschnitt noch in diesem Jahr", sagt Dr. Claudius Müller.

"Unser Unterbringungs-Konzept für Flüchtlinge baut auf eigener Bausubstanz auf, die auf Dauer gehalten wird und befristeten Lösungen", erklärt der Ordnungsdezernent des Kreises. In diesem Konzept steht die Sammelunterkunft in der Carl-Zeiss-Straße als Neubau mit 150 Plätzen und das neu erworbene IB-Wohnheim in der Rommelsbacher Straße mit 80 Plätzen.

Weitere "größere" Einheiten seien in Pfullingen und Eningen denkbar. Müller: "Uns ist wichtig, die Potenziale und Synergien zusammen mit den Gemeinden zu heben." Die eigenen Projekte sollen zusammen mit Investoren verwirklicht werden. Der Kreis will dann anmieten. Was Müller mit seiner langjährigen Erfahrung beeindruckt, ist, "das unglaubliche Engagement, wo die Leute Zeit haben, sich zu organisieren. Viel wird von den Kirchen getragen. Es gibt inzwischen positive Beispiele von Integration. Die Unterstützung der Standort-Gemeinden ist gegeben. Selbst Leute, die vorher skeptisch waren, engagieren sich. Da greifen verschiedene Prozesse ineinander".

Das vereinfacht das ad-hoc-Management zwar, nimmt aber den Druck nicht vom Ventil: Mitte Januar 2015 verfügte der Landkreis über 920 Plätze, davon sind 835 belegt. Mit Rücksicht auf unterschiedliche Ethnien und Familienverbände kann das Kontingent nicht komplett ausgeschöpft werden. Für diesen Monat wird mit insgesamt 115 neuen Flüchtlingen gerechnet. Die kommen noch unter. Dr. Claudius Müller: "Es gibt noch ein paar kleinere Projekte im ländlichen Raum, die man zum Teil schneller ans Netz nehmen kann."

"115 ist die höchste Zugangsquote überhaupt", rechnet Dr. Hendrik Bednarz vor. "Das bestätigt den Trend, dass wir mit mindestens hundert Zugängen im Monat rechnen müssen. Das wird zumindest die nächsten sechs Monate so bleiben." Bednarz ist im Landratsamt für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig. Die Abgänge halten sich im Januar mit 20 in Grenzen. "Die größeren Zahlen", so Bednarz, "kommen im Herbst." Die Flüchtlinge erhalten erst nach durchschnittlich 15 Monaten Bescheid, ob sie bleiben dürfen und dann in die Anschluss-Unterbringung in die Gemeinde gehen oder ob die Abschiebung folgt.

Wie sehen die Kapazitäten im Kreis aus?

Die Zahl der Betten im Kreis Reutlingen verteilt sich derzeit auf 20 Einheiten: in Bad Urach (30), Dettingen (30), Engstingen (18), Gomadingen (80), Lichtenstein (60), Metzingen (107), Münsingen (131), Betzingen (310), Ringelbach (97), Trochtelfingen (22, demnächst +5) und Mägerkingen (35+5). Zugänge gibt es im IB-Wohnheim (80) und wenige in Würtingen. Trotz dieser mageren Zahlen wirkten sowohl Dr. Hendrik Bednarz als Verantwortlicher für die Flüchtlingsunterbringung im Kreis Reutlingen, als auch Dr. Claudius Müller, Ordnungsdezernent im Landkreis Reutlingen, relativ entspannt.

ANE

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