"40 Jahre gehen schnell vorbei"

Die Zukunft des Unternehmens ist gesichert, die Nachfolge geregelt: Nach 40 Jahren im Betrieb hört Dieter Kullen, Geschäftsführer der Kullen-Koti GmbH auf. Heute ist sein letzter Arbeitstag.

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  • Dieter Kullen (rechts) wird heute verabschiedet, sein Nachfolger als Geschäftsführer ist Andreas Bruhn. Foto: Kullen 1/2
    Dieter Kullen (rechts) wird heute verabschiedet, sein Nachfolger als Geschäftsführer ist Andreas Bruhn. Foto: Kullen
  • Seit dem Verkauf im Jahr 2012 ist Kullen ein Teil der niederländischen Koti-Gruppe. Foto: Ralph Bausinger 2/2
    Seit dem Verkauf im Jahr 2012 ist Kullen ein Teil der niederländischen Koti-Gruppe. Foto: Ralph Bausinger
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"Es ist Zeit, Abschied zu nehmen", hat Dieter Kullen, der am Mittwoch seinen 67. Geburtstag feierte, seinen Brief an Kunden und Geschäftspartner überschrieben.

"40 Jahre gehen schnell vorbei", erzählt Dieter Kullen. 1974 trat er in das Unternehmen ein, neun Jahre später wurde er Geschäftsführer. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten hat er die Entwicklung des Herstellers technischer Bürsten an entscheidender Stelle mitgeprägt. Ein Blick zurück: Als er 1983 die Leitung übernommen hatte, war das Produktportfolio des 1913 gegründeten Unternehmens auf 55 000 Bürstentypen angewachsen. Die Firma beteiligte sich an zahlreichen Fachmessen im In- und Ausland.

1990 erwarb Kullen die Kleeneze Sealtech Ltd. in Bristol mit 100 Mitarbeitern, ein Jahr später kauften die Familien Kullen/Keim den 25-Prozent-Anteil der Familie Kuhner zurück. 1996 wagte das Unternehmen den Sprung nach Asien und gründete ein Joint Venture in China. Die Gesamtfläche aller Produktionsstätten betrug damals 30 000 Quadratmeter.

1998 wurde das neue Logistikzentrum mit Hochregallager für Roh- und Fertigwaren im Reutlinger Hauptwerk fertig gestellt, ein Jahr später gab sich der Bürstenhersteller ein neues Erscheinungsbild: Die Kullen & Mez GmbH firmierte jetzt als Kullen GmbH & Co. KG. Im neuen Jahrtausend eröffnete das Unternehmen noch ein Verkaufsbüro in der tschechischen Republik. Und 2003 stellte Kullen den ersten Online-Katalog vor.

Die schwere Wirtschaftskrise, die durch den Zusammenbruch der Lehmann-Brothers ausgelöst worden war, bekam Kullen zu spüren: In den Jahren 2008/09 brach der Umsatz um 30 Prozent ein, doch dank der Kurzarbeiterregelung konnten alle Mitarbeiter gehalten werden. 2012 erfolgte dann der große Umbruch: Da in absehbarer Zeit kein Familienmitglied für die Geschäftsführung zur Verfügung stehen würde, entschieden sich die Gesellschafter nach reiflicher Überlegung, den Hersteller technischer Bürsten an die niederländische Koti-Gruppe zu verkaufen. Nach fast einem Jahrhundert ist das Unternehmen nun nicht mehr im Besitz der Familie Kullen - ein Schritt, der die Firma auf dem europäischen Markt weiter stärkte und den Fortbestand am Standort Reutlingen sicherte. Beide Firmengruppen ergänzen sich in ihren Produktportfolios und sind Spezialisten in ihren jeweiligen Bereichen.

2013 feierte der Hersteller technischer Bürsten, dessen Produktpalette zwischenzeitlich 141 000 unterschiedliche Typen umfasst, sein 100-jähriges Bestehen: "Was unsere eigenen Vorfahren über die Jahrzehnte aufgebaut, erweitert und fortentwickelt haben, ist beeindruckend, und war nur durch Einsatz, Hartnäckigkeit und Unternehmergeist möglich. Kullen ist auch deswegen gewachsen, weil unsere Belegschaft bereit war, sich täglich und engagiert für unsere Firma einzusetzen", unterstrich Dieter Kullen damals voller Stolz.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens mit seinen 220 Mitarbeitern bezeichnet der Geschäftsführer als positiv, der Auftragseingang sei "zufriedenstellend". 2013 erwirtschaftete die Kullen-Koti GmbH einen konsolidierten Umsatz von 37 Mio. Euro. 2013 war es auch, dass die Gesellschaft den größten Auftrag der Firmengeschichte erhielt - die Lieferung einer Ofentransportwalze im Wert von fünf Mio. Euro.

Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer engagierte sich Dieter Kullen auch im Verband der Bürstenindustrie - sowohl auf nationaler wie auch europäischer Ebene.

Die soziale Komponente war ihm immer wichtig, er habe stets großen Wert darauf, einen "guten Draht" zu Belegschaft und deren gewählten Vertretern zu haben, erzählt Dieter Kullen. Sein Nachfolger als Geschäftsführer wird ab 1. April sein bisheriger Assistent Andreas Bruhn - eine "optimale Nachfolgeregelung", wie der scheidende Geschäftsführer sagt. Dieter Kullen wird aber ein Büro im Unternehmen behalten.

Heute verabschiedet sich der langjährige Geschäftsführer in einer kleinen, betriebsinternen Feier mit Buffet und Musik. Dann hat er auch mehr Zeit für seine Hobbys haben - Golf spielen, Ski fahren und reisen. So kann sich der 67-Jährige durchaus vorstellen, längere Rucksack-Touren in Südamerika, Vietnam oder Kambodscha zu unternehmen. "Das ganze Leben ist ein Abenteuer", sagt Dieter Kullen, auf dessen To-Do-Liste auch noch ein Bungee-Sprung steht. Nein, ängstlich ist Dieter Kullen nicht. Dass er vor 15 Jahren an der Copacabana ausgeraubt wurde, hat ihm den Spaß am Abenteuer nicht verleidet.

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