"Es muss was getan werden"

Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in der Carl-Zeiss-Straße? Der Bezirksgemeinderat ist dagegen und empört über Äußerungen der OB.

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"Beim Flüchtlingsgipfel in Stuttgart am Montag dieser Woche wurden viele richtige Dinge gesagt", betonte Bezirksbürgermeister Thomas Keck am Mittwochabend im Betzinger Bezirksgemeinderat. "Die Zuwachszahlen der Asylbewerber sind so hoch, dass alle Kapazitäten auch in Stadt und Landkreis Reutlingen erschöpft sind."

Dass nun im Betzinger Industriegebiet in der Carl-Zeiss-Straße neben der Erstunterbringung von Flüchtlingen durch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene künftig auch die so genannte "Anschlussunterbringung" möglich sein soll - das nervt die Betzinger Bezirksgemeinderäte aber ganz gewaltig.

Wenn in der Zukunft kein Bebauungsplan mehr notwendig sein soll, um Flüchtlingsunterkünfte in Gewerbegebieten zu bauen, dann werde laut Keck ja quasi über die Köpfe von gewählten Gremien hinweg entschieden - wie etwa den Betzinger Bezirksgemeinderat.

"Die Carl-Zeiss-Straße war, ist und bleibt kein geeigneter Standort für die Anschlussunterbringung", bekräftigte der Bezirksbürgermeister. Warum? Hagen Kluck (FDP) verwies auf die "Ghettoisierung zwischen zwei Bordellen" und auf die fehlende Integrationsmöglichkeit der Menschen.

"Es ist schlichtweg gefährlich, wenn Kinder dort leben und keine Möglichkeit haben, Kontakte zu kriegen", warf Dagmar Krause (FWV) ein. Das bestätigte auch Lothar Richter (SPD): "Schon in der jetzigen Unterkunft schicken Eltern ihre Kinder oft nicht in die Kindergärten, weil die Kleinen aufgrund des Lärms so manche Nacht nicht geschlafen haben."

Thomas Keck meinte: "Familien wären in kleineren Gemeinden deutlich behüteter untergebracht." Damit stimmte er Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch zu, die nach dem Stuttgarter "Flüchtlingsgipfel", an dem sie als Städtetagspräsidentin teilnahm, genau die gleiche Aussage getätigt hatte.

Allerdings stieß eines den Räten ziemlich sauer auf: "Uns wird unterschwellig unterstellt, dass wir die Menschen hier nicht haben wollen", sagte Kluck. "Das stimmt einfach nicht - aber Integration ist dort schlichtweg nicht möglich." Bei der Frage, wo denn Unterkünfte erstellt werden könnten, die nach Abflauen der hohen Flüchtlingszahlen auch anderweitig nutzbar wären, verwies er auf den alten Bauhof in der Christophstraße. "Es muss dringend was getan werden", so seine Forderung.

"Wenn die Stadt 900 Leute unterbringen muss, dann braucht man dazu 600 Wohnungen", so Klucks Rechnung. "Es muss doch möglich sein für eine Stadt wie Reutlingen, diese Zahl an Unterkünften zu schaffen." Private Bauträger seien durchaus bereit, fehlenden Wohnraum zu schaffen - "weil sie da ja ihre sichere Miete kriegen würden".

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