"Da gilt es wach und sensibilisiert zu sein!"

"Akademie" nannte man im antiken Griechenland eine Philosophenschule. Wenn es heute um das große Thema energetische Sanierung geht, kann eine Akademie für den Durchblick ebenfalls sehr nützlich sein.

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Die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund Reutlingen und Region startete am 30. September zum fünften Mal die Haus & Grund Akademie, diesmal unter dem Leitsatz "Clevere Energie für meine Immobilie".

Mitglieder wie Nicht-Mitglieder waren an diesem Abend in die Seminarräume der Volksbank Reutlingen eingeladen, als die Veranstaltungsreihe eröffnet wurde. Zum Ende der insgesamt sieben Module im Juni 2015 sollen die Besucher den Ökospar-Führerschein in der Tasche haben. Bis dahin ist es aber noch eine längere Fahrt, quer durch einen Wald an neuen Gesetzen, Vorschriften und natürlich auch Ratschlägen und Fachwissen.

Den Anfang machte Ottmar H. Wernicke. Der gebürtige Schwarzwälder ist Geschäftsführer des Landesverbands Haus & Grund Württemberg. Als solcher überraschte er den Abend hindurch immer wieder mit tiefen Einblicken auch in den politischen Prozess hinter den neuen Energiesparmaßnahmen. Denn Haus & Grund ist - was selbst viele Mitglieder nicht wissen - auch auf der politischen Ebene aktiv und prägt dort nicht selten die Entscheidungsfindung in den vereinsnahen Themen mit. Wernicke gab einen Überblick über die oft undurchsichtigen Entwicklungen im Gesetzesdschungel und ritt nach eigenen Worten mit den Besuchern der Reihe nach durch EnEV und WärmeG, also die neue Energieeinsparverordnung von 2014 und die Wärme-Gesetze von Bund (2009) und Baden-Württemberg (2008) sowie bevorstehende Novellierungen. Das große Energie-"E" haben zwar all diese Gesetzestexte gemeinsam, im Detail regeln sie aber unterschiedliche Bereiche - oder auch mal die gleichen Bereiche auf unterschiedliche Weise.

Die neue EnEV, so viel steht zumindest fest, hat verschärfte Nachrüstpflichten mit sich gebracht. So müssen etwa - um nur ein prominentes Beispiel zu nennen - Öl- und Gasheizkessel, die älter als 30 Jahre sind, ab Januar 2015 ersetzt werden.

Bei dieser Erneuerung gilt es dann wiederum Ausnahmeregelungen sowie die Bestimmungen des EWärmeG Baden-Württemberg zu beachten: ab Juli nächsten Jahres müssen beim Austausch der Geräte nämlich 15 Prozent der Energie durch regenerative Nutzungsquellen erzeugt werden; bisher waren hier nur zehn Prozent maßgebend.

Und wo sonst vielleicht keiner so genau hinschaut, müssen Hauseigentümer in diesem Fall wirklich Acht geben: Denn spätestens der Schornsteinfeger ist verpflichtet, zu alte Kessel zu melden, wenn sie bei seinem Besuch ins Auge fallen. "Das sind die Punkte, wo es gilt, wach zu sein", warnte Wernicke, vor so möglichen wie vermeidbaren juristischen Folgen. "Ich will nicht verschweigen, dass bei Verstößen gegen die EnEV Strafzahlungen bis 50 000 Euro drohen."

Zweischneidig, so sieht der Energiesparkurs eben aus. Einerseits beklagten denn auch die Haus & Grund-Verantwortlichen, "dass die Bereitschaft zur energetischen Sanierung in der breiten Bevölkerung nicht so groß ist". Andererseits zog Wernicke aus seinen Kenntnissen der politischen Hintergründe auch das Resümee, dass hier viel "praxis- und eigentümerferne Ideologie im Spiel" sei, statt dass die Gesetze auf nachvollziehbarem Weg durch Prüfung an der Realität formuliert und reformuliert würden. "Wichtig ist, dass Sie sensibilisiert sind", schloss Wernicke seinen Vortrag und riet dem Publikum, nicht einfach selbst "drauflos" zu sanieren.

Bei Fragen solle man auch nicht allein das ausführende Handwerk konsultieren, sondern Beratungsangebote wie zum Beispiel von Haus & Grund Reutlingen und Region nutzen, um sich einen Überblick über die jeweils aktuellen Bestimmungen und technischen Möglichkeiten zu verschaffen.

Rund 40 Besucher waren an diesem Abend erschienen. "Die Leute kommen bei all den neuen Verordnungen durcheinander", wusste Anja Schneck als Leiterin der Geschäftsstelle von Haus & Grund Reutlingen und Region aus dem Beratungsalltag zu berichten. "Es ist schon jetzt schwierig genug, die einzelnen Regelungen zum Beispiel für die Trinkwasserbeprobung, Rauchwarnmelderverordnung oder die neuen Anforderungen an den Energieausweis zu kommunizieren. Ich habe pro Woche mindestens drei Anrufer, die das falsch verstehen oder durcheinander bringen. Übel nehmen kann man das keinem."

Wo die Gefahr darin liege? "Der Klassiker sind Missverständnisse zwischen Mietern und Vermietern. Wenn es dann so weit kommt, dass sich die Bewohner in einem Haus nicht mehr Guten Tag sagen, wünschen wir uns immer, dass man uns im Vorfeld mehr kontaktiert und unsere Hilfe bei Unklarheiten in Anspruch nimmt."

Ist der Informationsbedarf tatsächlich so groß, ist bei den nächsten Terminen der Akademie mit zunehmendem Andrang zu rechnen. Dann geht es nämlich von der Sensibilisierung aus in die Detailfragen.

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