"Brokatwolken mit kräftigem Knall"

Mit großen Erwartungen des Einzelhandels hat gestern der Verkauf von Feuerwerk begonnen. Böller und Raketen gibt es in bis zu 100 Euro teuren Paketen. Weiterhin aber gilt: Hände weg von illegaler Ware.

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Sie heißen "Overtüre", ein Wort das es gar nicht gibt, oder auch "Fire-Road", die "Feuer-Straße". Ein hiesiger Discounter hat gleich 50 solcher Produkte im Angebot. Und fast jedes davon - wie langweilig, mag da denken - kann über seinen Barcode gescannt werden, um dann auf den Smartphones schon einmal vorab zu schauen, wie es funkelt, blitzt und kracht.

Die Läden jedenfalls waren gestern schon gut besucht. Nach Schätzung des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI) in Ratingen werden die Deutschen erneut rund 124 Millionen Euro fürs Feuerwerk ausgeben, so viel wie im Vorjahr. Obwohl ja angeblich die Kauflaune (siehe Weihnachtsgeschäft) zugenommen haben soll.

Gleichwohl wird's wieder ein gutes Geschäft. Und nicht nur in Berlin sind in Sachen Böller & Co nun auch Bäckereien als Verkaufsstellen auf diesen Zug gesprungen. Derweil warnen Polizei und Verbraucherzentralen davor, billige Ware zu kaufen, die hier und da auch auftaucht. Diese sei im wahrsten Wortsinne "brandgefährlich". In Deutschland geprüfte Ware ist an der Kennzeichnung "BAM P I" oder zum Beispiel "BAM - P II - 1912" zu erkennen. Auch CE-Zeichen mit Prüfnummer sollen die Verbraucher in Sicherheit wiegen.

Also los geht's: "Batterie feuert circa 35 Sekunden, nur einmal zünden - 70 Schuss!" Was sich wie ein Angebotsschreiben der deutschen Rüstungsindustrie an die mexikanische Polizei liest, ist eine "Beatbox" für 20 Euro, die eben auch gut knattert und rattert. Immerhin soll dabei eine "Effekthöhe" von 40 Metern erreicht werden.

Doch was ist mit der eingangs erwähnten "Overtüre" gemeint? Das sind vier verbundene Feuerwerksbatterien für 60 Euro. Wer es ganz exklusiv haben möchte, besorgt sich die "Fire-Road" für 99,95 Euro.

Selbstverständlich gibt es auch noch die guten, alten Wunderkerzen für unter einem Euro sowie die "effektstarken Jugendfeuerwerks-Hits". Damit nicht genug: Romantiker kaufen sich "Wunschraketen mit Schlitz und beigefügtem Zettel für Wünsche und Träume".

Doch ganz gleich ob nun "Multi-Colour-Bombenbuketts mit Brokatwolken und kräftigem Knall" oder ein Paket mit "bis zu 1,2 Kilogramm Explosivmasse" für 70 Euro: Es wird auch vom Wetter abhängen, wie effektvoll das Ganze ist: Schnee "federt" die Lautstärke von Böllern ab, und bei Regen in der Silvesternacht säuft so manche Zündschnur einfach ab. Dann aber gilt: Kein zweites Mal probieren! Wie überhaupt auch zu diesem Jahreswechsel gilt: Wer schon tief ins Glas geschaut hat, sollte lieber nüchterne Freunde ans Feuerwerk lassen. Pyrotechnik, die noch in der Hand explodiert, führt die Leute nicht mehr an den heimischen Tisch, wo man eigentlich ein fröhliches Zinngießen vorhatte, sondern oft genug in die Notaufnahme der Klinik. Für die Region gilt übrigens: In der Altstadt von Tübingen ist Feuerwerk weiterhin streng verboten. Und in Reutlingen ist die Achalmzufahrt ab 22 Uhr gesperrt.

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