Zum Beginn gleich drei Autos geschrottet
Mittelstadt. Es war keine gewöhnliche Hauptversammlung im Mittelstädter Feuerwehrhaus am vergangenen Freitagabend: Nach 40 aktiven Jahren begab sich Gerhard Fauser in den Feuerwehr-Ruhestand.
Als völlig "normal" bezeichnete Gerhard Fauser in seinem Bericht das abgelaufene Jahr. "Normal" bedeutet für die Mittelstädter Freiwillige Feuerwehr: 14 Einsätze, darunter zehn Brände. Richtig groß und gefährlich sei aber nichts dabei gewesen. Eher einfache Sachen wie etwa ein brennender Laubhaufen oder ein Auto, das Feuer gefangen hatte. Kleinigkeiten, keine Probleme für die bestens ausgebildeten Feuerwehrleute in Mittelstadt.
Wesentliche Bestandteile des Feuerwehrjahres seien immer auch die Übungen, "die sind wichtig und notwendig", betonte der Abteilungskommandant. Er hob zudem die "Festivitäten" hervor, die für die Feuerwehrleute nicht minder bedeutend seien. Denn: "Die Kameradschaft ist sehr wichtig, weil ich im Einsatz immer wissen muss, dass neben mir einer steht, auf den ich mich verlassen kann", wie Reutlingens Feuerwehrkommandant Harald Herrmann unterstrich.
Ein wesentlicher Bestandteil der Abteilungsversammlung am Freitagabend war aber der Rückblick von Gerhard Fauser auf 40 aktive Feuerwehrjahre, 20 davon als Mittelstädter Abteilungskommandant. Viel, sehr viel habe sich verändert in diesen vier Jahrzehnten, sagte er. Die Uniformen, die Fahrzeuge - apropos Fahrzeuge: "Meine Feuertaufe als Kommandant erlebte ich dadurch, dass beim ersten Einsatz gleich drei Feuerwehrautos geschrottet wurden", erzählte Fauser schmunzelnd. Heute kann er drüber lachen, damals war es wohl eine ziemliche Katastrophe.
Mit Grausen erinnert er sich auch noch an ein ganz spezielles Datum, an den Alptraum aller aktiven Brandbekämpfer: Am 4. Februar 1995 um 17.09 Uhr, das weiß er noch ganz genau, kam der Alarm - das Feuerwehrhaus brannte. Ohne die notwendige Einsatzkleidung haben die Floriansjünger es dennoch geschafft, das Feuer in den Griff zu bekommen. Eine wahre Meisterleistung.
Seitdem habe sich viel getan, die Ausrüstung der Mittelstädter Feuerwehr sei immer besser geworden, mit dem neusten Fahrzeug, das 2009 in Empfang genommen wurde, stehe jetzt ein richtiges "Hightech-Löschfahrzeug" in der Garage.
Dass Fauser nun im Alter von 60 Jahren den Staffelstab weiter gibt, darüber haben sich offensichtlich andere Menschen mehr Gedanken gemacht, als der scheidende Abteilungskommandant selbst: "Wenn du vor lauter Langeweile hier ums Haus herumschleichen solltest, habe ich ein passendes Geschenk - ein Kochbuch", sagte Herrmann und überreichte das Präsent. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. "Dann kannst du deine Kameraden richtig bekochen." Und auch Mittelstadts Bezirksbürgermeister Wilhelm Haug trug seinen Teil dazu bei: Die Flasche Wein, die er als Geschenk überreichte, dürfe Fauser natürlich selbst trinken, "sie könnte aber auch für eine gute Sauce sein".
Mit der Ernennung zum Ehrenkommandanten der Mittelstädter Feuerwehr machte Gerhard Fauser aber auch den Weg frei für den Nachwuchs: In der Wahl des neuen Kommandanten wurde Johannes Böhringer mit nur einer Enthaltung - wahrscheinlich seiner eigenen Stimme - von der Mannschaft ins Amt gehoben.
Neuer Stellvertreter wurde, mit dem gleichen Ergebnis, Theodor Walker. Und Stefan Heim wurde zudem für 20 Jahre Feuerwehrdienst geehrt, Rainer Knecht für 30 und Fritz Vogel für 45 Jahre.
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Autor: NORBERT LEISTER | 06.02.2012
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Nach 40 Jahren im aktiven Feuerwehrdienst wurde Gerhard Fauser (links) im Beisein des Reutlinger Gesamtfeuerwehrkommandanten Harald Herrmann (zweiter von links) und Mittelstadts Bezirksbürgermeister Wilhelm Haug (rechts) zum Ehrenkommandanten gewählt. Sein Nachfolger als Abteilungskommandant ist Johannes Böhringer. Foto: Norbert Leister
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