„Da geht jetzt richtig was“

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Dem Betzinger Bezirksgemeinderat wurde vergangene Woche ein Hochwasserschutz-Konzept vorgelegt, das nach Überzeugung der Ratsmitglieder nun Hand und Fuß habe – und auch den „Flaschenhals“ bei der VHS beseitigen soll. Foto: Norbert Leister  Foto: 

Damit hatte im Ortschaftsrat wohl niemand gerechnet: Arno Valin, Leiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung, präsentierte sich vergangene Woche als Weihnachtsmann und hatte verfrühte Weihnachtsgeschenke mit im Gepäck – nämlich ein handfestes und schlüssiges Konzept zum Hochwasserschutz in Reutlingens größtem Teilort. Dementsprechend groß war auch die Überraschung – wie auch die Freude: „Wir haben das alle im Bezirksgemeinderat einhellig begrüßt“, sagte Ortsvorsteher Thomas Keck.

Sowohl das Vorgehen wie auch die zeitlichen Abläufe und sogar die Finanzierung des Hochwasserschutzes in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro hat die Ratsmitglieder überzeugt – auch wenn Frank Schmid (Grüne) anmerkte, dass solch ein Konzept doch früher hätte kommen können. Nun seien einige der angestrebten Maßnahmen, die Valin vorstellte, aber abhängig von dem Hauptknackpunkt – dem teilweisen Abriss des Betzinger Volkshochschulgebäudes sowie einem kompletten oder Teilabriss des Gebäudes Wannweiler Straße 11. Durch beide Maßnahmen würde der viel beschriebene und gefürchtete „Flaschenhals“ an der Echaz in Betzingen beseitigt. Mehrere Varianten porträtierte Arno Valin diese Woche im Bezirksgemeinderat für den Teilabbruch der VHS – die sinnvollste gelte es noch zu finden. Ohne diese größte Maßnahme in Höhe von deutlich mehr als einer halben Million Euro könnten andere Punkte aber nicht umgesetzt werden, sagte der SER-Leiter.

So etwa der naturnahe Ausbau der Echaz im Bereich zwischen der Werner‘schen Mühle und der alten Hoffmannschule sowie die Beseitigung des „Sohlabsturzes“ des Gewässers an der Mühle. Ebenso verhalte es sich mit dem Neubau der Brücke an der Hoffmannstraße: Die Entfernung des Mittelpfeilers der Brücke könne und solle nur erfolgen, wenn zuvor weiter Echaz-abwärts die Engstellen beseitigt würden – weil sonst die Überschwemmung nur verlagert würde.

Weiterhin ist laut Valin im Bereich zwischen den Brücken Hoffmannstraße und Hans-Roth-Weg eine stationäre oder mobile Hochwasserschutzmauer geplant – um die Steinachstraße vor künftigen Überschwemmungen zu bewahren. Auch hier gelte aber: Vor Beheben der Engstelle an der VHS mache das keinen Sinn, unterstrich Valin. Als letztes Vorhaben stehe die „naturnahe Umgestaltung der Echaz im Bereich der ehemaligen Gärtnerei Baisch“ an, wie der Betriebsleiter der SER betonte. Rechts der Echaz zwischen den Brücken Dieselstraße und Hans-Roth-Weg gehöre das Gelände bis auf ein Flurstück bereits der Stadt. „Hier könnte eine naturnahe Ufergestaltung in Form einer Uferabflachung oder auch eine Verlegung der Echaz eine hydraulische und ökologische Aufwertung der Echaz bewirken“, war in der Bezirksgemeinderatsvorlage zu lesen.

Valin sagte im Gespräch mit unserer Zeitung zu dieser Maßnahme: „Der zusätzliche Grunderwerb ist notwendig, wir lassen uns aber nicht erpressen von den Eigentümern.“ Wenn ein angemessener Betrag für Grundstücke nicht angenommen werde, „dann gehen wir auch in die Enteignung rein“, betonte Arno Valin. „Das sind wir den vom Hochwasser betroffenen Bürger einfach schuldig.“

Insgesamt sollen all die Maßnahmen nacheinander abgearbeitet werden, im kommenden Jahr stünden die Planungs- und Genehmigungsverfahren an. 2018 soll dann die Umsetzung der naturnahen Umgestaltung der Echazinsel wie auch des Geländes der einstigen Gärtnerei erfolgen. Der „Schlüsselbaustein“ (VHS und gegenüberliegendes Gebäude zum Teil abzureißen) soll dann 2019 erfolgen.

Die „Sohlgleite“ an der Werner’schen Mühle wird laut Plan im Jahr 2020 gebaut, die neue Brücke Hoffmannstraße 2019 begonnen und ein Jahr später abgeschlossen. „Damit ist klar, dass bis 2020 alle Maßnahmen abgeschlossen sein sollen“, so Valin. Nur durch die Kombination all dieser Punkte könne gewährleistet werden, dass die Gemeinde Wannweil nicht als Leidtragende dastehen würde, sagte der SER-Leiter.

„Das ist richtig toll, dass wir jetzt endlich den Hochwasserschutz in Betzingen angehen können“, betonte Thomas Keck. Das Konzept sei „durchdacht, die Gelder eingestellt für die nächsten Jahre – da geht jetzt richtig was“, freute sich der Betzinger Bezirksbürgermeister.

Einhellige Freude verbreitete Arno Valin vergangene Woche im Betzinger Bezirksgemeinderat mit seinem Konzept zum Hochwasserschutz. Dass es aber überhaupt so weit kommen konnte, dafür habe laut Valin erst eine Umstrukturierung der Zuständigkeiten gesorgt: Künftig wird nämlich nicht mehr die Stadtverwaltung die Hochwasserschutzmaßnahmen bearbeiten, sondern der Eigenbetrieb Stadtentwässerung (SER). Dafür werde aus dem städtischen Haushalt jedes Jahr eine Million Euro an die SER überwiesen, mit denen der Eigenbetrieb dann Maßnahmen umsetzt. „Damit ist der Hochwasserschutz nicht gebührenrechnend.“

Und die Aufgaben der Wasserbehandlung seien künftig in einer Hand, die Kosten und Zuständigkeiten müssten nicht wie bisher aufgeteilt werden zwischen Stadt und Eigenbetrieb. Allerdings sei die Million Euro für den Hochwasserschutz jährlich nicht nur für Betzingen bestimmt, sondern für das gesamte Stadtgebiet.

Für Gönningen zum Beispiel gelte es laut Valin im Bereich der Roßberg-Sporthalle ebenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Aber: „Bisher hatten wir 80 000 Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen, jetzt sind es eine Million“, freute sich Valin über den größeren Spielraum. nol

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