Zur Realschulreife mit dem Marchtaler-Plan

Reutlingen.  Die Reutlinger Schullandschaft wird um eine Pflanze reicher. Im Herbst möchte die katholische St. Wolfgangschule einen Realschulzug einrichten. Platz ist da: Die Schule hat neue Klassenzimmer aufs Dach gebaut.

Das staatliche Schulsystem ist im Umbruch - da wollen auch die "Privaten" nicht hinten anstehen: Die katholische St. Wolfgangschule bietet einen weiteren mittleren Bildungsabschluss an - und zwar die Realschulreife. Am Standort in der Werastraße unter dem Georgenberg besuchten die derzeit 530 Schüler bislang eine freie Grund- und eine Werkrealschule. Während es in der Grundschule mit immerhin drei Parallelklassen kaum an Bewerbern fehlte, sah es in den weiterführenden Stufen nicht ganz so rosig aus. "Viele unserer Schüler sind nach der vierten Klasse auf eine andere weiterführende Schule gewechselt", sagt Dorothea Fecker-Kuon, Konrektorin an der St. Wolfgang-Schule.

Meist führte dieser Weg auf eine Realschule oder ein Gymnasium - da lag ein weiteres Angebot neben der Werkrealschule nahe: "Der neue Realschulzug ist auch ein lang gehegter Wunsch unserer Eltern", erklärt Schulleiter Peter Roth. Auch die Gremien an der Schule stehen hinter dieser Idee, so der Rektor. Die Verantwortlichen haben bereits erste Gespräche mit dem Kultusministerium und dem Regierungspräsidium Tübingen geführt - beide Behörden hätten die Zustimmung signalisiert. Die Stiftung der St. Wolfgangschule hat als Träger der Bildungseinrichtung den formalen Antrag gestellt.

Peter Roth ist zuversichtlich, zum Schuljahr 2012/2013 mit dem integrativen Realschulzug starten zu können. Vier Realschullehrer sind bereits im Haus, willkommen sind auch Kinder von anderen Grundschulen, so Peter Roth.

Statt mit einer zweizügigen Werkrealschule plant die Schulleitung künftig mit je einem Werk- und einem Realschulzug. Auch der Platz für das neue Vorhaben ist vorhanden: Eben erst haben die Schulvorderen vier neue Klassenzimmer aufs Dach des Hauses bauen lassen. Bestehen bleibt auch das pädagogischen Konzept der St. Wolfgangschule. Die 36 Lehrer unterrichten nach dem "Marchtaler Plan", einem eigenen Unterrichtsrahmen für die Katholischen Freien Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der Plan basiert unter anderem auf den Grundgedanken der Reformpädagogin Maria Montessori (1870 bis 1952). Eckpunkte sind ein Morgenkreis, die freie Stillarbeit und ein vernetzter Unterricht.

Vorgesehen ist, dass die Schüler der Werkrealschule und der Realschule in der Orientierungsstufe, den Klassen fünf bis sieben, in einigen Fächern gemeinsam unterrichtet werden. Dabei stehe die individuelle Begleitung der Kinder ebenso im Mittelpunkt wie das von vielen Pädagogen propagierte längere gemeinsame Lernen: "Wir möchten die schwachen Schüler in der Werkrealschule stützen und die besseren Realschüler fördern", kündigt Peter Roth an. Das kann unter anderem im Rahmen der freien Stillarbeit mit unterschiedlichen Materialien geschehen, erklärt Dorothea Fecker-Kuon. Von der achten Klasse an gehen die Jungen und Mädchen der zwei Schularten dann auch unterrichtlich getrennte Wege - im Klassenverband.

Das in der Gemeinschaftsschule übliche gruppen- und altersübergreifende Lernen wollen die Pädagogen an der St. Wolfgangschule "bewusst nicht praktizieren", betont der Rektor. "Klassenverbände bieten auch Heimat und Orientierung für die Schüler."


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Autor: CHRISTINA HÖLZ | 06.02.2012

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