"Wir sind keine Ausländer"

Reutlingen.  Es war schon das 15. Wirtschaftsforum der Reutlinger European School of Business (ESB). Auch dieses Mal war das Thema hochaktuell: "Ausländer - Deutschlands letzte Chance?", lautete die Fragestellung.

Statt auf dem Hochschulgelände wurde das Podium am Donnerstagabend zum ersten Mal mitten in der Stadt, nämlich im Kino abgehalten. "Was eigentlich eine gute Idee ist", wie Kerstin Kindermann als PR-Sprecherin der ESB kurz vor der Veranstaltung betonte. Das fanden offensichtlich auch rund 300 Besucher, die ins Planie-Kino-Center gekommen waren. Was die Gäste am Donnerstagabend dort zu sehen und zu hören bekamen, war allerdings weit entfernt von der sonstigen eher leicht verdaulichen Kost in dem Filmpalast: Ob denn die Podiumsteilnehmer nicht endlich wegkommen wollten von ihrer "ethno-zentristischen und utilitaristischen Perspektive", fragte eine junge Frau aus dem Publikum.

"Ich muss gestehen, dass sich hier der Fachkräftemangel bemerkbar macht, ich verstehe die Frage nicht", sagte Moderator Norman Odenthal schlagfertig, der in seinem Erst-Job die ZDF-Nachrichten liest. Aufgrund der Frage wurde aber schon deutlich, dass sich im Publikum eine Vielzahl an hochgebildeten Studierenden befanden, von denen viele das Thema dieses Abends "Ausländer - Deutschlands letzte Chance?" spiegelten. Ob ägyptischer Schwabe oder schwäbelnder Türke - die Reihen der interessierten Zuhörer bildete auch den Reichtum der Migration ab. "Natürlich gehört der Islam zu Deutschland", hatte der einzige Politiker auf der Bühne betont - der FDP-Generalsekretär Christian Lindner war im Übrigen "schuld" daran, dass die Veranstaltung ins Kino verlegt wurde: "Sechs Wochen vor einer Landtagswahl dürfen in öffentlichen Räumen keine Wahlveranstaltungen durchgeführt werden", hatte ESB-Dekan Ottmar Schneck eingangs betont. Auch wenn die Diskussion gar nicht als Wahlveranstaltung gedacht war.

Mit auf dem Podium saßen weitere "Hochkaräter", wie etwa Dr. Vassillis Tsianos, Soziologe von der Uni Hamburg. Er sagte als eingebürgerter Deutscher zu dem Thema: "Wir sind keine Ausländer, wir sind Inländer, denn wir sind ja schon da." Zum Thema Bildung forderte Prof. Eva Maria Haberfellner, Leiterin der Schule in Salem: "Wir müssen unsere Ausbildung der Lehrer verändern und sie endlich auf ihre heutigen Aufgaben vorbereiten." Von der Politik sehe sie aber keine Anzeichen, dass sich da etwas ändern könnte.

Weihbischof Thomas Maria Renz sagte zum Thema Integration und Arbeitsmigration: "Wir müssen die Menschen, die zu uns kommen, als Menschen sehen und nicht nur unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit." Weise Worte, denen Ursula Schwarzenbart von der Daimler AG einen weiteren Aspekt hinzufügte: "Viele Hochqualifizierte gehen nicht nach Deutschland, sondern in die USA, nach China und Indien." Lindner ergänzte dazu: "Wir müssen für die Fachkräfte aus dem Ausland attraktiver werden, damit die hoch qualifizierten jungen Leute aus dem Ausland überhaupt nach Deutschland kommen wollen."

Die Abschlussfrage aus dem Publikum war eher humoristisch: Ob der Fußballstar Mesut Özil ein gutes Beispiel für gelungene Integration sei? Renz sagte: "Als VfB-Fan muss ich eindeutig Nein dazu sagen." Christian Lindner setzte dem ein klares "Ja" entgegen, Schwarzenbart stimmte dem FDP-Generalsekretär zu, Haberfellner meinte: "Als Spieler von Real Madrid präsentiert er Deutschland gut." Und Vassillis Tsianos? "Mesut Özil ist kein besonderes Beispiel für geglückte Integration, eher ein ganz normales."


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Autor: NORBERT LEISTER | 26.03.2011

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