"Das Blut spritzte nur so raus"

Das Gericht versuchte gestern, Licht ins Dunkel der Auseinandersetzung beim "Mezcalitos" zu bringen. Im Januar hatte ein 39-Jähriger sein Opfer schwer verletzt. Er ist wegen versuchten Totschlags angeklagt.

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Die Schwurgerichtskammer um den Vorsitzenden Richter Ralf Peters lud dazu gestern zahlreiche Zeugen, die aus ihrer Warte Auskunft darüber gaben, was sich in jener Nacht auf den 4. Januar in und vor der Reutlinger Bar in der Oberen Wässere ereignete.

Das es sich um eine Eifersuchtstat gehandelt haben könnte, das legte die Aussage einer 31-jährigen Frau nahe, die damals die schwangere Verlobte des Angeklagten in die Bar begleitete. Dort soll das spätere Opfer ihre Freundin "blöd angemacht" und auch nicht locker gelassen haben, als sie ihn abblitzen ließ.

Als der Angeklagte später davon erfuhr, soll es "Stress" zwischen dem Paar gegeben haben. Er sei "ausgerastet" und hätte mit seiner Verlobten und einem Begleiter das Lokal verlassen.

Die Verlobte des Angeklagten allerdings sprach während ihrer richterlichen Vernehmung genauso wie das Opfer vor Gericht lediglich von einem harmlosen "Small-talk". Was sich danach entwickelte, das berichtete eine 41-jährige Frau, die als Gast im Lokal eine Szene beobachtete, die sie später zum Eingreifen brachte. Für ihr selbstloses Engagement erntete sie am Dienstag anerkennende Worte von allen Seiten.

Zunächst, so schilderte sie, habe sie zwei ineinander verkeilte Männer vor dem Lokal registriert. Später sei ein Raunen durch die Bar gegangen: "Der hat ja ein Messer." Beim Blick nach draußen sah sie einen Mann mit einem Messer in der Hand, in "Schockhaltung". Kurz darauf sei er panisch weggerannt. Die Krankenschwester eilte dem verletzten Mann zu Hilfe: "Der Mann war kreidebleich. Das Blut spritzte nur so raus", erinnerte sie sich. Damals sagte er ihr: "Ich wollte nur helfen."

Sie band seinen Arm ab und unterhielt sich später auch mit der Verlobten des Angeklagten. Diese vertraute ihr an: "Das war mein Freund. Der ist bei den Hells Angels." Sie habe ihn von weiteren Messerstichen abgehalten und sich zwischen die beiden Männer mit den Worten gestellt: "Wenn Du weiter zustechen willst, dann musst Du durch mich durchstechen." Der Eindruck der Zeugin: "Sie hat Schlimmeres verhindert."

Auch der Türsteher der Bar beobachtete den Kampf. Er hatte gesehen, wie sich zwei Männer in Rocker-Kutte vor der Bar zusammen mit einer Frau unterhielten. Kurze Zeit später sei ein weiterer Mann gezielt auf sie zugegangen. Ein Streitgespräch und ein wildes Handgemenge habe sich dann entwickelt.

Jene Beobachtungen werden durch die Aufnahmen zweier Überwachungskameras bestätigt. Darauf zu sehen ist eine Dreiergruppe vor dem Lokal und das spätere Opfer beim Verlassen der Bar. Nachdem er an die Gruppe herangetreten war, entwickelte sich in Sekundenbruchteilen ein Handgemenge. Daran beteiligt war auch der Begleiter des Angeklagten.

Am Montag noch verweigerte der wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens die Aussage vor Gericht. Nach einer Nacht in Beugehaft überlegte er es sich nun gestern anders. "Was da draußen passiert ist, war ungeplant", sagte er dem Gericht. "Auslöser war, dass er zu uns hingelaufen ist." Mit einer Armbewegung habe er dem späteren Opfer noch bedeuten wollen, er solle besser wegbleiben. Der Angeklagte sei daraufhin sofort auf den 39-Jährigen losgegangen: "Irgendwann war dann das Messer im Spiel." Zusammen mit der schwangeren Frau habe er versucht, die Kontrahenten zu trennen.

Der angeklagte 39-Jährige gab vor Gericht an, sich damals von dem Opfer bedroht gefühlt zu haben. Auch will er den Gleichaltrigen nicht mehr attackiert haben, nachdem sich herausgestellt habe, dass er unbewaffnet war. Der Angeklagte hat sich, nach eigenen Angaben, inzwischen von den Reutlinger Hells Angels losgesagt.

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