"Ehrenamt macht glücklich"

Das besondere Restaurant "Unter den Leuten" (UdL) braucht dringend Verstärkung. Die bisherigen Helfer werden immer älter, Nachwuchs ist aber kaum in Sicht. Eine schwierige Situation, sagen Verantwortliche.

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Eigentlich ist der Standort des Reutlinge Lobbyrestaurants in der Rommelsbacher Straße 1 gegenüber der Katharinenkirche exzellent, betont Achim Scherzinger. Als Vorstandsmitglied des Bürgervereins und somit des UdL-Trägers ist er maßgeblich verantwortlich für die Markt- und Standortanalyse, die sich das Restaurant für den kleinen Geldbeutel selbst verpasst hat. Für dieses Durchleuchten der Situation gibt es vor allem einen Grund: Die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter - die jeden Werktag den Mittagstisch betreuen - in den zurückliegenden 14 Jahren um mehr als die Hälfte verringert.

"Wir hatten jahrelang einen Stamm von 35 Mitarbeitern im Restaurant, jetzt sind es noch 15", klagt Scherzinger. Mittlerweile werde es schwieriger, den täglichen Betrieb aufrechtzuerhalten. "Wir brauchen dringend neue Leute", sagt auch Elvira Laraia als Vorsitzende des Bürgervereins. Dabei sind die bisherigen Freiwilligen nicht weggeblieben, weil sie keine Lust mehr hatten - das Alter machte sich bei fast allen bemerkbar. "Einige sind sogar schon gestorben." Schwieriger werde es mit der "Nachwuchssuche" nach Ansicht von Elvira Laraia auch, weil "bei immer mehr Menschen die Rente nicht ausreicht und sie sich nebenher etwas dazu verdienen müssen".

Das verschlechtere aber nicht nur die Aussichten, neue Ehrenamtliche für den UdL-Einsatz zu finden: "Auch aus diesem Grund ist es umso wichtiger, Menschen mit wenig Geld eine günstige Möglichkeit zu bieten, wo sie günstig ein Mittagessen erhalten können." Oder sich mit anderen Menschen in gemütlicher Atmosphäre zu treffen. Und damit am Leben teilzunehmen.

Allerdings sollten auch die Zahlen der so genannten "Solidaresser" zunehmen, hat die Marktanalyse laut Scherzinger ergeben. Will heißen: "Es wird immer schwieriger, die Balance zwischen den rund 40 Prozent der bedürftigen Gäste und den 60 Prozent solidarischer Esser hinzukriegen", sagt Scherzinger. Oder anders ausgedrückt: Die Finanzierung des Restaurant-Betriebs ist im Moment zwar gesichert, aber das sei beileibe kein Eigenläufer. Sollte das Geld am Monatsende einmal nicht ausreichen, um den vor kurzem neu engagierten Caterer zu bezahlen, dann müssen eben Privat- und Firmenspenden das Defizit ausgleichen. "Bisher hat das immer funktioniert", so Achim Scherzinger.

Dabei kann UdL mit einigen Pfunden wuchern - der Standort von "Unter den Leuten" ist einer darunter. Weil zwei Buslinien aus verschiedenen Richtungen quasi direkt vor dem Haus in der Rommelsbacher Straße halten. Die Innenstadt ist nicht weit entfernt, es gibt einige Betriebe und Unternehmen in der Umgebung. "Bei diesen Firmen werden wir jetzt verstärkt Werbung betreiben, ihnen unsere Speisepläne zukommen lassen." Lohnenswert sei das allemal, sagt Laraia: Denn auch für Solidaresser kostet ein Mittagessen gerade mal fünf Euro, während die bedürftigen Gäste gerade mal 2.30 Euro bezahlen.

UdL bietet aber weitere Vorteile - etwa mit den gemütlichen Räumlichkeiten. 50 Gäste könnten da auf einmal essen - und das in den Öffnungszeiten zwischen 11.30 und 13 Uhr, theoretisch sogar im Zwei- bis Dreischicht-Betrieb. Möglich sei zudem nach den Worten von Achim Scherzinger, die Räume zu mieten. Für Geburtstagsfeiern, für die Treffen von kleineren Vereinen oder Gruppen sowie nach Beerdigungen. "Auch bei den Vermietungen geht es uns vor allem um Menschen mit dem kleinen Geldbeutel", betont Elvira Laraia. "Ich habe schon oft gehört, dass Menschen bei irgendwelchen Treffen nicht mit in Gaststätten gehen, weil sie da immer für einen bestimmten Betrag was verzehren müssen." UdL biete da eine klare, günstige Alternative.

Einige Initiativen, um die Popularität von UdL weiter zu steigern, haben sich die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren schon einfallen lassen. Wie das Mittwochs-Café etwa, das nun zwischen 14 und 16.30 Uhr jeden Mittwoch geöffnet hat. Kaffee und ein Stück selbstgebackenen Kuchen gibt's da für 2.30 Euro. Ebenfalls positiv ist zu vermerken: die Atmosphäre im Restaurant, die auch durch die immer wieder wechselnden Bilderausstellungen geprägt wird. Der UdL-Kulturausschuss namens "Fläsch" kümmert sich darum, organisiert zudem Liederabende, Lesungen und eben Vernissagen. "Wir suchen übrigens auch für diesen Ausschuss ehrenamtliche Mitarbeiter", betont Vorsitzende Elvira Laraia.

Das Fazit der Bemühungen für das Lobbyrestaurant? UdL steht gut da. Noch. Doch die Zahl der ehrenamtlichen Helfer muss dennoch zwangsläufig wieder ansteigen, um den Fortbestand dieser besonderen Gaststätte gewährleisten zu können. Dabei kann Elvira Laraia eines versprechen: "Ehrenamt macht glücklich und zufrieden." Denn der Einsatz gerade für die Schwächeren in der Gesellschaft verleihe ein gutes Gefühl - und sei es laut Laraia "nur" das, gebraucht zu werden.

Ehrenamtliche interessiert?

Wer sich für die Mitarbeit im Lobbyrestaurant oder auch im Kulturausschuss interessiert, sich vorstellen könnte, dort mitzuarbeiten, einfach anrufen (Telefon: 07121-38 09 55) im Internet nachsehen unter www.lobbyrestaurant-reutlingen.de oder eine Mail schreiben an info@lobby-restaurant.de. Wer den Bürgertreff als Träger von UdL unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun, aufs Konto 32 999 bei der Kreissparkasse Reutlingen (BLZ 640 500 00).

 

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