"Blättergeist" lädt zum Verweilen ein

Das Umweltbildungszentrum Listhof ist um eine Attraktion reicher geworden. Kettensägen-Künstler Billy Tröge bearbeitete den stattlichen Stamm einer Rotbuche zu einem Blättergeist mit integrierter Bank.

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Kettensägen-Künstler Billy Tröge mit Kindern am Listhof auf der Bank "Blättergeist". Foto: Dietmar Czapalla

"Der Baum stand dem Bauherrn einfach nur im Weg", sagen empörte Nachbarn eines einst parkartig gestalteten, privaten Gartengrundstücks in der Werastraße. Selbiges wird derzeit bebaut. Hier stand bis Ende vergangenen Jahres das Prachtexemplar einer Rotbuche, die vermutlich schönste ihrer Art in Reutlingen.

Ein Sachverständiger für Vegetationstechnik soll es gewesen sein, der nach eingehender Prüfung ein 22-seitiges schriftliches Gutachten erstellt hat. Dem Vernehmen nach hat der dem Baum Brandkrustenpilz, beginnende Stockfäule und eine vermutliche Lebensdauer von nur noch fünf bis acht Jahre attestiert. An das Privatgrundstück angrenzende Nachbarn hatten sich für den Erhalt der prächtigen Blutbuche vergeblich eingesetzt. Im Dezember 2011 wurde dem Baum ein Ende bereitet.

Danach fragte Bauherr Klaus J. Ulbich bei Ralf Bülge-Bohla, dem Geschäftsstellenleiter des Umweltbildungszentrums (UBZ) Listhof an und bot ihm den Stamm des gefällten Riesen zur Verwendung an. Weil das Ganze auch noch kostenlos war, schlug der zu. Der stattliche Stamm wurde von der Werastraße zum Listhof transportiert und der Kreativität des Kettensägen-Künstlers Billy Tröge anvertraut.

Weil dessen verstorbener Opa ebenso wie sein Vater im UBZ stets alles ehrenamtlich geleistet haben, brauchte der 24-jährige gebürtige Reutlinger nicht lange zu überlegen: "Ich will dem Baum die letzte Ehre erweisen und ein Kunstwerk daraus machen - natürlich ehrenamtlich", sagte der gelernte Anlagentechniker mit zusätzlicher Ausbildung als Baumpfleger.

Mitte Juli machte er sich ans Werk. Nicht mit dem Messer, sondern mit der Kettensäge bearbeitete er den knapp vier Meter langen Stamm mit seinen 80 Zentimeter Durchmesser.

Chainsaw-Carving - Schnitzen mit der Kettensäge - nennt sich diese Kunstrichtung. Eine Art der künstlerischen Holzbearbeitung, die, einst von amerikanischen Holzfällern vorgeführt, mittlerweile auch in Deutschland zunehmend Anhänger findet.

Mittels unterschiedlich großen Motor-Kettensägen, versehen mit einem speziellen Carving-Aufsatz, rückte Tröge dem Koloss zu Leibe. Vier Tage lang je vier bis fünf Stunden, dann wurde mit einem Schleifer nachgearbeitet und um Konturen noch deutlicher zu machen, mit der Lötlampe eingebrannt. "Mit Leinöl als natürlichem Produkt", darauf legt der Künstler besonderen Wert, wurde das fertige Werk Tage danach komplett behandelt. "Das machts etwas dunkler."

Jetzt lädt der "Blättergeist" mit seiner integrierten Sitzbank Besucher des Listhofs zum Verweilen und zum Erleben der Natur um ihn herum ein. Billy Tröge ist zurecht stolz auf sein bislang zweitgrößtes Kunstwerk - nach einem vier Meter großen Bär, der in Gomadingen-Steingebronn auf der Schwäbischen Alb steht. Im Rahmen einer großen Ausstellung auf Schloss Lichtenstein wird es und einige seiner größeren Werke vom 21. bis 23. September zu bewundern sein. "Ich betreibe die Kettensägen-Kunst, weil es mir Spaß macht. Holz ist mein Ding", sagt der naturverbunden aufgewachsene Billy Tröge, aber auch: "Wenn ich gewusst hätte, dass die Rotbuche noch hätte stehen bleiben können, ich hätte ihren Stamm nicht bearbeitet."

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