"Die Seele aus dem Feuer springt"

Vom 31. Oktober bis 3. November konnten Kinder und Erwachsene an den szenischen Führungen in und um die Marienkirche teilnehmen und für einen Moment Reutlingen zu Zeiten der Reformation erleben.

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Führung in der Marienkirche: Christoph Hoffmann-Kuhnt spielte den Reformator Matthäus Alber. Foto: Julia Kuhlmeier

Jeweils um 15 Uhr gingen die Führungen des Evangelischen Stadtjugendwerkes Reutlingen los. Zuerst begaben sich die Besucher in eine mittelalterliche Lateinschule in der der frühere Reutlinger Prälat Claus Maier den Magister mimte und die Lateinkenntnisse der Besucher überprüfte, indem er sie das "Vater Unser" auswendig auf Latein aufsagen ließ. Außerdem gewährte er noch Einblicke in Mathematik- und Theologieunterricht zur damaligen Zeit. Mit seiner "Virga" , einer Rute aus vielen dünnen Zweigen, dürfte er auf den Einen oder Anderen doch recht respekteinflößend gewirkt haben.

Im Anschluss zog ein Marktschreier, gespielt von Sören Dittmar, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Er bot den Besuchern Ware in Form von Lebkuchen und Äpfeln feil. Doch er kam gar nicht dazu etwas zu verkaufen, weil ihm der Ablasshändler, dargestellt durch Lukas Bröckel, in die Quere kam und den Menschen für "zehn Silberlinge ihr Seelenheil" anpreisen wollte. Der wohl bekannte Satz "Der Taler in der Kasse klingt, die Seele aus dem Feuer springt" durfte dabei natürlich auch nicht fehlen. Der Marktschreier allerdings warnte die Menschen vor dem Schwindel und führte sie zum Eingang der Marienkirche an der Luthers 95 Thesen prangten und aus denen er einen Auszug vorlas.

Danach führte der Reutlinger Reformator Matthäus Alber persönlich, gespielt von Christoph Hoffmann-Kuhnt, das Publikum durch die Marienkirche und berichtete, dass "zu seiner Zeit" die Menschen noch "auf dem Lehmboden der Kirche saßen, da gab es keine Bänke und auch noch keinen so schönen Boden wie heute".

Der Reformator zeigte den Besuchern die Abbilder von Martin Luther, Philipp Melanchton und eines von sich, Matthäus Alber selbst und berichtete über das Vorhaben Luthers: "Er wollte, dass jeder Bürger die Bibel lesen und verstehen konnte." Alber wurde seinerseits häufig als der "Luther Schwabens" betitelt und predigte seine Lehre ab 1519 in Reutlingen. Der damalige Bürgermeister Jos Weiß, gespielt von Joscha Richter, unterzeichnete 1530 das "Augsburger Bekenntnis", mit dem sich "Reutlingen als erste Reichsstadt zu den Lehren Luthers bekannte". Im Anschluss an die Führung hatten die Kinder noch Gelegenheit dazu einmal auszuprobieren, wie das Drucken denn funktioniert hatte, als es noch keine Computer gab.

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