"Die Schere wird immer größer"

Die Mieten in Städten steigen unaufhörlich und verdrängen immer mehr Menschen. Die Wohlfahrt schlägt deshalb Alarm und sieht in Ludwigsburg einen Vorreiter in Sachen sozialer Wohnungspolitik.

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Der Ludwigsburger Gemeinderat Dr. Eckart Bohn erläuterte beim Fachgespräch der freien Wohlfahrtspflege die Situation und Pläne Ludwigsburgs wie soziale Wohnungspolitik gelingen könnte.  Foto: 

In der Stadt zu wohnen ist hip. Niemand will als Landei gelten. Doch Hip-sein ist nicht nur teuer, der Boom in die Stadt zu ziehen, hat vor allem dazu geführt, dass die dortigen Mieten immer weiter steigen. Weil sich aber immer mehr Menschen die horrenden Summen nicht mehr leisten können, werden sie aus ihrem bisherigen Lebensumfeld vertrieben, warnt nun erneut die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Kreis und hatte am Dienstagnachmittag zum Fachgespräch ins Kolpinghaus in der Liststraße eingeladen.

Mit von der Partie in der Runde aus Vertretern der Wohlfahrtsverbände, der Stadtverwaltung sowie Kommunalpolitikern war der Ludwigsburger Gemeinderat Dr. Eckart Bohn. Denn angesichts der großen Sorge, dass bezahlbarer Wohnraum oft nicht mehr zu bekommen ist, beschreitet Ludwigsburg einen eigenen Weg, um möglichst viele Menschen, auch mit durchschnittlichem oder geringem Einkommen, am Stadtleben teilhaben zu lassen.

"Niemand will seine Zeit mehr im Auto verbringen", erklärte Bohn den Boom der wachsenden Städte. Zudem sei die Infrastruktur meist besser als im ländlichen Raum. Doch mit dem Zuzug steige der Wohnungsbedarf, was noch in den kommenden zehn Jahren so bleiben dürfte. Der Kreis Ludwigsburg hat laut Bohn bis zum Jahr 2020 einen Bedarf von 16 000 neuen Wohneinheiten. Das sei das nur schwer zu erfüllen. Und weil es eng auf dem Wohnungsmarkt sei, "kriegt nur der eine Wohnung, der genug Geld hat". Durchschnittsverdiener hätten kaum eine Chance. In Ludwigsburg habe sich der Gemeinderat deshalb zu einem fraktionsübergreifenden Entschluss durchgerungen: Bezahlbarer Wohnraum muss realisiert werden. Wobei nicht nur neue Wohnungen geschaffen werden sollen und sich die Stadt Vorkaufsrechte für Grundstücke ab einer bestimmten Größe gesichert hat, laut Bohn sollen Mieten teilweise auch subventioniert werden.

Während das Ende 2013 beschlossene Ludwigsburger Vorhaben nach wie vor in den Kinderschuhen steckt, lassen sich bisher aber keine Rückschlüsse ziehen, wie Investoren auf diese Art der Stadtentwicklungsplanung reagieren, so Bohn weiter. Zumal die Umsetzung durch die Stadtverwaltung erst Zug um Zug geschehen müsse.

"Wir wären Gott froh, wenn wir im Gemeinderat einen fraktionsübergreifenden Konsens hätten", sagte Thomas Keck (SPD) mit Blick auf die Situation in Reutlingen und ergänzte: "Ich bin da desillusioniert." Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum sei da, erklärte Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Gisela Steinhilber. In Reutlingen fehle jedoch eine Gesamtstrategie. Ein großer Fortschritt wäre bereits, wenn alle an einem Strang ziehen würden.

Wie dringend das Problem ist, führte Sozialamtsleiter Joachim Haas aus. Aufgrund des Mangels seien nämlich Wechsel von Mietern in andere Wohnungen oft nicht möglich. Und hinsichtlich der Situation, dass sich die einen eine Wohnung leisten könnten und die anderen nicht, meinte er: "Die Schere wird immer größer."

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